Randnotizen vom 4.9.2026
Solidarität auf dem Kiez – früher und heute

Anna Genger ist auf dem Kiez groß geworden. Sie ist Performancekünstlerin und Trauerrednerin, macht Stand-up-Comedy und bietet Kiez-Touren an. Foto: Dmitrij Leltschuk
Anna Genger ist auf dem Kiez groß geworden. Sie ist Performancekünstlerin und Trauerrednerin, macht Stand-up-Comedy und bietet Kiez-Touren an. Foto: Dmitrij Leltschuk
Anna Genger ist auf dem Kiez groß geworden. Sie ist Performancekünstlerin und Trauerrednerin, macht Stand-up-Comedy und bietet Kiez-Touren an. Foto: Dmitrij Leltschuk

War auf St. Pauli früher mehr Raum für sozialen Zusammenhalt als heute? Wie sich die Reeperbahn verändert hat, erklärt Künstlerin Anna Genger.

Moin!

Ich muss zwölf Jahre alt gewesen sein, als ich das erste Mal auf St. Pauli war. Der Reisebus brachte meine Schulklasse vom Michel zu den Landungsbrücken. Als wir dann vom Millerntorplatz in die Helgoländer Allee abbogen, sah irgendjemand das Straßenschild der Reeperbahn – und in Nullkommanichts hingen 25 Kinder mit weit aufgerissenen Augen an den Fensterscheiben auf der rechten Seite. Für uns Kleinstadtkids war die verruchte Reeperbahn mit ihrem Rotlicht-Image auf jeden Fall das, was wir an Hamburg am aufregendsten fanden.

Dass ich später selbst mal auf dem Kiez leben würde, daran war 1995 nicht zu denken. Inzwischen habe ich meine Jahre in der Wohlwillstraße schon wieder hinter mir gelassen – und mein Bild von St. Pauli hat sich grundlegend verändert. Klar spielen Prostitution und Kriminalität eine Rolle, aber der Kiez ist so viel mehr. Ein Wort wird dort besonders großgeschrieben: Solidarität. Dieser Tatsache widmen wir den Schwerpunkt unserer September-Ausgabe.

Aber nicht nur mein Bild von St. Pauli hat sich verändert, auch der Stadtteil selbst wandelt sich stetig. Ob die zunehmende Kommerzialisierung noch Raum für sozialen Zusammenhalt lässt, haben wir mit der Künstlerin Anna Genger besprochen. Sie ist in den 1980er Jahren im Stadtteil aufgewachsen und lebt noch immer dort. „Früher war es ein Makel, auf St. Pauli zu leben“, sagt sie. „Ich wurde nicht zu Kindergeburtstagen eingeladen, weil ich ‚die mit der alleinerziehenden Mutter auf dem Kiez‘ war.“

Heute ist das anders – aber ist es auch besser? Das Gespräch über zunehmenden Partytourismus und Verelendung, das ungeschriebene Regelsystem der früheren Zuhältergangs und die Spießigkeit des modernen Kiezes lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Einen Ausschnitt finden Sie weiter unten in dieser Mail.

Anna Genger bietet übrigens freitags und samstags „Kieztouren“ an. Zweieinhalb Stunden führt sie zusammen mit André Schroeder durch die Straßen rund um die Reeperbahn. Eigentlich kostet das 40 Euro. Im September ist der Rundgang für alle umsonst, die eine aktuelle Hinz&Kunzt-Ausgabe mitbringen. Los geht’s um 18 Uhr an der Davidwache.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

Hinz&Kunzt Randnotizen

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Autor:in
Benjamin Buchholz
Benjamin Buchholz
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD für das Onlinemagazin.