Lampedusa in Hamburg

Flüchtlinge verlassen Kirche

Die Lampedusa-Flüchtlinge haben die St. Pauli-Kirche verlassen. Sie wohnen nun auf den Geländen der Kirchengemeinden in St. Pauli, Ottensen und Iserbrook in beheizten Wohncontainern. Die St. Pauli Kirche will die Flüchtlinge weiter unterstützen.

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Das spanische Künstlerkollektiv Enmedio hat einige der Flüchtlinge als John, Paul, George und Ringo abgelichtet, quasi als neue Beatles.

Die Lampedusa-Flüchtlinge aus der St. Pauli-Kirche kommen in beheizten Wohncontainern unter. Im Gespräch mit Hinz&Kunzt bestätigt Pastor Sieghard Wilm, dass alle Flüchtlinge in Containern auf dem Gelände der St. Pauli-Kirche, der Christianskirche in Ottensen und der Martin-Luther-Kirche in Iserbrook untergebracht wurden. Ob sich die Flüchtlinge inzwischen alle bei der Ausländerbehörde gemeldet haben, ist der Kirche nicht bekannt. „Wir helfen ohne Ansehen der Person“, so Wilm.

Zugleich soll die Unterstützung durch zahlreiche ehrenamtliche Helfer fortgeführt werden. „Wir machen auch weiterhin gemeinsame Veranstaltungen in der Kirche“, sagt Wilm.  Am 6. Dezember lädt die St. Pauli Kirche um 19 Uhr zum „politischen Advent“. Die Lesung mit Schauspieler Rolf Becker läuft unter dem Titel „Vom Stall zu Bethlehem nach Lampedusa“.

Seit Juni hatten etwa 70 der geschätzten 300 Lampedusa-Flüchtlinge in Hamburg einen Notschlafplatz in der St.-Pauli-Kirche gehabt. Innensenator Michael Neumann fordert, dass sich alle Flüchtlinge einem Einzelprüfverfahren stellen. Dass die Nordkirche inzwischen ebenfalls zu diesem Vorgehen rät, kritisieren die Flüchtlinge in einem offenen Brief. „Die absolute Mehrheit von uns lehnt diesen Weg aufgrund seiner Unsicherheit und aufgrund der gleichen ablehnenden Haltung des Senats ab“, heißt es in dem Schreiben.

Aus Sicht der Kirche stehen die Forderung nach einem Bleiberecht und die Empfehlung an die Flüchtlinge, sich jetzt bei der Behörde zu melden, nicht im Widerspruch zueinander. „Die Flüchtlinge haben doch innerhalb ihres Antragsverfahrens weiterhin die Möglichkeit, für ihre bisherigen Forderungen einzutreten“, so Bischöfin Kirsten Fehrs.

Text: JOF
Fotos: Enmedio

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