Deutscher Radiopreis : Radiosendungen über Obdachlose ausgezeichnet

Der ehemals Obdachlose Dominik Bloh wurde von Bremen Zwei-Moderatorin Kristin Hunfeld interviewt. Für das Gespräch gab es den Deutschen Radiopreis 2018. Foto: Andreas Hornoff.

Zwei Sendungen über Obdachlose haben beim Deutschen Radiopreis gewonnen: ein Interview mit dem Ex-Obdachlosen Dominik Bloh und eine Reportage über eine Berliner Winternacht.

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Bei der Verleihung des Deutschen Radiopreises sind zwei Sendungen ausgezeichnet worden, die das Thema Obdachosigkeit in den Mittelpunkt stellen.

In der Kategorie „Bestes Interview“ gewann Kristin Hunfeld von Bremen Zwei den Hauptpreis für ihr Gespräch mit dem ehemaligen Hamburger Obdachlosen Domink Bloh. Bloh sprach mit Hunfeld im Januar in der Sendung „2nach1“ über seine Zeit auf der Straße und den unverhofften Erfolg als Bestseller-Autor.

Hier nachhören: Dominik Bloh im Gespräch mit Kristin Hunfeld

Der Deutsche Radiopreis 2018 für das „Beste Interview“ geht an Kristin Hunfeld (rechts, mit Laudatorin Esther Schweins) von Bremen Zwei für ihr Interview mit dem Ex-Obdachlosen Dominik Bloh. Foto: Morris Mac Matzen/NDR.

In der Jury-Begründung heißt es: „Kristin Hunfeld schafft es in besonderer Weise, einem eher introvertierten Gast und seiner höchst ungewöhnlichen Lebensgeschichte den notwendigen Raum zu geben. Es entwickelt sich ein spannender Dialog der den Zuhörer emotional mitnimmt und bis zum Ende fesselt.“

Dominik Bloh
„Ich muss keine Angst mehr haben“
Elf Jahre lang lebte Dominik Bloh in Hamburg auf der Straße. Sein Buch über diese Zeit,„Palmen aus Stahl“, wurde zum  Bestseller. Wir haben den 29-Jährigen getroffen.

Kristin Hunfeld lobte Bloh in ihrer Dankesrede: „Ohne so einen tollen Gesprächspartner gibt es kein tolles Gespräch.“ Sie appellierte an die Programmmacher, weiterhin lange Interviewformate zu ermöglichen: „Lasst uns diese Zeit, in der wir so ausführlich mit Menschen sprechen können.“ Die Hörer würden dies schätzen.

Unterwegs in eisiger Winternacht

Der Deutsche Radiopreis in der Kategorie „Bester Newcomer“ ging an die Moderatorin Helena Daehler vom Berliner Rundfunk 91.4.

Unterwegs in kalter Winternacht: Radiopreis-Gewinnerin Helena Daehler (31) mit Uwe. Foto: Berliner Rundfunk 91.4.

Daehler ging im Februar bei minus 12 Grad mit dem ehemaligen Obdachlosen Uwe durch die Nacht. Sie ließ sich von ihm erklären, wo Menschen auf der Straße bei extremen Temperaturen Schutz suchen – und warum manche trotz Eiseskälte nicht in Notunterkünfte gehen wollen.

Es hört sich an „als liefen zwei gute Bekannte miteinander durch die Stadt“, lobte die Jury die Reportage. „Es ist privat, aber nie indiskret, direkt, aber stets höflich, achtsam, jedoch nicht anbiedernd.“ Daehler selbst sagte, sie werde „diese Nacht nie vergessen“.

Hier nachhören: Reportage „Berlin im Eis: Eine Nacht auf der Straße“

Über den Autor
Simone Deckner
Simone Deckner ist freie Journalistin mit den Schwerpunkten Kultur, Gesellschaft und Soziales. Seit 2011 arbeitet sie bei Hinz&Kunzt: sowohl online als auch fürs Heft.

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