Privatinititative hilft : Ein Wohncontainer für Rolf

Rolf (67) hat kurz vor Weihnacten seinen Container beziehen können. Foto: Jonas Füllner

Gute Nachricht für den Obdachlosen Rolf: Auf dem Gelände der Kirchengemeinde Lokstedt wurde ein Wohncontainer für den 67-Jährigen aufgestellt – eine Privatinititative um den ehemaligen Obdachlosen Max Bryan sammelte das Geld dafür.

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Seit etwa einem Jahr ist Rolf obdachlos. Nach dem Tod seiner Frau konnte er die Miete für seine zu große Wohnung nicht mehr bezahlen und landete schließlich auf der Straße. Anfang November suchte er Schutz im städtischen Winternotprogramm. Wie alle anderen Obdachlosen wurde er jeden Morgen vor die Tür gesetzt und musste den Tag über im Freien verbringen. „Auch an den richtig kalten Tagen“, klagt Rolf.

Lange überlegen musste Rolf daher nicht, als ihm wenige Tage vor Heiligabend ein Platz in einem Wohncontainer von Max Bryan angeboten wurde. Der 41-Jährige war früher selber obdachlos. Jetzt unterstützt er andere Obdachlose. Seit Monaten sammelte er mit seiner Initiative „Hilfe für Hamburger Obdachlose“ im Netz Spenden für Wohncontainer.

Das Geld floss, doch die Suche nach Stellplätzen gestaltete sich weitaus schwieriger. Im Februar konnte schließlich der erste Container nahe den Landungsbrücken aufgestellt werden. Der obdachlose Klaus zog ein. Am 1. November bezog der obdachlose Bolle seinen Container in Langenhorn – die Ansgar-Gemeinde hatte den Platz zur Verfügung gestellt.

Die beiden ehrenamtlichen Helfer Max Bryan (links) und Thorsten Bassenberg (rechts) unterstützen den wohnungslosen Rolf. Der 67-Jährige kann den Winter nun in einem eigenen Container in Lokstedt verbringen. Foto: Jonas Füllner.

Ehemaliger Obdachloser Max Bryan startete Inititaive

Den Containerplatz für Rolf konnte die Initiative nun mit Hilfe der evangelische Kirchengemeinde Hamburg Lokstedt aufstellen. Max Bryan ist dankbar für die Unterstützung von Pastor Claus Hoppe, der den Stellplatz gestellt hat und täglich nach Rolf schaut. Unweit der Lenz-Siedlung hat Rolf nun bis Ende April seine eigenen vier Wände, kann sich vor der Kälte schützen. 

Endlich mal ausruhen– Rolf (obdachlos)

Die Freude bei Rolf war groß: „Im Container kann ich mich endlich mal ausruhen“, sagt der Rentner (hier ein Video von Rolf von Spiegel Online).

Max Bryan will Rolf auch bei der Suche nach einer Wohnung unterstützen. Sein Ziel ist, dass der Obdachlose nicht wieder auf der Straße landet. „Wir haben jetzt Zeit bis April“, sagt Bryan. So lange kann der Container stehen bleiben.

Doch damit nicht genug: Mindestens zwei weitere Wohncontainer will die Initiative um Max Bryan noch in diesem Winter aufstellen. Der nächste Standort und seine potentielle Bewohnerin stehen auch schon fest: Wenn alles klappt, soll die 64-jährige Tina im Januar ihren Container auf St. Pauli beziehen. „Sie schläft jetzt noch im Winternotprogramm, muss jeden Morgen mit ihrem Rollator wieder raus auf die Straße“, sagt Max Bryan. Doch noch fehlt die Baugenehmigung für den Container. „Wir warten seit drei Monaten, aber der zuständige Bezirk Mitte tut sich schwer“, so Bryan. 

 

Über die Autoren
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.
Simone Deckner
Simone Deckner ist freie Journalistin mit den Schwerpunkten Kultur, Gesellschaft und Soziales. Seit 2011 arbeitet sie bei Hinz&Kunzt: sowohl online als auch fürs Heft.

