Audiyou-Wettbewerb : Die Sieger stehen fest

Sie rappen, reimen und machen sich Gedanken rund ums Thema Wohnen – und vor allem auch ums „Nicht-Wohnen“. Hamburger Schüler haben mitgemacht beim dritten Audio-Wettbewerb von Audiyou und Hinz&Kunzt. Jetzt wurden die Gewinner gekürt.

Mit Urkunden: Die Gewinner des 3. gemeinsamen Audio-Wettbewerbs von Audiyou und Hinz&Kunzt nach der Preisverleihung.

Wo sonst Verkäufer einen Kaffee trinken, wird jetzt nervös Weingummi gekaut: Im Vertrieb von Hinz&Kunzt warten rund 40 Schüler darauf, dass jetzt gleich die Sieger des Audio-Wettbewerbs verlesen werden. Zum dritten Mal wurde der schon von der Internet-Plattform Audiyou und Hinz&Kunzt organisiert. Dieses Mal sollten sich die Schüler Gedanken rund ums Thema Wohnen machen. Das Motto hieß: „Miteinander hören: Wer Wie Was Wohnen“. Die Form konnten die Teilnehmer frei wählen: Hörspiele, Interviews, Gedichte, Lieder oder einfach nur Freestyle war möglich.

35 Beiträge waren es am Ende. Dabei hatten die Teilnehmer die Nerven von Audiyou-Macherin Stephanie Landa strapaziert, wie sie erzählt: „Bis einen Tag vor Einsendeschluss waren gerade mal zwei Beiträge hochgeladen. Wir hatten Panik.“ Am letzten Tag trudelte dann das Gros ein. Aus diesen wählte eine Jury – bestehend aus Hörspielsprecher Sascha Draeger, Radiojournalistin Annika Sepeuer, Lehrerin Regina Grabbet und Hinz&Künztler Reiner Rümke – elf für die finale Runde aus. „Die Mehrzahl kam von ganzen Schulklassen der Stufe sechs bis acht, aber manche haben sich auch allein beworben“, sagt Hinz&Kunzt-Öffentlichkeitsreferentin Isabel Schwartau. Das Niveau sei auch in diesem Jahr beachtlich gewesen: „Ihr habt wirklich etwas zu sagen“, so Schwartau anerkennend.

Gewinnerin des 1. Preises: Cora Dlugaj von der Stadtteilschule Bahrenfeld.

Auf einen Beitrag traf das nach Meinung der Jury besonders zu: den der 14-jährigen Cora Dlugaj von der Stadtteilschule Bahrenfeld. In „Keiner will mich“ erzählt sie in knapp drei Minuten von einer jungen Frau, die den Halt im Leben verliert: Es beginnt mit Schwänzen. Mit 17 knickt sie die Schule ganz. Und lebt fortan auf der Straße. Mit 28 gibt es kaum Arbeit, aber viel Frust. „Die Leute wollen einfach niemanden mit meinem Lebenslauf. “ Sie fürchtet den kalten Winter. WG-Bewerbungen bleiben erfolglos. Coras Geschichte hat kein Happy End: „Dieser Winter forderte mehre Opfer. Dieser Winter forderte unter anderem mich.“ Jurorin Annika Sepeuer: „Das ist ganz berührend geschrieben. Bei diesem Beitrag entsteht Kino im Kopf.“

Anhören: Keiner will mich[audio:https://hinzundkunzt.de/wp-content/uploads/2012/06/10-Keiner-will-mich.mp3|titles=Keiner will mich]

Sie habe Meldungen von erfrorenen Obdachlosen in der Zeitung gelesen, sagt Cora. „Da dachte ich, da muss doch noch mehr drüber erzählt werden.“ Eine Freundin sei jeden Tag an einem Obdachlosen vorbei gegangen, der plötzlich nicht mehr da war. Ihrem perfekt eingelesenen Beitrag hört man die Mühen nicht an: „Das Aufnehmen war echt eine Katstrophe. Ich habe bestimmt 20 Versuche gebraucht. Am Ende konnte ich es auswendig“, sagt sie. Und dass Deutsch eines ihrer schlechteren Fächer sei. Als Preis erhält Cora ein Profi-Aufnahmegerät, mit dem man auch Videos drehen kann.

Hinz&Künztler Reiner saß zum wiederholten Mal in der Jury.

Doppelt freuen konnten sich die Teilnehmer der Gesamtschule Alter Teichweg. Die Jury vergab den zweiten Platz gleich zwei Mal an ihre Schule. Juror Reiner von Hinz&Kunzt: „Zwei Supergedichte, die mir sehr nahe gegangen sind.“  In „Der obdachlose Traum“ sinniert ein Wohnungsloser darüber, wieso er für alle nur noch der „Penner“ ist. Gibt es aus dem Albtraum ein Entrinnen?

