Nach Brandanschlag in Berlin : Viel Solidarität mit angezündeten Obdachlosen

Am Tatort haben Menschen Blumen niedergelegt. Foto: picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Nach dem schrecklichen Brandanschlag auf zwei Obdachlose in Berlin bekunden Politiker ihre Unterstützung für die Betroffenen. Auch Wohnungslose melden sich zu Wort.

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Die Selbstvertretung vereinter Wohnungsloser hat „tief bestürzt“ auf die den Brandanschlag auf zwei Obdachlose in Berlin reagiert. „Für uns ist Gewalt eine alltägliche Erfahrung – Gewalt als Folge der Verrohung des menschlichen Miteinanders und des allgemeinen Rechtsrucks“, schreiben die Teilnehmer des dritten Wohnungslosentreffens in Freistatt in einer Erklärung. Sie fragen: „Warum gelingt es nicht, allen dort lebenden Menschen würdigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen?“

Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach dem brutalen Täter, der in der Nacht auf Montag das Lager zweier schlafender Obdachlose vor dem S-Bahnhof Schöneweide mit brennbarer Flüssigkeit überschüttet und angezündet hat. Die 47 und 62 Jahre alten Opfer erlitten lebensbedrohliche Verletzungen, teilte die Polizei mit. Der 62-Jährige ist nach Angaben der Polizei gegenüber Hinz&Kunzt inzwischen außer Lebensgefahr. Der 47-Jährige liegt laut einem Bericht des Tagesspiegel in einem Schutzkoma auf der Intensivstation.

Sozialsenatorin fordert „Stadtgesellschaft mit menschlicherem Gesicht“

An einer Mahnwache für die beiden Obdachlosen beteiligten sich nach Angaben des rbb 200 Menchen. Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Die Linke) sprach im Inforadio vom rbb von einem „bestialischen Mordversuch“ und beklagte die „Verrohung der Gesellschaft“. Weiter sagte sie: „Wir brauchen eine Stadtgesellschaft mit einem menschlicheren Gesicht.“ Bezirksstadtrat Gernot Klemm von der Linken dankte den Passanten, die „beherzt eingegriffen“ hätten und sagte adressiert an die Opfer: „Wir hoffen auf ihre baldige Genesung und eine schnelle Aufklärung durch die Polizei.”

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) hat die beiden Männer im Krankenhaus besucht. Bei Twitter schrieb sie: „Solidarisiert euch! Sie gehören zu uns!“

Über die Autoren
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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