Kunzt&Kult : Kultur zum Selbermachen

April-Ausgabe
Dem Spieltrieb freien Lauf lassen – das geht auch in Corona-Zeiten. Foto: Mauricio Bustamante

Corona legt Bühnen, Clubs und Kinos lahm. Damit sich trotzdem niemand langweilen muss, gibt das Hinz&Kunzt-Team persönliche Tipps für Kultur und Freizeit zu Hause.

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Ausbrechen und trotzdem drinnenbleiben

von Meike Lehmann, Vertrieb: Wer fürchtet, es drinnen nicht mehr lange auszuhalten, kann mit der Spielereihe „EXIT“ die eigenen vier Wände zum Escape-Room machen und ausbüxen, ohne dabei rauszugehen. Im Team müssen Rätsel gelöst, Codes geknackt und Gegenstände gesammelt werden, um etwa aus einem verwunschenen Märchenwald oder einem geheimnisvollen Museum wieder in die Realität zurückzufinden. Jedes Abenteuer ist einzig­artig, die Spielkarten kommen meistens nicht heil aus der Sache raus. Zum Glück gibt es gleich mehrere „EXIT“-Spiele für Einsteiger*innen, Fortgeschrittene oder Profis, die immer neue spannende ­Szenarien bieten. So wird es auch drinnen nicht langweilig. www.exit-das-spiel.de/content

Kultserie führt durch den Körper

von Annabel Trautwein, Redaktion: Wie wirkt ein Virus und warum macht es uns krank? Selten hat eine Fernsehsendung Fragen zum menschlichen Körper so anschaulich und kindgerecht beantwortet wie „Es war einmal … das Leben“. Nun können Kinder wieder zuschauen, wenn die Superheld*innen des Immunsystems in fliegenden Kapseln auf Patrouille gehen, Schwärme von Antikörpern losschicken und Viren das fiese Grinsen austreiben. ARD-alpha nimmt die 1980er-Jahre-Serie ins aktuelle Programm: Ab 30. März sendet der Kanal montags bis freitags ab 13.45 Uhr je eine Folge „Es war einmal … das Leben“ und „Es war einmal … der Mensch“. In der Mediathek des Bayerischen Rundfunks bleiben die Folgen eine Woche abrufbar. Wieder­holungen für ältere Fans gibt es ab 31. März immer kurz vor Mitternacht.  www.ard-alpha.de

Vorurteile zum Guten wenden

von Christian Hagen, Vertrieb: Mein Tipp ist die Podcast-Serie 180 Grad: „Geschichten gegen den Hass“ auf NDR Info. Hier werden Geschichten von Menschen erzählt, deren Feindbilder unerschütterlich scheinen – bis sie die Gemeinten kennenlernen. Eine tolle Serie, die in Krisenzeiten Hoffnung macht, weil sie aufzeigt, unter welchen Bedingungen sich Vorurteile zum Guten wenden können, und dies auch immer wieder sozialwissenschaftlich und psychologisch untermauert. www.huklink.de/180grad

Spektakuläre Schwalben und korrupte Schiris

von Jonas Füllner, Redaktion: Corona lässt Fußballfans darben: keine Bundesliga mehr, vom Stadionbesuch ganz zu schweigen. Mit dem Würfelspiel „Millionen von Schwalben“ können Sportsfreund*innen dafür ganze Europameisterschaften am Küchentisch austragen. Jede*r Spieler*in bedient dabei mehrere Nationalmannschaften und verhilft ihnen mit Würfeln, Karten oder dramatischen Schwalben zum Sieg. Fair Play ist eh Nebensache, Pokale sind schmückendes Beiwerk – es zählt
allein der schnöde Mammon. Denn hinter der Linie wird gezockt und bestochen, nicht einmal der Schiri ist unparteiisch. So stellt das Wettgeschäft die Loyalität selbst zu den eigenen Mannschaften auf eine harte Probe. Spätestens wenn am Spieltisch Livekommentar und Fangesänge einsetzen, ist die Stadionatmosphäre wieder ganz da. Achtung: Von Bengalos in geschlossenen Räumen ist abzuraten.  www.fatamorgana.ch/schwalben

