Hamburger Bundesratsinitiative

Suchtkranke sollen Hilfsangebote wieder mehr aufsuchen

Suchtkranke konsumieren Drogen heute anders, als noch vor zehn Jahren: Crack zum Beispiel gemeinsam. Weil das bislang nicht erlaubt ist, will der Hamburger Senat jetzt ein Bundesgesetz ändern.

Von 2015 bis heute hat sich die Zahl der Rauschgiftdelikte mit Kokain und Crack fast verzehnfacht, während der Gebrauch von Heroin rückläufig ist. Während man Heroin injiziert, wird Crack in kleinen Pfeifen teils allein, oft aber auch gemeinsam geraucht. Dieser gemeinsame Konsum stellt Drogenkonsumräume wie das Drob Inn vor ein Problem. In ihnen ist der Konsum illegaler Drogen erlaubt, jedoch nicht die Weitergabe – sie gilt nach aktueller Gesetzeslage als Drogenhandel. Einige Drogennutzer:innen suchen die Einrichtung deshalb entweder gar nicht erst auf oder verlassen sie für den Konsum.

Gerade rund um den Hauptbahnhof und in den umliegenden Wohnvierteln aber auch an der Holstenstraße sieht man Suchtkranke, die im Freien Crack konsumieren.  Der Hamburger Senat will die Einrichtungen für die Drogenkranken jetzt wieder attraktiver machen. Geht es nach ihm soll der Bundesrat beschließen, dass das Betäubungsmittelgesetz so geändert wird, dass die Weitergabe geringer Mengen illegaler Drogen zum unmittelbaren Verbrauch erlaubt ist. Das hat die Sozialbehörde angekündigt.

Als Vorbild gilt Hamburg das Züricher Modell. Dort wird im öffentlichen Raum verstärkt kontrolliert, dafür ist in den Drogeneinrichtungen allerdings nicht nur die Weitergabe, sondern auch der Kleinsthandel mit harten Drogen geduldet. Diesen letzten Schritt will Hamburg nicht mitgehen. Nach den Plänen des Senats bleibt der Handel mit Drogen weiterhin grundsätzlich verboten.

„Drogenkonsum gehört nicht auf die Straße“, sagt Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer. „Wenn geltende Regeln dazu führen, dass Menschen für die Weitergabe kleinster Mengen vor die Tür gehen, müssen wir sie ändern.“ Eine solche Teillegalisierung sieht man auch im Drob Inn positiv. Für eine Beurteilung des Antrags sei es aber noch zu früh, heißt es aus der Einrichtung. Auch sei nicht gewiss, ob der Vorstoß überhaupt mehrheitsfähig im Bundesrat ist. Der befasst sich am 25. September mit der Hamburger Initiative.

Artikel aus der Ausgabe:
Hinz&Kunzt-Titelseite zeigt eine stark geschminkte Frau mit einem Klitzerkugel-Helm und bunten Federn darauf.

Solidarität auf dem Kiez

Obdachlosigkeit und Verelendung sind auf St. Pauli allgegenwärtig. Wie sich die Menschen auf dem Kiez gegenseitig helfen. Und: Wie Schüler:innen Social-Media-Konsum zu Kunst machen. Außerdem haben wir ein Team des VfL Hammonia besucht, das Geschlechtergrenzen überwindet.

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Autor:in
Jonas Fabricius-Füllner
Jonas Fabricius-Füllner

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