Lauritz.com : Private Schätze versteigern für Hinz&Kunzt

Spender Christoph Thiedig mit SCHÄTZEXPERTIN Susanne Stiel. Foto: Mauricio Bustamante.

Neue Chance für Dachboden- und Kellerschätze: Das Online-Auktionshaus Lauritz.com ist noch bis Ende November auf der Suche nach Objekten, die für Hinz&Kunzt versteigert werden sollen. Machen Sie mit!

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Christoph Thiedig ist eine treue Seele. Zumindest wenn es um Hinz&Kunzt geht: Seit über zehn Jahren liest er unser Straßenmagazin, hat seinen Stammverkäufer in Bergedorf und stellt an seinem Geburtstag eine Spendendose für Hinz&Kunzt auf. Und er war schon im vergangenen Jahr bei der Auktion von Lauritz.com dabei: Ein Ölgemälde mit einer Hamburger Hafenansicht kam damals unter den Hammer. Seine Eltern hatten es ihm geschenkt, als er vor 15 Jahren von Berlin nach Hamburg zog. „Ich wollte es sowieso loswerden, es hatte so eine düstere Stimmung“, erinnert sich der 45-Jährige. Das Bild ging für 300 Euro über den Tisch.

Demnächst zu haben: ein ÖLGEMÄLDE, das Christoph Thiedig bei Lauritz für Hinz&Kunzt versteigern lassen möchte. Foto: MAuricio Bustamante.
Demnächst zu haben: ein ÖLGEMÄLDE, das Christoph Thiedig
bei Lauritz.com für Hinz&Kunzt versteigern lassen möchte. Foto: Mauricio Bustamante.

In diesem Jahr will Thiedig wieder ein Ölgemälde des Hamburger Hafens versteigern lassen, die Atmosphäre ist dieses Mal aber deutlich fröhlicher. In der Büro- und Lagerhalle von Lauritz legt er das Gemälde Susanne Stiel vor, Kunsthistorikerin und Schätzexpertin des Auktionshauses. Ein Blick auf die Signatur, ein paar Klicks in der Datenbank und schon ist Stiel sich sicher: Das Werk ist echt und zwischen 500 und 600 Euro wert.

Mitmachen! So funktioniert es

Schicken Sie zwischen dem 1. und 28. November ein Foto Ihres Objektes an hinzundkunzt@lauritz.com. Die Experten melden sich mit einem Schätzpreis zurück. Wenn dieser mindestens 100 Euro beträgt, bringen Sie das Objekt in der Großen Elbstraße 268 vorbei und es wird vor Ort betrachtet. Ist der Gegenstand echt, wird er ab dem 6. Dezember online versteigert. Der Erlös geht an Hinz&Kunzt.

Bis zur Auktion im Dezember wird es nun bei Lauritz in der Großen Elbstraße bleiben und zwischen golden verschnörkelten Sesseln, antiken Kommoden und einem an der Wand hängenden Elchkopf darauf warten, ersteigert zu werden.

Wie wertvoll ist Goethe? Shakespeares Dramatische Werke in zwölf Bänden, dazu Goethe, Schiller und auch hier keine einzelnen Werke – Spenderin Karin Gutjahr hat gut zu schleppen. Bislang standen die Bücher bei ihr daheim im Regal, von ihren Großeltern geerbt, die sie auch schon antiquarisch erworben haben. „Sehen sehr schön aus, und wir dachten immer, wir würden sie noch mal lesen, aber das ist nicht der Fall“, erzählt sie. „Die Bücher wären doch bei einem Bücherliebhaber besser aufgehoben.“ Und für einen guten Zweck ist es ja auch.

Richtig Geld bringt die Teakgarnitur, die auf den Müll soll.– Wolfram Schnelle

Lauritz-Geschäftsführer Wolfram Schnelle setzt sich an den PC, klickt sich durch die Seiten von Online-Anbietern von Büchern, die Shakespeare-Bände neben sich, eine Ausgabe aus dem fernen Jahr 1872. 100 Euro sollte sie schon bringen. Sonderlich euphorisierend wirkt es nicht, was er zu sehen bekommt: Es mangelt nicht an Angeboten für Shakespeare-Gesamtausgaben.

Vielleicht bringt ja der Schiller was? Wenigstens der Goethe!

Spenderin Karin Gutjahr hat zu Hause die BÜCHERREGALE durchforstet und hofft, dass alte Klassikerausgaben sich lohnend versteigern lassen. Noch ist sie optimistisch … Foto: Mauricio Bustamante.
Spenderin Karin Gutjahr hat zu Hause die
BÜCHERREGALE durchforstet und hofft,
dass Klassikerausgaben sich lohnend versteigern lassen. Noch ist sie optimistisch … Foto: Mauricio Bustamante.

Und hier im Netz ein Vergleichsangebot, eine Ausgabe von 1786: Für 300 bietet ein Antiquariat die Werke an. Aber gemeint sind nicht Euros, sondern Dänische Kronen. Der Umrechungskurs? 40 Euro würden es werden. Oha! Vielleicht bringt ja der Schiller was? Wenigstens der Goethe! WolframSchnelle ist nicht recht optimistisch, sucht aber tapfer weiter. Aha: Goethe, sämtliche Werke in sechs Bänden von 1863, Zustand gut, gebraucht, bekommt man für 59 Euro. „Immerhin teurer als der Shakespeare“, versucht Karin Gutjahr sich Mut zuzusprechen.

Wolfram Schnelle lächelt milde. Bei ihren anderen Schätzen fallen die Ergebnisse nicht besser aus. „Heißt das, Sie nehmen gar nichts?“, fragt sie schließlich beherzt. „Leider nein.“ Aber so sei es eben: „Im 19. Jahrhundert waren Goethe- und Schillerausgaben ein Statussymbol. Und damit eine Massenware.“ Und er erzählt: „Wir erleben das immer wieder bei Haushaltsauflösungen: Die Leute denken, die Meissen-Figuren in der Vitrine seien wertvoll, aber richtig Geld bringt die Teakgarnitur, die auf den Sperrmüll sollte.“

Karin Gutjahr packt ihre Bücher wieder ein. Schade, dass sie nichts beitragen kann. Aber was nicht ist, ist eben nicht. Ihre Enttäuschung ist schon dabei zu verfliegen. Sie hat in der letzten Stunde schließlich so einiges über den Antiquariatsmarkt gelernt. Und das ist ja auch etwas wert.

Über den Autor
Theresa Horbach
Schreibt seit 2016 als freie Mitarbeiterin für Hinz&Kunzt - aus Überzeugung, dass konstruktiver Lokaljournalismus unsere Gesellschaft verändern kann.

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