Grünen-Chef über Obdachlosigkeit : Habeck bekennt sich zu „Housing First“

Robert Habeck beim Interview mit Hinz&Kunzt-Chefredakteurin Annette Bruhns in Berlin. Foto: Lutz Jaekel/LAIF

Wie Grünen-Parteichef Robert Habeck Obdachlosigkeit bekämpfen will, erklärt er im Gespräch mit 18 Straßenzeitungen. Das ganze Interview lesen Sie in der März-Ausgabe von Hinz&Kunzt.

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Grünen-Parteichef Robert Habeck macht sich in einem Exklusiv-Interview mit 18 Straßenzeitungen für „Housing First“ stark: Wohnungen für Obdachlose. „Housing First korrespondiert mit unserer Forderung nach Wohnen als Grundrecht“, so Habeck gegenüber „Hinz&Kunzt“ und 17 weiteren Magazinen. „Eine Umkehr von der sozialpolitischen Logik, wonach ein wohnungsloser Mensch erst beweisen muss, dass sie oder er mit den eigenen vier Wänden verantwortungsvoll umgehen kann, bevor er einziehen darf. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die Sicherheit eines Dachs über dem Kopf animiert dazu, verantwortlicher und selbstbestimmter zu leben.“

„Die Hotels und Hostels stehen leer: Dort Zimmer bereitzustellen, könnte sowohl den Hoteliers wie Obdachlosen helfen.“– Robert Habeck

Housing First, das in Finnland bereits praktiziert wird, finanziere sich „quasi selbst“, so der Grünen-Chef: „Man stellt am Anfang das Geld bereit, das man später wieder einspart, etwa für Sozialarbeit, Psychotherapie, Polizei, Prozesse.“

Habeck stellte sich hinter die von sozialen Straßenzeitungen initiierte Petition, Obdachlose in dieser Kälteperiode statt in Sammelunterkünften einzeln unterzubringen. „Die Hotels und Hostels stehen leer: Dort Zimmer bereitzustellen, könnte sowohl den Hoteliers wie Obdachlosen helfen“, sagte der Grüne in Berlin. Erste Angebote dieser Art gäbe es ja, in Hamburg etwa von privaten Initiativen, in Düsseldorf von öffentlicher Hand. Habeck: „Ich finde es absolut richtig, angesichts der Pandemie diese Angebote deutlich zu erweitern.“

„die straße“ aus Schwerin stellte dem möglichen grünen Spitzenkandidaten zum Abschluss die Frage, was er als erstes ändern würde, wäre er Bundeskanzler. Habecks spontane Antwort: „Am liebsten: Das Containern erlauben.“ Die wichtigste Reform sei das zwar nicht. „Aber das Verbot, brauchbare Lebensmittel zu retten, ist eine Sache, die mir besonders unsinnig erscheint und die man schnell ändern könnte.“

Auftakt zur Interview-Serie

Das Gespräch ist das erste einer Serie, mit denen Straßenzeitungen demokratische Parteien im Bundestag vor der Wahl zu sozialen Fragen hören wollen. Die teilnehmenden Magazine: abseits (Osnabrück), Asphalt (Hannover), Biss (München), bodo (Dortmund), die straße (Rostock), Donaustrudl (Regensburg), draußen (Münster), DRAUSSENSEITER, (Köln), drObs (Dresden), fiftyfifty (Düsseldorf), Guddzje (Osnabrück), Hempels (Kiel), Hinz&Kunzt (Hamburg), Jerusalemmer (Neumünster), KARUNA Kompass (Berlin), KiPPE (Leipzig), RISS (Augsburg) und Trott-war (Stuttgart). Für die April-Ausgaben hat SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz zugesagt.

Autor:in
Annette Bruhns
Annette Bruhns
Annette Bruhns ist seit 2021 Chefredakteurin von Hinz&Kunzt.

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