Mittagsraketen : Wie Familienrichter*innen in der Krise Kindern helfen

Mai-Ausgabe
Caterer „mammas canteen“ kocht eigentlich für Hamburger Schulen, im April für die Mittagsrakete. Foto: Mittagsrakete e.V.

Im April belieferte der Verein Mittagsrakete etwa 2000 Kids aus armen Familien mit einem Mittagessen. Ab sofort übernehmen Kitas und Schulen wieder diese Aufgabe. Die kurze Geschichte des Hilfsprojektes haben wir in unserer Mai-Ausgabe aufgeschrieben.

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Etwa jedes fünfte Kind in Hamburg wächst in Armut auf. Das ist schlimm. Schlimmer noch ist allerdings, wenn auch noch die Essensversorgung zum Problem wird. Deswegen hatten Familienrichter*innen den Verein Mittagsrakete gegründet.

Die Kita- und Schulschließungen seit Mitte März rauben nicht nur Eltern Nerven, Kraft und Zeit. Auch Kinder leiden unter den Corona-Einschränkungen – vor allem diejenigen, deren Eltern es aufgrund finanzieller und auch persönlicher Schwierigkeiten nicht schaffen, die Kleinen regelmäßig mit gesundem Essen zu versorgen.

In dieser Situation sprang die Mittagsrakete seit Anfang April den Eltern zur Seite. Das ehrenamtliche Hilfsprojekt versorgte täglich mehr als 2000 Kinder aus belasteten Familien mit frisch gekochtem Essen, erzählt Esther Rosenboom im Gespräch mit Hinz&Kunzt. Die Familienrichterin kennt die Schwierigkeiten der Familien. „Praktische Hilfe gehörte allerdings bislang nicht zu meinem Arbeitsalltag“, sagt die 40-Jährige schmunzelnd.

Als Kitas und Schulen schlossen, war Rosenboom sofort klar, welche fatalen Auswirkungen diese Maßnahme auf sowieso schon belastete Familien haben würden. Neben Unterricht und Betreuung fällt durch die Coronaeinschränkungen eben auch das Mittagessen weg – ein normalerweise kostenloses Angebot für Menschen im Hilfebezug. Und wer eh schon knapp bei Kasse ist, für den kann die zusätzliche Versorgungsaufgabe zum finanziellen Problem werden.

Zusammen mit einem Notar, weiteren Kolleg*innen, einer Rechtsanwältin und zwei Geschäftsleuten stampfte Rosenboom kurzerhand die Mittagsrakete aus dem Boden. Das Essen wurde vom professionellen Schulcaterer „mammas canteen“ zubereitet und durch Spenden finanziert. Mithilfe von Freiwilligen belieferte der Caterer die Kinder direkt an der Wohnungstür. Ein perfektes Zusammenspiel aus professionellen Köch*innen, ehrenamtlich Helfenden und Richter*innen, die den Kontakt zu hilfebedürftigen Familien aufbauen konnten. Innerhalb weniger Tage waren schon mehr als 500 Familien angemeldet.

„Der Ansturm auf unser Angebot ist auf eine traurige Art überwältigend“– Esther Rosenboom

„Der Ansturm auf unser Angebot ist auf eine traurige Art überwältigend“, sagte Rosenboom. Angemeldet wurden die Kinder von Jugendämtern aber auch freien Trägern. Ein aufwendiges Verfahren, an dessen Ende die Hilfe aber auch tatsächlich diejenigen erreichte, die darauf angewiesen sind.

Gekocht wurde in ungenutzten Schulkantinen. Die Lieferung erfolgte „kontaktlos“, um Infektionsrisiken zu vermeiden. Ein gigantischer Lieferservice für mehr als 800 Haushalte. Vier Wochen und 42.000 Raketenmahlzeiten später übernimmt ab Mai die Stadt wieder die Versorgung der Kids. „Unsere ,Raketenmission‘ ist erfüllt“, freut sich Rosenboom.

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Artikel aus der Heft-Ausgabe:
Autor*in
Jonas Füllner
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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