Freunde : Ein Mal hoch zum Nordkap

Sollte man sich seine Träume aufsparen? Natürlich nicht! Also nimmt Oliver Görnandt-Schade mit seinem Bruder Kai an der „Baltic Sea Circle“-Rallye teil. Und sammelt dabei Spenden für Hinz&Kunzt.

(aus Hinz&Kunzt 279/Mai 2016)

Beim Fahren wechseln sie sich ab. Doch TEAMCHEF ist Kai (rechts). Er ist schließlich vier Jahre älter.
Beim Fahren wechseln sie sich ab. Doch TEAMCHEF ist Kai (rechts). Er ist schließlich vier Jahre älter.

Die Idee hatte er schon lange. Ein Mal am Nordkap sitzen. Ein Mal dorthin hochfahren. Es wurde nie was. „Meine Familie hatte bisher keine Lust da mit dem VW Bus hochzuzuckeln“, erzählt Oliver Görnandt-Schade. Doch dann hat sein Bruder Kai, Motocrosser und Zweiradschrauber, einen schweren Unfall. „Es ist alles gut gegangen, mein Bruder ist dem Tod noch mal von der Schippe gesprungen“, erzählt er. Aber er wollte nicht zur Tagesordnung übergehen: „Ich habe Kai gesagt: ‚Wir müssen mal was zusammen unternehmen!‘“ Und sie melden sich bei der Rallye „Baltic Sea Circle“ an: „Eine Rallye für einen guten Zweck, eine gute Sache für uns.“

Denn alle Teams müssen mindestens 750 Euro an Spendengeldern einsammeln. Ein Teil geht an einen der vorgegebenen Spendenpartner, wobei die Brüder sich für die Autonomen Jugendwerkstätten entschieden haben, was bei dem Handwerksberuf von Kai nun mal naheliegt. Und dann für Hinz&Kunzt: „Zum einen, weil mir das Projekt nahe liegt und dann habe ich die Zeitung schon immer gerne gelesen.“

Also: Sie sind angemeldet. Sie fahren mit! Mit einem soliden Auto. Erworben für gerade mal 80 Euro! „Ein ehrliches, gutes Auto; Kilometerstand über 300.000“, schwärmt er. Ein Volvo, Modell 240, logisch. Generalüberholt. Und mit einer Option für die Zukunft: „Diese Volvo-Motoren sind nicht kaputtzukriegen, vielleicht behält mein Bruder das Auto hinterher.“

Bei dieser Rallye geht es nicht um Schnelligkeit

Fest steht, dass es über Stockholm ans Nordkap gehen soll. Dann weiter nach Murmansk und über St. Petersburg Richtung Süden zurück. Wobei kein Team gezwungen ist, durch Russland zu fahren – wegen der politischen Spannungen, die es derzeit gibt. „Man kann in Finnland auch die Fähre nach Estland nehmen, aber wir sind im Moment entschlossen, die Russlandkurve zu machen und haben auch je ein Visum beantragt“, sagt Oliver Görnandt-Schade. Anders entscheiden können sie sich ja immer noch.

Welche Strecke sie im Detail fahren werden, ist dagegen noch nicht klar: Nächster Tage werden sie ihr Routenbuch zugeschickt bekommen, mit den Wegepunkten, die sie ansteuern müssen – denn jeder Teilnehmer, jedes Team fährt eine individuelle Route. Gelegentlich aber trifft man sich. „Es geht bei dieser Rallye nicht um Schnelligkeit, das ist nicht die Formel 1.“ Noch etwas gilt: „Sehe ich, dass ein Kollege liegengeblieben ist, dann fahre ich nicht vorbei, sondern ich halte und helfe, bis der wieder weiterfahren kann.“ Gefahren werden darf mit Unterstützung durch Karte und Kompass – GPS ist verboten. Und es geht nur über Landstraßen, Autobahnen sind tabu.

Mitte Juni geht es los! „Mal sehen wie es wird, wenn wir zwei Wochen sehr eng miteinander verbringen“, sagt er. „Hinten auf der Ladefläche liegt eine Matratze, wenn einer von uns mal schlafen will.“ Mit dabei ist auch ein Zelt. „Wir wechseln uns beim Fahren ab, aber an der Startlinie lasse ich meinem Bruder den Vortritt – er ist ja vier Jahre älter.“ Und er lacht und sagt: „In einem alten Auto zu sitzen und zu hoffen, dass nix kaputtgeht, mag mancher als sinnlos betrachten.“ Er sieht das ganz anders: „Es ist einfach eine Spaßgeschichte – du startest ein Abenteuer, um ein Abenteuer zu erleben.“

Aber mal ganz ehrlich: Gibt es nicht doch etwas zu gewinnen? Na klar! Ein Freilos für eine nächste Rallye!

Text: Frank Keil
Foto: Oliver Görnandt-Schade

Die Rallye auf Twitter: @balticseacircle