Leichte Sprache :
Kunst am Telefon erleben

Bild: iStock/highdog
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Sie müssen nicht ins Museum gehen.
Sie müssen die Kunst nicht sehen können.
Denn es gibt das Projekt „Bei Anruf Kultur“.
Das Angebot bringt Kultur zu Ihnen nach Hause.
Das Angebot ist kostenlos und barrierefrei.
Aber das Projekt hat Geld-Probleme.

Man braucht nur eine Telefon-Nummer

Der Besuch im Museum ist wie eine Suche.
Man kann viel Kunst und Kultur entdecken.
Man kann alles nur mit den Ohren erleben.
Man muss nur eine Telefon-Nummer anrufen.

Zuerst meldet man sich an.
Dann bekommt man eine E-Mail.
In der E-Mail steht die Telefon-Nummer
und dieser wichtige Satz:
„Bitte rufen Sie die Telefon-Nummer 3 Minuten vor Beginn an.“
Dann rufen die Menschen an.
So können sie von zuhause eine andere Welt erleben.

Manche Menschen können nicht selbst ins Museum gehen.
Doch Kultur soll für alle Menschen da sein.
Das sagt Annika Harder.
Sie arbeitet für das Projekt „Bei Anruf Kultur“.
Das Projekt bietet Führungen durch Museen am Telefon an.
Die Menschen hören dabei Erklärungen zu Kunst und Kultur.

Ein Projekt nicht nur für blinde Menschen

Das Projekt gibt es seit dem Jahr 2021.
Damals gab es die Corona-Pandemie.
Viele Kultur-Angebote mussten für einige Zeit schließen.
Niemand durfte mehr in ein Museum gehen.
Menschen in dem Hamburger Verein für Blinde und Seh-Behinderte Personen
hatten die Idee mit dem Telefon-Projekt.
Zuerst gab es das Projekt nur in Hamburg.
Später wurde das Projekt in ganz Deutschland bekannt.

Heute machen mehr als 130 Museen und Kultur-Orte mit.
Zum Beispiel:

·       Das Deutsche Hafen-Museum erzählt von einem Segel-Schiff.

·       Der Fußball-Verein St. Pauli zeigt das Millerntor-Stadion.

·       Man kann alte Gärten in Brandenburg kennenlernen.

·       Man kann das EU-Parlament in Brüssel kennenlernen.

·       Man kann etwas über Schwert-Kämpfe von vor Tausenden Jahren erfahren.

·       Man kann etwas über Frauen lernen,
die im Zweiten Weltkrieg auf der Flucht waren.

Es gibt auch einen Stadt-Rundgang von Hinz&Kunzt.
Ab Mai gibt es diesen Rundgang auch am Telefon.
Die Menschen erfahren dort:
So leben wohnungslose Menschen in Hamburg.

Am Telefon ein Haus weit weg erleben

Heute geht es um das „Haus am Horn“ in der Stadt Weimar.
Das Haus ist ein tolles Beispiel für Häuser im Stil „Bauhaus“.
Eine Frau erklärt zuerst den Ablauf der Führung am Telefon.
Während der Führung sind die Mikrofone ausgeschaltet.
Danach gibt es eine Frage-Runde.
Da werden die Mikrofone wieder eingeschaltet.

Schon am Anfang sprechen die Menschen miteinander.
Ein Teilnehmer sagt:
„Ich bin schon oft dabei gewesen.“
Dann nennen die Menschen ihren Wohnort.

Zum Beispiel:

·       Jemand wohnt in Baden-Württemberg.

·       Jemand anderes wohnt in Hamburg.

·       Oder jemand sitzt gerade in Wolfsburg am Telefon.

Bei einer Führung dürfen nicht mehr als 27 Menschen mitmachen.
Viele Telefone können starke Geräusche machen.
Dann kann man in der Frage-Runde wenig verstehen.

