Online-Petition : Vorerst keine Abschiebung der Familie Mohamad

Obwohl Freunde mehr als 18.000 Unterschriften für den Verbleib sammelten, hat der Eingabenausschuss der Bürgerschaft den Antrag abgelehnt. Jetzt liegen die Hoffnungen der Mohamads bei den Gerichten.

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Die Spieler von Amads Fußballmannschaft bei der TSG Bergedorf umringen Amad Mohamad.

Der Eingabenausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft hat den Antrag der Familie Mohamad abgelehnt. Mehr als 18.000 Unterschriften hatten Freunde der syrischen Familie gegen deren Abschiebung im Mai gesammelt. Ohne Erfolg.

„Trotzdem sind nicht alle Hoffnungen verloren“, sagt Agnes von Alvensleben, Freundin und Unterstützerin der Familie. Denn der Senat hat zugesagt, vor einer möglichen Abschiebung die Entscheidung des Verwaltungsgerichts über einen Änderungsantrag abzuwarten. Die Familie hofft, dass das Gericht die Abschiebung nur noch androht und nicht mehr anordnet. Sollte diesem Antrag stattgegeben werden, dann hat die Familie Mohamad wieder eine Perspektive in Hamburg. Denn gegen diese Anordnung könnte geklagt werden. Die Klage könnte sich über Jahre ziehen und in dieser Zeit bestünde ein Abschiebeschutz.

Eigentlich will die Ausländerbehörde die syrische Familie nach Zypern abschieben. Dort war die Familie zunächst auf ihrer Flucht vor dem Krieg in ihrem Heimatland gestrandet. Aber obwohl sie anerkannte Flüchtlinge waren, erhielten die Mohamads in Zypern keine staatliche Unterstützung und verloren daher ihre Wohnung. Zustände, die zum Beispiel Amnesty International kritisiert. Die Familie zog weiter nach Hamburg. Hier erhielten die Mohamads endlich die Unterstützung, die sich brauchte.

Ein Jahr und zwei Monate sind die Mohamads jetzt in Hamburg. Die Familie hat viele Freunde gefunden. In der Schule unterstützen Klassenkameraden und Lehrer die Kinder so gut es geht. Sohn Amad hat deutsch gelernt. Er spielt Fußball beim TSG Bergedorf und er kann sich auf seine Freunde verlassen. Sie setzen sich dafür ein, dass Amad bleiben kann. Und sie waren es, die deswegen die beeindruckende online-Petition starteten und mit der Unterstützung ihrer Lehrer ein Video für den Verbleib von Amad drehten.

Nächstes Jahr könnte Amad seinen Realschulabschluss machen. „Ich bin mir sicher, dass ich es schaffe“, sagt Amad. Handschriftlich hatte er sich auf deutsch an den Eingabenausschuss gewendet: „Meine Fußballmannschaft ist meine zweite Familie, denn wir verbringen viel Zeit mit den Spielen und haben Spaß miteinander“, schreibt der 18-jährige. „Jeder in meiner Manschaft ist wie ein Bruder für mich. Ich will sie nicht verlassen weil wir viele Erfahrungen zusammen haben.“

Update vom 13. Juli: Die Familie Mohamad ist nicht mehr akut von einer Abschiebung bedroht. Inzwischen liegt nur noch eine Ausreiseaufforderung vor. Durch diese Veränderung hat eine Klage der Familie vor dem Verwaltungsgericht aufschiebende Wirkung. Es ist davon auszugehen, dass das Gericht frühestens in einem Jahr entscheidet. Bis dahin muss die Familie eine Aufenthaltserlaubnis bekommen. Amad kann seinen Schulabschluss machen und seine Eltern werden einen Deutschkurs besuchen und danach arbeiten können.

Text: Jonas Füllner
Flmstills: Marcin Michalski

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