Poliklinik : Neues Impfzentrum für die Veddel

Neben medizinische Versorgung und Sozialberatung bietet die Poliklinik jetzt auch Impfungen an. Foto: Miguel Ferraz

Am Dienstag eröffnet auf der Veddel ein zweites Hamburger Impfzentrum. Die Sozialbehörde stellt der Poliklinik am Zollhafen 100 zusätzliche Impfdosen pro Woche zur Verfügung.

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Ab sofort können die Menschen auf der Veddel von Dienstag bis Freitag ihr neues Stadtteil-Impfzentrum aufsuchen. „Dolmetscher*innen für die Sprachen Türkisch und Albanisch werden vor Ort sein und die Patient*innen beim Ausfüllen der Aufklärungsbögen unterstützen“, sagt Sozialarbeiterin Tina Röthig von der Poliklinik am Zollhafen auf der Veddel und weist auf eine weitere Besonderheit hin: Alle zusätzlichen Mitarbeiter*innen des neuen Impfzentrums kämen nicht von außerhalb, sondern leben im Stadtteil. Zentrale Institutionen wie die islamische Gemeinde und die Schule würden sich darüber hinaus an der Impfkampagne der Stadtteilklinik beteiligen. „Wir hoffen, dass dieses Modell als Inspiration dient und auch in anderen Stadtteilen umgesetzt wird.“

Coronapandemie trifft vor allem ärmere Stadtteile

Erst vor zwei Wochen hatten Recherchen des NDR offengelegt, dass die Coronapandemie in Hamburg vor allem ärmere Stadtteile wie Harburg, Wilhelmsburg, Billstedt oder eben die Veddel trifft. Die höchste Fallzahl gab es demnach im vergangenen Jahr auf der Veddel – fast jede*r zehnte der knapp 4500 Elbinsel-Bewohner*innen war bereits an Corona erkrankt. Eine bundesweite Datenauswertung der AOK Rheinland/Hamburg kam darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass ein Zusammenhang zwischen dem Bezug von Hartz IV und Krankenhausbehandlungen in Verbindung mit Covid-19 besteht. Ärzte der Poliklinik forderten daraufhin mehr Impfstoff für arme Stadtteile und eine Bevorzugung der Veddel bei der Impfung.

Inzwischen hat die Sozialbehörde reagiert und stellt Hausarztpraxen in armen Stadtteilen 100 zusätzliche Impfdosen zur Verfügung. In den Augen der Poliklinik reicht das nicht aus. „Wir haben deutlich gemacht, dass wir neben den Impfdosen auch Personal und finanzielle Mittel brauchen, um dem hohen Bedarf auf der Veddel gerecht zu werden“, sagt Milli Schroeder vom Team der Poliklinik. Um den Menschen im Stadtteil helfen zu können, habe man trotzdem die zusätzlichen Impfdosen angenommen und damit ein Impfzentrum in direkter Nähe zur Stadtteilpraxis eröffnet.

NDR-Recherche
Corona trifft arme Hamburger Stadtteile hart
Die Coronapandemie trifft auch in Hamburg vor allem ärmere Stadtteile. Was lange vermutet wurde, hat jetzt eine Recherche des Hamburg Journals erstmals belegt. Rot-Grün reagiert.

Bei aller Freude über das neue Hilfsangebot kritisieren die Ärzte der Poliklinik außerdem, dass der Sozialbehörde, die unterschiedliche Ausbreitung des Virus in den Stadtteilen seit Monaten bekannt war. „Streng genommen müsste es einen Untersuchungsausschuss geben, der sich damit beschäftigt, wie es sein kann, dass die soziale Dimension beim Thema Corona und Impfungen so lange ignoriert wurde“, sagt Arzt Philipp Dickel. Nach seiner Ansicht ist die aktuelle Reaktion der Behörde nicht mehr, als ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Autor:in
Jonas Füllner
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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