Jetzt spricht eine Mitarbeiterin vom Museum.
Sie arbeitet für die Klassik Stiftung Weimar.
In den nächsten 30 Minuten erklärt sie viel über Häuser und Bau-Arten.
Sie beschreibt auch ganz genau das „Haus am Horn“.
Die Menschen erfahren zum Beispiel:

·       Vor dem Haus wachsen Erdbeeren.

·       Vor dem Haus gibt es zwei Stufen.

·       Auf dem Grundstück steht eine Rotbuche.

Auch sehende Menschen können so viele neue Dinge erfahren.
Annika Harder sagt:
„Das Projekt ist vor allem für Menschen mit Seh-Behinderung.
Aber es ist auch für andere Menschen gedacht:

·       Für Menschen ohne Geld für eine Reise.

·       Oder für Menschen mit psychischen Problemen.

·       Oder für wohnungslose Menschen.

·       Oder für Menschen, die Leichte Sprache brauchen.

Spenden gesucht!

Das Projekt hilft auch Menschen, die sich einsam fühlen.
Darum sind fast alle Führungen schnell ausgebucht.
Trotzdem hat das Projekt große Geld-Probleme.
Vielleicht endet das Projekt im Herbst 2026.

Der Grund ist:
Die Geld-Hilfe von dem Verein „Aktion Mensch“ endet nach 3 Jahren.
Auch die Hamburger Behörde für Kultur und Medien gibt Geld.
Aber das Geld reicht nicht aus.
Annika Harder sagt:
„Wir suchen jetzt Hilfe für unser Projekt.
Wir hoffen auf große oder kleine Spenden.
Jeder Betrag hilft.“

Mit Hinz&Kunzt durch Hamburg

Wie ist so ein Rundgang für die Menschen,
die eine Führung am Telefon machen?
Chris Schlapp gibt bald seine erste Telefon-Führung.
Er arbeitet für die Stadt-Rundgänge von Hinz&Kunzt.
Im Mai macht er seine erste Telefon-Führung.

Chris sagt:
„Das wird anders.
Normalerweise stehen Menschen vor mir.“
Sonst läuft er mit Gruppen durch die Hamburger Innenstadt.
Bei der Telefon-Führung sitzt er in einem ruhigen Raum.
Dann spricht er ins Telefon.

Chris Schlapp kennt die Strecke sehr gut.
Er sagt:
„Ich bin die Strecke schon oft gelaufen.
Ich weiß genau, wie alles aussieht.
Das werde ich mit Worten beschreiben.“

Chris sagt auch:
„Das klappt schon.
Ich hoffe, die Menschen am Telefon sind nett.“

„Hamburger Neben-Schauplätze“

Das ist der Stadt-Rundgang von Hinz&Kunzt.
Der Rundgang zeigt Hamburg aus der Sicht von wohnungslosen Menschen.
Jetzt gibt es den Rundgang auch barrierefrei am Telefon.
Die Termine sind:

Donnerstag, 7. Mai

Donnerstag, 21. Mai.

Beginn: 15.30 Uhr.

Danach gibt es jeden Monat eine weitere Führung.
Die Anmeldung ist auf der Internet-Seite:
www.beianrufkultur.de/programm

Übersetzung in leichte Sprache: Grone barrierefrei

Artikel aus der Ausgabe:
Ausgabe 399

Bereit für Olympia?

Bereit für Olympia? Wir haben HSV-Rekordsprinter Owen Ansah und den französischen Olympia-Gegner Paul Alauzy getroffen und waren zu Gast in Lurup bei einem Schwimmverein. Außerdem: miese Arbeitsbedingungen auf Kreuzfahrtschiffen und Ansichten einer Obdachlosen-Vertreibung.

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Autor:in
Deborah Weber
Deborah Weber
Deborah Weber studierte Datenjournalismus in Leipzig und Florenz. Inzwischen arbeitet sie als freie Journalistin in Hamburg. Seit 2025 schreibt sie für Hinz&Kunzt.

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