Bezirk Nord : Mit mehr Mut gegen Leerstand

Leerstand: Hinter vielen Fenstern im Jean-Paul-Weg 22 bis 38 brennt schon lange kein Licht mehr. Foto: Mauricio Bustamante.

Das Bezirksamt Nord erhöht den Druck auf die HRP. Das Immobilienunternehmen lässt seit mehr als einem Jahr rund 100 Wohnungen leer stehen.

Bis zu 100 Wohnungen lässt die in Luxemburg ansässige Immobilienfirma HRP Hamburg Residential seit mehreren Jahren in Winterhude, Eppendorf und der Jarrestadt leer stehen. In der Januarausgabe berichtete Hinz&Kunzt ausführlich über Entmietung und Spekulation mit Wohnraum im Bezirk Nord.

Jetzt teilt Michael Werner-Boelz, seit Februar neuer Leiter des Bezirks, mit: „Wir lassen uns nicht auf der Nase herumtanzen von Eigentümern, die Wohnungsbestände ausschließlich aus Renditegründen halten! Beim Thema Wohnungsleerstand verstehen wir keinen Spaß.“

Anfang Februar hatte Hinz&Kunzt berichtet, dass für 35 Leerstände in Winterhude ein Wohnnutzungsgebot erlassen wurde. Dieses wurde jetzt auf weitere 50 Leerstände im Besitz der Firma HRP ausgeweitet. Zudem hat der Bezirk Bußgelder wegen fehlender Leerstandsanzeigen und überhöhter Mietpreisforderungen verhängt wurden.

„Beim Thema Wohnungsleerstand verstehen wir keinen Spaß.“– Bezirksamtsleiter Michael Werner-Boelz

Bemerkenswert ist der Ton, in dem das Bezirksamt jetzt den Immobilienhändler HRP verbal angreift: „Preise in Annoncen von mehr als 22 Euro pro Quadratmeter für eine Wohnung in der Jarrestadt, dazu immer wieder unklare oder widersprüchliche Angaben zu den Absichten des Eigentümers, zeigen, dass viele gar nicht vermieten, sondern ihren Bestand irgendwann verkaufen wollen, weil er morgen mehr wert ist als heute“, sagt Werner-Boelz. „Wohnungen aber sind zum Wohnen da und nicht zum Spekulieren.“

Wohnraumschutz
Hamburger Monopoly
Frau Sievers kämpft um ihre Wohnung. Herr Rabe wird bald ausziehen. Und Hinz&Kunzt bekommt ein ungewöhnliches Angebot: In unserem aktuellen Magazin erzählen wir, wie die Firma HRP Häuser entmietet, um sie teuer zu verkaufen – und die Stadt verzagt dabei zuschaut.

Wie der Bezirk in den vergangenen zwei Jahren gegen Leerstand vorgegangen ist, wird das Fachamt jetzt am 26. März den Mitgliedern im Stadtentwicklungsausschuss in einem umfangreichen Arbeitsbericht vorstellen. Für Ende März hat darüber hinaus die Stadtentwicklungsbehörde die Veröffentlichung des Leerstandberichts für ganz Hamburg angekündigt.

Autor*in
Jonas Füllner
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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