Igor Levit – täglich live aus dem Wohnzimmer

von Gabriele Koch, Spendenservice: Konzertsäle und Theater bleiben zu, unzählige Kulturschaffende müssen wegen der Corona-Epidemie um ihre Existenz fürchten. Mut machen dabei Künstler*innen wie der Pianist Igor Levit mit seinen Hauskonzerten: Jeden Abend setzt er sich zu Hause an den Flügel, in Socken, Jeans und Kapuzenjacke, und spielt gegen die Leere an. Zu sehen und zu hören sind die Hauskonzerte live auf Levits Twitteraccount, Zehntausende hören zu und dürfen täglich kleine Weltklassekonzerte mit Musik von Schubert, Brahms oder Schostakowitsch frei Haus genießen. Vor dem Konzert gibt Levit eine persönliche Einführung, erzählt von der Zeit, in der das Werk entstanden ist, und beschreibt, wie sich die Musik für ihn anfühlt – eine wunderbare Chance, auch als Nicht-Kenner*in den Zugang zu klassischer Musik zu finden. All das schenkt Levit seinem Publikum. „Danke, dass ich das mit Euch teilen darf. Das hält gerade wirklich das innere Leuchten“, schreibt er auf Twitter. Der Dank gebührt ihm – und allen anderen, die in dieser Zeit große Kunst und Kultur am Leben erhalten. www.twitter.com/igorpianist

Kritisch bleiben in Krisenzeiten

von Gabriele Koch, Spendenservice: So wie manch einer jetzt allein im Homeoffice sitzt, so stelle ich mir vor, macht auch Lukas Ondreka seinen „Dissens Podcast“. Jeden Mittwoch erscheint ein kapitalismuskritisches Hörstück über Schieflagen in Politik und Gesellschaft. Ondreka lädt dazu spannende Gesprächspart­ner*innen ein. Brainfood! www.dissenspodcast.de

„Homeoffice“ zum Schlapplachen

von Kristine Buchholz, Korrektorat: Ich werde mir noch mal die Serie „Parks and Recreation“ ansehen: Die Geschichten über das Team des Grünflächenamtes einer amerikanischen Kleinstadt sind witzig und herrlich absurd. Vor allem aber handeln sie von Menschen, die sich leidenschaftlich füreinander und das Wohl ihrer Gemeinschaft einsetzen. Genau das, was man in Krisenzeiten braucht. Die Serie läuft zum Beispiel bei i-Tunes, Amazon Prime oder Sky. www.huklink.de/parks-and-recreation

Unterhaltung ohne Grenzen

von Lukas Gilbert, Redaktion: „Ungewöhnliche Zeiten erfordern unbürokratische Maßnahmen“ – deshalb machen die Hamburger Bücherhallen jetzt ihr komplettes digitales Angebot kostenlos zugänglich. Hinter dem Log-in tut sich ein Schatz an Unterhaltungsmedien auf: Arthouse-Filme und Kinderserien, Streamingdienste für Jazz und Klassik, rund 4000 internationale Zeitungen und Zeitschriften und etwa 1000 Titel der deutschen Presselandschaft, Nachschlagewerke, Onlinekurse und ein riesen Vorrat an literarischem Lesestoff. All das steht Hamburger*innen aller Altersgruppen frei – auch wenn sie noch keine Kund*innen der Bücherhallen sind oder ihre Karte gerade gesperrt ist. www.buecherhallen.de

Corona-Geschichte gegen den Frust

von Benjamin Laufer, Redaktion: Nur noch zu Hause spielen? Wie langweilig! So geht es auch Grundschulkind Alma in der Geschichte „Das Drin-Bleib-Monster“, die die Illustratorin Sophia M. Phildius auf ihrer Internet­seite veröffentlicht. Alma würde am liebsten heimlich ausbrechen, aber das geht nicht: An ihrem Bein hängt das Corona-Monster, ein lilafarbenes Zottelviech mit Hörnern. Es hat Alma fest im Griff. Und dann will es auch noch Freundschaft schließen! Nicht mit Alma. Wird sie es schaffen, das Monster loszuwerden? Tag für Tag kommen neue Seiten zum Vorlesen dazu, nebenbei erfahren Kinder, was es mit dem Coronavirus auf sich hat und wie sie sich davor schützen können. www.phildius.com

Dutch geht immer

von Ulrich Jonas, Redaktion: Auch wenn bei uns in der Familie mal wenig geht: „Dutch“ geht immer. Wir haben dieses Kartenspiel vergangenen Herbst in einem Urlaubscamp entdeckt – und spielen es seitdem leidenschaftlich gerne. Das Tolle ist: Man braucht nur ein Set Karten und ein wenig Zeit – und weil eine Runde schnell vorbei ist, kommt jede*r mal in den Genuss des Gewinnens. Wir haben das Spiel unter dem Namen „Dutch“ kennengelernt, andere nennen es aber auch „Cabu“ oder „Cabo“. So wie der Name variieren auch die Regeln ein wenig – Spaß ist aber so oder so garantiert. www.neleworld.com

