Umfrage und Petition : Große Mehrheit für Hotelunterbringung von Obdachlosen

Der Obdachlose Basti ist dank der Spenden an „Straßenblues“ in einem Altonaer Hotel untergekommen. Mailin Offt betreut ihn. Foto: Mauricio Bustamante

Die Stimmen für eine Unterbringung von Obdachlosen in Hotels werden immer lauter. Laut einer repräsentativen Umfrage sind 64 Prozent der Deutschen dafür. Mehr als 90.000 unterzeichnen Petition.

Zwei Drittel der Deutschen sind dafür, Obdachlose in leerstehenden Hotels unterzubringen. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der „Zeit“ ergab, dass 64 Prozent der Bevölkerung sich eine solche Unterbringung durch die Kommunen wünschen, weitere 11 Prozent sind in der Frage unentschieden. Nur 25 Prozent lehnen sie ab. Und auch die Hotels signalisieren Zustimmung: „Das ist absolut zu begrüßen, wenn es bei den Hoteliers diese Hilfsbereitschaft gibt“, sagte die Chefin des Branchenverbandes Dehoga, Ingrid Hartes, der Wochenzeitung.

Eine Petition von 13 Straßenmagazinen an die Ministerpräsident*innen mit der Forderung, Obdachlose in Hotelzimmern unterzubringen, findet ebenfalls immer mehr Zustimmung. Bis Donnerstagvormittag hatten mehr als 90.000 Menschen den Aufruf auf der Plattform change.org unterzeichnet. „Wir dürfen es nicht zulassen, dass noch mehr Menschen auf unseren Straßen sterben“, heißt es darin. „Zudem braucht es dringend eine aufsuchende Sozialarbeit, die zu den Menschen auf der Straße geht, Homeoffice hilft hier nicht weiter!“

Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) hatte spendenfinanzierte Hotelprojekte Anfang der Woche ausdrücklich begrüßt. Sie seien eine „sehr, sehr gute Ergänzung“ zu den städtischen Sammelunterkünften, sagte die Senatorin im Sozialausschuss der Bürgerschaft. Dass die Stadt ein eigenes Hotelprojekt startet, lehnt sie jedoch weiter ab: „Wir als Stadt könnten tatsächlich diese hohe Zahl von Menschen auch nicht so ohne Weiteres dezentral versorgen”, sagte Leonhard. Medizinische und pflegerische Versorgung der Obdachlosen und Sozialberatung könne sie nur in den Gemeinschaftsunterkünften gewährleisten.

Autor*in
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD Digitales.

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