Randnotizen vom 26. Juni 2026
25 Jahre Trauer um Süleyman Taşköprü

Gedenkstein für Süleyman Taşköprü in der Hamburger Schützenstraße. Foto: Dmitrij Leltschuk

Wie Süleyman Taşköprüs Neffe die Folgen des NSU-Mords erlebt hat und welche Folgen die geplanten Kürzungen beim Wohngeld haben könnten.

Am Samstag ist es 25 Jahre her, dass die Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos einen Bahrenfelder Gemüseladen betraten und den Kaufmann Süleyman Taşköprü erschossen. Drei Schüsse aus nächster Nähe in den Kopf. Motiv: Rassismus. Für seine Familie begann an diesem Tag ein Martyrium, das bis heute anhält.

Bislang war es Süleymans Schwester Aysen Taşköprü, die sich wiederholt an die Öffentlichkeit gewandt hat – zum Beispiel 2021 in Hinz&Kunzt. Nun spricht mit ihrem Sohn Okan die nächste Generation. Ich bin sehr froh, dass ich ihn zum Interview für unsere Juni-Ausgabe treffen konnte. Wir haben darüber gesprochen, was es bedeutet, in der Familie eines NSU-Opfers aufzuwachsen.

Die Differenzen mit der Stadt konnte die Familie bis heute nicht überwinden. Eine von der Bürgerschaft geplante Gedenkfeier findet nicht statt, weil sich die Taşköprüs instrumentalisiert gefühlt haben. Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) plant stattdessen ein „stilles, persönliches Gedenken“, wie eine Sprecherin erklärte. Okan Taşköprü wird im Namen seines Onkels Essen an Obdachlose verteilen. Eine schöne Geste, die ihren Ursprung in einer türkischen Tradition hat.

Ich frage mich in diesen Tagen mal wieder, wie ernst es der Bundesregierung eigentlich mit der Bekämpfung der Wohnungslosigkeit ist. Gestern hat das Bauministerium seine Pläne für Kürzungen beim Wohngeld vorgestellt. Die voraussichtliche Folge: Zehntausende Haushalte werden ab 2029 auf Sozialhilfe angewiesen sein, weil ihnen das Wohngeld teilweise gestrichen wird.

Durch die Reform drohten Wohnungsverlust und Wohnungslosigkeit, warnen Mieterbund und Wohnungslosenhilfe. Die gleiche Warnung hatten sie auch schon vor der Reform des Bürgergeldes ausgesprochen – doch es nützte nichts, ab kommender Woche sind dort auch Sanktionen der Mietzahlungen möglich. Angesichts des Vorhabens, Wohnungslosigkeit bis 2030 zu „überwinden“, finde ich das absurd.

Kommen Sie gut durch die Hitze!

Hinz&Kunzt Randnotizen

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Artikel aus der Ausgabe:
Titelbild von Hinz&Kunzt mit einem nackten Mann am Strand, der ein Surfbrett unter dem Arm trägt. Titelzeile: Wann ist ein Mann eine Mann?

Wann ist ein Mann ein Mann?

Wie Robert Lindemann sich gegen Sexismus im Netz wehrt, was Menschen zum Mann macht und wie Gewalttäter therapiert werden. Außerdem: Okan Taşköprü über den NSU-Mord an seinem Onkel Süleyman und das Kurioseste aus 400 Ausgaben Hinz&Kunzt.

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Autor:in
Benjamin Buchholz
Benjamin Buchholz
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD für das Onlinemagazin.