Landungsbrücken : Sollen diese Bänke Obdachlose fernhalten?

Die neuen Sitzbänke an den Landungsbrücken sind durch Metallstreben in drei Teile unterteilt. Foto: Benjamin Laufer

An der neuen U-Bahnhaltestelle Landungsbrücken sind die Sitzbänke so gestaltet, dass Obdachlose sich darauf nicht hinlegen können – Metallstreben verhindern das. Fahrgäste fänden das Sitzen so angenehmer, argumentiert die Hochbahn.

Nach monatelangen Bauarbeiten halten am U-Bahnhof Landungsbrücken seit dem 16. Dezember wieder die Züge der U3. 28 Millionen Euro lässt sich die Hochbahn die Sanierung kosten – und das bisherige Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Wände sind frisch gefliest, die Treppenstufen neu gemacht, die Bahnsteige auf das Niveau der haltenden Züge erhöht.

Auch die Sitzgelegenheiten auf den Bahnsteigen hat die Hochbahn in diesem Zuge erneuern lassen: Rund vier Meter lange Holzbänke säumen die Bahnsteige, sowohl im überdachten Bereich als auch unter freiem Himmel. Die Füße hochlegen kann man dort aber nicht: Metallstreben unterteilen die Bänke in jeweils 1,36 Meter kurze Teilstücke. Ein klassischer Fall von „Hostile Design“ könnte man meinen – also Architektur, die Obdachlose fern halten soll.

Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum wiegelt auf Nachfrage ab. Er finde die Wahl der Bänke „sehr gelungen“, schreibt er in einer Mail an Hinz&Kunzt. Und weiter: „Die Trennstreben sind neben gestalterischer Sicht vor allem deshalb ausgewählt worden, weil wir wissen, dass die Menschen eine „Abgrenzung“ von ihrem Sitznachbarn als angenehm empfinden.“ Dabei handele es sich um Erfahrungswerte, so Kreienbaum: „Studien dazu kenne ich nicht.“

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Sind die Bänke also nur zufällig so gestaltet worden, dass sich Obdachlose darauf nicht hinlegen können? „So oder so hat die Bauweise den Effekt, dass Obdachlose vertrieben werden“, bemängelt Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer. „Wir sehen das an vielen Stellen im Stadtbild und sind immer wieder erschrocken darüber.“

Bänke in Bushäuschen extra unbequem – aus Angst vor „Randständigen“

Es wäre jedenfalls nicht das erste mal, dass die Hochbahn Sitzgelegenheiten extra so bauen lässt, dass sich Obdachlose darauf nicht wohlfühlen. Als sich 2012 eine Hinz&Kunzt-Leserin über die unbequeme Metallbank in Bushaltestellenwartehäuschen beschwerte, räumte das Beschwerdemanagement der Hochbahn das ein: „Wäre sie zu komfortabel, würde sie in kürzester Zeit zum Daueraufenthaltsort für sogenannte Randständige werden“, hieß es in einem Brief an unsere Leserin.

Vor knapp drei Jahren versuchte dann die Deutsche Bahn am Hauptbahnhof, Obdachlose und Trinker baulich zu vertreiben. Vor der Bundespolizeistation ließ sie Metallzacken auf einer Stufe installieren, die zuvor von Vielen als Sitzgelegenheit genutzt worden war. Man habe sich nach Beschwerden dazu entschieden, „die Zweckentfremdung der Zuwegung baulich zu unterbinden“, hieß es damals von der Bahn. Doch die hatte die Rechnung ohne den Bezirk Mitte gemacht: Nach einem Hinz&Kunzt-Bericht intervenierte Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) und ließ die Zacken wieder entfernen.

Autor*in
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD Digitales.

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