Gewalt gegen Obdachlose : Wer hat Rene totgeprügelt?

Vor dem Cafée mit Herz brach der Obdachlose Rene zusammen. Später starb er an inneren Verletzungen. Foto: Mauricio Bustamante / Polizei Hamburg

Die Hamburger Polizei sucht Zeugen für einen tödlichen Übergriff auf einen Obdachlosen. Laut Kriminalstatistik steigt die Gewalt gegen Obdachlose bundesweit immer weiter an. 

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Wer hat den Obdachlosen Rene so sehr verprügelt, dass er an den Folgen gestorben ist? Der 35-Jährige war am Donnerstag, den 30. August 2018, im Park vor dem Cafée mit Herz im Hamburger Stadtteil St. Pauli zusammengebrochen und einen Tag später im Krankenhaus an schweren inneren Verletzungen gestorben.

Davor war Rene zuletzt am Dienstag, den 28. August, zusammen mit anderen Obdachlosen vor dem Mercado in der Ottenser Hauptstraße gesehen worden. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass er anschließend „erheblich geschlagen und getreten“ wurde und sich so die letztlich tödlichen Verletzungen zuzog. Ob es ein Angriff oder eine Schlägerei war und wo sich die Tat ereignete, ist den Ermittlern noch unklar. Die Mordkommission ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge. Für Hinweise, die zur Ermittlung eines Täters führen, hat die Staatsanwaltschaft 2000 Euro Belohnung ausgesetzt. Zeugen sollen sich unter 040/4286-56789 oder in jeder Polizeidienststelle melden.

Immer mehr Gewalttaten gegen Obdachlose

Obdachlose sind besonders schutzlos und auch deswegen oft Opfer von gewalttätigen Übergriffen. Die Polizeiliche Kriminalstatistik des BKA, die in der vergangenen Woche vorgestellt wurde, gibt Anhaltspunkte, auch für die Entwicklung der Gewalttaten. Demnach hat die Polizei 2018 bundesweit 670 versuchte und vollendete Gewaltdelikte gegen Obdachlose gezählt, das sind 78 mehr als im Vorjahr. Es ist davon auszugehen, dass viele Obdachlose Übergriffe gar nicht anzeigen.

Hintergrund
Warum immer mehr Obdachlose Opfer von Gewalt werden
Brandanschläge, Körperverletzungen, Vergewaltigungen: Gewalt gegen Obdachlose ist an der Tagesordnung. Und Jahr für Jahr werden es mehr Übergriffe, zeigt eine Statistik des BKA. Ein Experte fordert gezielte Präventionsmaßnahmen.

Damit setzt sich ein langjähriger Trend fort: 2012 führte die Statistik im ganzen Land noch 258 Gewalttaten auf. Einfache Körperverletzungsdelikte sind da übrigens noch nicht mitgezählt: hiervon wurden Obdachlose 2018 bundesweit 1183 Mal Opfer.

In Hamburg ist die Zahl der registrierten Gewaltdelikte gegen Obdachlose allerdings im vergangenen Jahr nach einem Hoch von 70 Fällen in 2017 wieder leicht auf 63 versuchte und vollendete Fälle zurückgegangen. Hinzu kommen weitere 52 Körperverletzungsdelikte zu Lasten von Obdachlosen. Das zeigt eine Auswertung, die das BKA auf Hinz&Kunzt-Nachfrage erstellt hat. Der Fall von Rene ist darin noch nicht berücksichtigt, weil die Ermittlungen dazu noch nicht abgeschlossen sind.

Übergriffe in Frankfurt und Berlin

Wie alltäglich die Gewalt gegen Obdachlose ist, zeigt auch ein Blick in die Polizeiberichte der vergangenen Woche: Am Dienstagabend hat ein Unbekannter in Frankfurt am Main nach Angaben der örtlichen Polizei einen Obdachlosen mit einer zerschlagenen Flasche am Hals verletzt und ist geflohen. In der Nacht zuvor hat es in Berlin einen Obdachlosen im Schlaf erwischt: Laut Polizei überfielen ihn zwei Unbekannte, schlugen mit Knüppeln auf ihn ein und warfen seinen Rucksack ins Wasser. Der 38-Jährige kam schwerverletzt in eine Klinik.

Anmerkung: Zunächst hatten wir von 94 einfachen Körperverletzungsdelikten in Hamburg geschrieben. Diese Zahl beinhaltete jedoch auch die schweren Körperverletzungen. Tatsächlich gab es laut PKS in 2018 52 einfache Körperverletzungsdelikte in Hamburg.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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