Coronavirus

Obdachlose bekommen in Hamburg kaum mehr Hilfen

Das Coronavirus trifft Hamburgs Obdachlose hart: Die meisten Hilfseinrichtungen haben die Türen geschlossen, sogar die medizinische Hilfe ist eingeschränkt. Immerhin können derzeit noch abgepackte Lebensmittel ausgegeben werden.

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Neuer „Stützpunkt“ für Obdachlose

Befristetes Projekt auf dem Domplatz

(aus Hinz&Kunzt 121/März 2003 – Die Jugendausgabe)

Dienstag, 20.30 Uhr. Die Parkfläche auf dem Domplatz ist menschenleer. An der Wand des ehemaligen Toilettenhäuschens verrichtet ein Obdachloser seine Notdurft. Seine Habseligkeiten stapeln sich in einem Einkaufswagen. Dieses Szenario soll bald der Vergangenheit angehören. Der Runde Tisch St. Jacobi, an dem Kirche, soziale Einrichtungen und Geschäftsleute vertreten sind, will das baufällige Toilettenhäuschen zum Stützpunkt für Obdachlose umbauen. Entstehen sollen sanitäre Einrichtungen und Schließfächer für Gepäck. Ein Straßensozialarbeiter mit halber Stelle soll die Obdachlosen betreuen.

Träger wird die Caritas. Das Geld kommt je zur Hälfte aus der Spendenaktion „Ein Dach für Obdachlose“, die in Geschäften der City läuft, und von der Sozialbehörde. Das Projekt beginnt im Mai und ist auf ein Jahr befristet. Danach muss der Stützpunkt wahrscheinlich einer Neubebauung des Platzes weichen, den derzeit die Patriotische Gesellschaft von der Stadt gepachtet hat.

Markus Renvert von der Caritas freut sich trotzdem, dass der Stützpunkt jetzt verwirklicht wird. Die Idee entstand schon vor fast zwei Jahren. Unklarheiten über die Bebauung des Platzes und Differenzen mit der Stadt in Finanzierungsfragen hätten die Realisierung lange verhindert, so Renvert.

Bei den Hinz & Kunzt-Verkäufern, die in der Innenstadt Platte machen, trifft die Idee auf positive Resonanz. Lediglich die Öffnungszeiten wecken Unmut. Laut Projektbeschreibung wird das Angebot keine Tagesaufenthaltsstätte sein. Denn geplant ist, nur von 9 bis 11 Uhr und von 17 bis 19 Uhr zu öffnen. Hinz & Kunzt-Verkäufer Marc: „Spätestens um acht Uhr muss ich die Platte geräumt haben. Und abends lege ich mich nicht schon um 19 Uhr schlafen. Also muss ich doch wieder mit Sack und Pack durch die Stadt ziehen.“

Die Geschäftsleute in der City erhoffen sich durch den Stützpunkt eine Entspannung vor allem auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz und am Mönckebrunnen, Treffpunkte von Wohnungslosen. Auch die von Geschäftsinhabern beobachtete „Verunreinigung der City“ solle zurückgehen.

Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer begrüßt das Projekt ausdrücklich. „Es wird Zeit, dass solch ein Stützpunkt errichtet wird. Noch besser wäre natürlich eine ständige Aufenthaltsmöglichkeit für Obdachlose in der City.“ Karrenbauer warnt allerdings davor, dass mit Hilfe des Stützpunktes Obdachlose aus den Einkaufsstraßen verbannt werden könnten: „Das Problem der Wohnungslosigkeit wird weiter existieren, solange nicht genügend Wohnraum angeboten wird.“

Jan-Malte Ambs