Schlauer Stoff zu Shakespeares Schurken

von Annabel Trautwein, Redaktion: Vorhang zu bis mindestens Ende April. Damit sind meine geliebten Alltagsfluchten ins Theater erstmal abgesagt. Mach’s gut, Hamlet! Lebe wohl, König Lear! Vorerst wird das nichts mit uns. Wir sehen uns, hoffentlich, in besseren Tagen. Dann aber werde ich gerüstet sein – dank Stephen Greenblatt. Der Literaturprof. und Shakespeare-Kenner hat gerade sein Buch „Der Tyrann“ herausgebracht, Untertitel: „Shakespeares Machtkunde für das 21. Jahrhundert“. Darin erörtert Greenblatt Fragen, die nicht nur auf der Bühne eine Rolle spielen: Wie kann es sein, dass Menschen kollektiv machthungrigen Despoten auf den Leim gehen? In welchem Umfeld gedeiht Tyrannei? Die Namen der Zeitgenoss*innen, die ihn zu dem Buch inspiriert haben, verschweigt der Autor elegant. Stattdessen verweist er auf Shakespeares Erzschurken Richard III., die Strippenzieherin Lady Macbeth, den menschenverachtenden Coriolan oder König Lear und seine durchtriebenen Töchter. Während des Lesens steigt die Vorfreude: Eines Tages gehen die Theatervorhänge wieder auf! Und auch auf der politischen Bühne wird sicher noch die eine oder andere Figur auftreten, die an Shakespeares Tyrann*innen erinnert. Die Welt ist aus den Fugen – machen wir uns gefasst.  www.randomhouse.de

Fesselnder Roman mit düsterem Ton

von Sybille Ahrendt, Öffentlichkeitsarbeit: Schwere Zeiten verlangen nach schweren Büchern. So wie Liebeskummer nach melancholischen Songs verlangt. Wer Hanya Yanagiharas gefeierten Roman „Ein wenig Leben“ aufschlägt, kann 1000 Seiten lang in eine fesselnde, dunkle Welt eintauchen. Der Roman erzählt von vier jungen Männern in New York. Malcolm, JB, Willem und Jude sind Collegefreunde, die ihre Sorgen miteinander teilen. Die Handlung folgt ihnen über drei Jahrzehnte. Im Verlauf des Romans dreht es sich immer mehr um den brillanten Jude, den dunkle Ängste quälen. Er trägt immer lange Ärmel, leidet unter Schmerzattacken, doch erzählt er seinen Freunden nichts über deren Ursachen. In Rückblenden werden immer mehr Einzelheiten aus Judes kindlichem Martyrium enthüllt. Das ist wahnsinnig intensiv, spannend und gut erzählt. Noch ein Tipp: Wer den Buchladen an der Ecke weiterhin unterstützen möchte, kann oft auch dort online bestellen. www.hanser-literaturverlage.de

Vom Sofa aus durch Hamburgs Geschichte

von Annette Woywode, Redaktion: „Out of Office“ heißt es auch im Museum der Arbeit. Die Frage, wie sich unsere Arbeitswelt verändert, ist angesichts der Coronakrise aktueller denn je. Wer die Ausstellung noch nicht auf herkömmlichem Wege besuchen konnte, hat jetzt die Chance, das nachzuholen: Die Stiftung
Hamburgische Museen öffnet all ihre Häuser für virtuelle Rundgänge. Darüber hinaus fordert sie auf, selbst Zeitgeschichte zu dokumentieren: Wie erleben Sie die Corona-Epidemie in Hamburg? Wer mag, kann Dokumente, Fotos und Geschichten einsenden und mithelfen, den Ausnahmezustand für spätere Zeiten festzuhalten. shmh.de/de/digitalprogramm

Zeit für Tocotronic

von Benjamin Laufer, Redaktion: Vielleicht ist Corona die Chance, wieder zurück zur Gitarre zu finden. Welcher Song könnte da besser passen als „Sag alles ab“ von Tocotronic? Mit deren Texten wollte ich mich immer mal gründlich auseinandersetzen. Wer selbst angehende Rockstars zu Hause hat, die sich im Kinderzimmer langweilen und neue Herausforderungen suchen, ist mit Gitarre Hamburg gut beraten: Das Musiknetzwerk bietet einen kostenlosen Online-Gitarrenkurs für Kinder an. Per Videoanleitung gibt es Übungen und Ratschläge für Eltern. Wer jetzt motiviert einsteigt und dranbleibt, kann in ein paar Monaten vielleicht schon Tocotronic nachspielen. www.gitarrehamburg.de

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Artikel aus der Heft-Ausgabe:
Autor*in
Annabel Trautwein
Annabel Trautwein
Annabel Trautwein schreibt als freie Redakteurin für Politik, Gesellschaft und Kultur bei Hinz&Kunzt - am liebsten über Menschen, die für sich und andere neue Chancen schaffen.

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