Welttag Soziale Gerechtigkeit : Mehr Arme in Hamburg

Zum Welttag der Sozialen Gerechtigkeit am 20. Februar schlagen Wohlfahrtsverbände Alarm: Immer mehr Menschen in Deutschland sind von Armut betroffen, besonders in Hamburg. Erhöhung von Hartz-IV-Sätzen und Mindestlohn gefordert.

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Frank Johann Hensel, Sprecher der  Nationalen Armutskonferenz, warnt vor einer gesellschaftlichen Spaltung. Foto: nak

Vor einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft hat die Nationale Armutskonferenz (nak) anlässlich des heutigen Welttages der Sozialen Gerechtigkeit gewarnt. „Es sind immer mehr Menschen von Armut bedroht“, sagte nak-Sprecher Frank Johann Hensel.

Zahlen zu dieser Aussage lieferte in dieser Woche der Paritätische Wohlfahrtsverband. Die Armut in Deutschland sei innerhalb nur eines Jahres geradezu sprunghaft von 15,0 Prozent (2012) auf 15,5 Prozent (2013) gestiegen. Rein rechnerisch bedeute dies einen Anstieg von 12,1 auf 12,5 Millionen Menschen, so der Paritätische in seinem aktuellen Armutsbericht (hier zum Download). Als armutsgefährdet gilt, wer 60 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens verdient – derzeit sind das 892 Euro für einen Singlehaushalt und 1873 Euro für eine Familie mit zwei Kindern.

In keinem Bundesland erhöhte sich die Zahl der Armen demnach so stark wie in Hamburg: von 14,8 in 2012 auf 16,9 Prozent 2013. Damit liegt Hamburg über dem Bundesdurchschnitt von 15,6 Prozent. Mögliche Ursachen: Immer mehr Menschen arbeiten zu Niedriglöhnen, in Teilzeit oder sind prekär beschäftigt. Die Folge: Bei Jobverlust erhalten sie sofort ALG II, weil sie aufgrund zu geringer Löhne und Arbeitszeit zu wenig in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben.

Das höchste Armutsrisiko in Hamburg haben laut Armutsbericht Alleinerziehende, Familien mit drei und mehr Kindern, Arbeitslose sowie Menschen mit Migrationshintergrund.

Der Paritätische forderte von der Politik ein umfassendes Maßnahmenbündel zur Armutsbekämpfung:

– Hartz IV-Sätze auf 485 Euro erhöhen (jetzt 399 Euro)
– Mindestlohn von derzeit 8,50 Euro/Stunde auf 11,50 Euro anheben
– Hohe Einkommen und Vermögen stärker besteuern
– Transferleistungen für Rentner und Familien anpassen

Video von der Pressekonferenz des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes am 19.2. 

Auch die Nationale Armutskonferenz spricht sich dafür aus, den Hartz-IV-Satz auf ein „existenzsicherndes Niveau“ anzuheben. Zudem solle analog zur Altersgrundsicherung eine Kindergrundsicherung eingeführt werden: „Was diese Gesellschaft braucht, ist eine breite Bewegung gegen die Prekarisierung, um den abgehängte Menschen ihre quälende Unsicherheit zu nehmen“, so nak-Sprecher Hensel.

Info
In der Nationalen Armutskonferenz sind zahlreiche deutsche Sozialverbände organisiert, unter anderen die Arbeiterwohlfahrt, BAG Wohnungslosenhilfe und Diakonie. Ziel ist es, die Bedürftigkeit in Deutschland zu minimieren. Der Paritätische Wohlfahrtsverband ist Dachverband von über 10.000 Organisationen, Einrichtungen und Gruppierungen im Sozial- und Gesundheitsbereich.

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