Bischöfin Kirsten Fehrs über Moria : „Holt die Menschen aus dem Elend“

Die Evangelische Kirche in Norddeutschland und die Ärztekammer Hamburg fordern die Bundesregierung auf, umgehend Geflüchtete aus Griechenland aufzunehmen. Foto: Actionpress / Eurokinissi via ZUMA Wire / Zuma

Die Evangelische Kirche in Norddeutschland und die Ärztekammer Hamburg fordern die Bundesregierung auf, umgehend Geflüchtete aus Griechenland aufzunehmen.

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Nachdem Brände das Flüchtlingslager Moria zerstörten, verbringen tausende Geflüchtete auf der griechischen Insel Lesbos die Nächte auf den Straßen – ohne jeden Schutz und sanitäre Anlagen. Vor dem Hintergrund der gesundheitlichen Gefahren durch eine rasche Ausbreitung der Coronapandemie unter den Geflüchteten, fordern die Hamburger Ärztekammer und die Evangelische Kirche in Norddeutschland eine Ad-hoc-Aufnahme der Schutzsuchenden in Deutschland. Andernfalls drohe eine „humanitäre Katastrophe“, warnt Dr. Pedram Emami, Präsident der Ärztekammer Hamburg und Oberarzt am Universitätsklinikum.

Kirche fordert humanitäre Hilfe

Auch die Kirche sieht die Bundesregierung in der Pflicht, jetzt humanitäre Hilfe zu gewährleisten. „Holt die Menschen aus dem Elend, gebt ihnen eine Zukunft“, forderte am Wochenende Bischöfin Kirsten Fehrs bei einem Einsegnungsgottesdienst für neuen Diakon*innen nach Angaben des evangelischen Pressedienstes. In Moria entscheide sich die Zukunft Europas, so die Bischöfin. „Gebt nichts und keinen verloren!“, appellierte Kirsten Fehrs. „Auch eure Hoffnungen nicht und euren Mut.“

Streit um Aufnahme der Geflüchteten

Hilfsbereitschaft signalisieren derweil die Oberbürgermeister*innen von Bielefeld, Düsseldorf, Freiburg, Gießen, Göttingen, Hannover, Köln, Krefeld, Oldenburg und Potsdam. Sie kündigten vergangene Woche an, entsprechende Kapazitäten zur Verfügung zu stellen. Auch Hamburg will mehr Geflüchtete aufnehmen, übt allerdings noch keinen Druck auf die Regierung aus.

In Berlin wiederum waren die Fronten bislang verhärtet: Das Innenministerium von Horst Seehofer (CSU) stellt sich stur und will lediglich 150 minderjährige Geflüchtete aufnehmen. Inzwischen verspürt Seehofer Gegenwind aus der eigenen Partei: Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) bezeichnete gegenüber dem Deutschlandfunk Moria als eine Art Gefängnis und vertrat die Ansicht, dass Deutschland 2000 Menschen aus dem abgebrannten Lager aufnehmen könne. SPD-Chefin Saskia Esken wiederum möchte gar eine „hohe vierstellige Zahl“ Geflüchteter aufnehmen. Eine Lösung deutet sich für Mitte der Woche an: Nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland will Bundeskanzlerin Merkel am Mittwoch die Aufnahme weiterer Geflüchteter bekannt geben – völlig unklar ist, wie vielen Menschen dann tatsächlich geholfen werden soll.

Autor*in
Jonas Füllner
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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