Anhören: Der obdachlose Traum [audio:https://hinzundkunzt.de/wp-content/uploads/2012/06/06-Der-obdachlose-Traum.mp3|titles=Der obdachlose Traum]

„Verschiedene Welten“ erzählt in Reimen von der Schere zwischen Arm und Reich. Und von der Last, morgens nicht zu wissen, wo man abends schläft. Jurymitglied Regina Grabbet: „Ich wünschte, die Leute an der feinen Elbchaussee würden den Beitrag einmal hören.“

Anhören: Verschiedene Welten
[audio:https://hinzundkunzt.de/wp-content/uploads/2012/06/09-Verschiedene-Welten.mp3|titles=Verschiedene Welten]

Auch Platz Drei wurde zwei Mal vergeben: Einmal an die Gretel-Bergmann-Schule für „Der alte Mann“. Der verliert wegen Alkohol erst seine Frau und dann die Hoffnung.

Anhören: Der alte Mann
[audio:https://hinzundkunzt.de/wp-content/uploads/2012/06/11-Der-alte-Mann.mp3|titles=Der alte Mann]

Auch in „Das Leben nimmt seinen Lauf“ von der Stadtteilschule Eidelstedt gibt es einen männlichen Hauptdarsteller. Er muss nach einem Unfall sein Leben neu ordnen. Ohne seine Partnerin, eine Wohnung und Arbeit – aber es gelingt!

Anhören: Das Leben nimmt seinen Lauf

[audio:https://hinzundkunzt.de/wp-content/uploads/2012/06/Das-Leben-nimmt-seinen-Lauf.mp3|titles=Das Leben nimmt seinen Lauf]

Sonderpreise für Musik, Hörspiel und Technik

Jury-Mitglieder Sascha Draeger, Annika Sepeuer und Regina Grabbet (von li. nach re.)

Zudem vergab die Jury drei Sonderpreise für besondere Leistungen in den Bereichen Musik, Technik und Hörspiel. Der Sonderpreis Musik geht an die Schule Stübenhofener Weg für das Lied „Hör gut zu“. Die Schülerinnen singen von dem Leben „mit dem Becher in der Hand“, klatschen rhythmisch in die Hände und klettern scheinbar mühelos über die Tonleiter.

Anhören: Hör gut zu
[audio:https://hinzundkunzt.de/wp-content/uploads/2012/06/05-Hoert-gut-zu.mp3|titles=Hoert gut zu]

Über den Sonderpreis für Technik können sich die Geschwister Antka und Jurek für ihren Beitrag „Generationenübergreifend wohnen“ freuen. In dem Interview-Feature berichten sie von ihrem Leben mit jungen und alten Nachbarn.

 

 

Anhören: Generationenübergreifend wohnen

[audio:https://hinzundkunzt.de/wp-content/uploads/2012/06/Generationenuebergreifend-wohnen.mp3|titles=Generationenuebergreifend wohnen]
„Das verlassene Haus“ erhielt den Sonderpreis Hörspiel. Die Schüler der Stadtteilschule Walddörfer nehmen uns in ihrem 6:22 Minuten langen Hörspiel mit auf ein Abenteuer in ein verlassenes Spukhaus.

Anhören: Das verlassene Haus
[audio:https://hinzundkunzt.de/wp-content/uploads/2012/06/Das-verlassene-Haus.mp3|titles=Das verlassene Haus]

Alle Teilnehmer bekamen zum Abschluss der Veranstaltung eine Urkunde. Am Rand der Siegerehrung konnte sich auch Audiyou-Macherin Stephanie Landa über einen Preis freuen: Sie erhielt von Sascha Ploog von der Deutschen Bank die Auszeichnung als Preisträgerin im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“. Damit werden „ausgewählte Orte“ gewürdigt, die für Fortschritt und Zukunft in Deutschland stehen. Ort ist dabei nicht streng geografisch zu verstehen. Es sind auch Orte gemeint, wo sich Kreativität sammeln kann: wie bei Audiyou. Vor vier Jahren als Do It Yourself-Projekt begonnen, kann man heute schon rund 2700 Audiobeiträge kostenlos abrufen.

Ein herzlicher Dank geht an die Sponsoren Sound Service GmbH und Diesterweg Verlag für die Bereitstellung der Preise.

Text: Simone Deckner
Fotos: Mauricio Bustamante

 

Diskutieren Sie mit uns!

Wenn Sie mit uns diskutieren wollen, besuchen Sie uns auf unserer Facebook-Seite oder schicken Sie uns einen Leserbrief an redaktion@hinzundkunzt.de.