3 Kommentare zu “Ein Wohncontainer für Rolf

  1. Seit vielen Jahren kenn ich den Max, und was er da mit vielen anderen Menschen leistet, ist bemerkenswert. Denn es ist nicht all täglich, das ein Mensch sich für andere engagiert. Das es schwer werden wußte ich auch, aber das sich hier die zuständigen Be´hörden sehr schwer tun, liegt ganz nah. Denn wenn Politik sich schwer tut, wie sollen sich es Bezirke leicht tun, die in der SPD Hand sind ?? Es ist wirklich nicht einfach, etwas für andere zu tun oder zu leisten, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Aber es wußte ich schon immer, wenn sich die richtigen finden, dann ist alles möglich. Denn der öffentliche Druck muß von Tag zu Tag wachsen, denn es kann nichts sein, das Menschen auf der Strasse zurecht kommen müssen, und sie wissen nicht mal wie. Jeder könnte hier etwas leisten, wenn ich könnte, würde ich das auch tun. Aber allein ist das immer schwer, so muß man sich denen anschließen, die schon solche Infrastruckturen haben. Also liebe Hamburger-innen nichts ist unmöglich, und enn es nur ein Stellplatz ist.

    So könnte 2018 ein gutes Jahr werden, auch wenn es nur ein kleiner Anfang ist, aber er ist vollbracht, Obdachlose bekommen ihren eignen Container, das nennt man dann HILFE zur
    SELBSTHILFE,

    ein gesundes NEUES JAHR 2018,
    wünscht euch allen der HINZ&KUNZT VERKÄUFER
    Erich Heeder

  2. „Auch ein Baum macht schwere Zeiten durch. An seinen Jahresringen kann man ablesen, was er alles mitgemacht hat im Leben. Trockenheit, Naturkatastrophen, Temperaturschwankungen.. Einiges hat ihn fast umgebracht. Diese Erfahrungen prägen ihn. Aber er wächst. Sein Stamm wird immer breiter und stabiler. Auch die schlechten Zeiten geben ihm Standfestigkeit…“ >Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn…“ (aus Leben in wachsenden Ringen) so wie Du auch schwere Zeiten durchgemacht hast.. Kälte, Herzlosigkeit, Angst, Mutlosigkeit, Hoffnungslosigkeit… einiges (vielleicht sogar alles) hätte auch dich „umbringen“ können… Aber Du hast alles umgekehrt.. es wurde WÄRME, HERZLICHKEIT, MUT, HOFFNUNG und der GLAUBE AN DAS GLÜCK daraus… Du wurdest so stark, dass Du Hamburg den Rücken gekehrt hast… die schlechten Zeiten waren deshalb noch lange nicht vorbei.. aber die Liebe im Herzen hat Dich getragen, so dass Du die Reise, Dein Ziel vollbracht hast… so sehe ich es .

    „Auch ein Baum macht schwere Zeiten durch. An seinen Jahresringen kann man ablesen, was er alles mitgemacht hat im Leben. Trockenheit, Naturkatastrophen, Temperaturschwankungen.. Einiges hat ihn fast umgebracht. Diese Erfahrungen prägen ihn. Aber er wächst. Sein Stamm wird immer breiter und stabiler. Auch die schlechten Zeiten geben ihm Standfestigkeit…“ >Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn…“ (aus Leben in wachsenden Ringen)

    Schwere Zeiten hat Rolf durchgemacht (und so viele Andere auch und noch immer)… einiges (vielleicht sogar alles) hätte auch schlimmeres verursachen können…

    Aber durch diese private Initiative mit Max Bryan (und all den Freunden und Helfern) hat der vielleicht letzte Funke „Glauben an das Glück“ von Rolf.. niemals die Hoffnung aufzugeben… alles umgekehrt…
    WÄRME,HERZLICHKEIT, MUT, HOFFNUNG und der GLAUBE… das kann einen immer wieder stark machen und sei es nur für einen „kurzen“ Moment.. Immer und immer wieder…

    Denn es gibt diese Menschen (wie eben Max Bryan), die immer HINSEHEN und immer DEN Menschen sehen und nicht WEGSEHEN, sondern versuchen zu helfen – bedingungslos.

    DANKE DAFÜR von Herzen.. <3

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