Unabhängige Verlage : Kleine Verlage ganz groß

Der März lässt die Herzen von Literaturfreunden höher schlagen. Wir haben uns mit Daniel Beskos getroffen, einem der Gründer des mairisch Verlages, der viele junge Hamburger Autoren betreut – wie Michael Weins, der am 26. März aus seinem neuen Buch liest.  

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Wollten ursprünglich eine Band gründen, dann wurde es ein Verlag: mairisch-Gründer Daniel Beskos (links) und Peter Reichenbach.

Autoren „Wir wollen unseren Autoren einen Heimathafen bieten. Das müssen wir auch, damit wir gegenüber den großen Verlagen bestehen können“, sagt Daniel Beskos. Derzeit betreut mairisch rund 20 Autoren. Viele haben debütiert – wie Benjamin Maack, Stevan Paul oder Roberta Schneider.

Blödsinnige Idee „Bisher dachte ich noch keine Sekunde, es sei eine blödsinnige Idee gewesen, einen Verlag zu gründen. Okay: Manchmal wünschte ich mir, nur 40 Stunden in der Woche zu arbeiten statt 60.“

Durchhalten „Im Prinzip weiß man nie, welches Buch ein Erfolg wird und welches nicht. Bei uns geht es um die Frage: Wie viele potenzielle Leser erreichen wir überhaupt?“

Freundin „Mein Kollege Peter Reichenbach ist mit seiner damaligen Freundin von Marburg nach Hamburg gezogen. Ich habe sie irgendwann besucht und fand es toll. Damals sind ja alle nach Berlin. Wir hatten dagegen eine Allergie.“

Gestaltung „Unsere Gestalterin Carolin Rauen macht mehr oder weniger das gesamte Design – in Absprache mit den Autoren. Ich glaube, so schöne Bücher wie heute gab es noch nie auf dem Markt.“

Heinrich, Finn-Ole „2005 haben wir das erste Buch von Ole herausgebracht. Zum ersten Mal keine Miniauflage. Die höhere Auflage war trotzdem sehr schnell weg, weil es ein paar euphorische Besprechungen gab. Unsere Kalkulation war Blödsinn. Wir hatten noch keine Ahnung.“

Indiebookday Daniel Beskos hat diesen Feiertag für Bücher aus unabhängigen Verlagen 2012 spontan erfunden. Die Idee ist simpel: Ein Buch aus einem Indie-Verlag kaufen und ein Foto davon in den sozialen Netzwerken teilen. Mittlerweile macht halb Europa mit.

Indiebookday

Am Samstag, den 21. März, ist Indiebookday. Ziel ist es, kleinen Verlagen wie dem mairisch Verlag Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Und das funktioniert so: In einen Buchladen gehen und ein Buch eines solchen Verlages kaufen. Dann ein Foto davon in sozialen Netzwerken mit dem Hashtag #Indiebookday posten. Mehr Infos unter www.indiebookday.de.

Karl May „Als Jugendlicher habe ich nur ganz schlimme Sachen gelesen (lacht): Karl May und klassische Sagen des Altertums von Gustav Schwab.“

Laden Seit 2014 hat mairisch einen Laden in Eimsbüttel, in der Schwenckestraße 68. Heißt: „about songs & books“. Gemeinsam mit dem Hamburger Musik-Label Devil Duck Records teilt man sich Büro, Küche und einen stuckverzierten Showroom.

Musik mairisch verlegt nicht nur Bücher und Hörspiele, sondern auch Musik, zum Beispiel vom Hamburger Singer/Songwriter Spaceman Spiff. „Bei uns hat sich das früher auch so ein bisschen wie eine Band angefühlt, wenn wir von einer Lesung zur anderen gefahren sind. Peter und ich haben uns kennengelernt, weil wir ursprünglich mal zusammen Musik machen wollten.“

Nebenjobs Damit finanzierte Daniel lange sein Leben, als der Verlag noch nicht genug abwarf: „Ich habe in einem Krankenhaus gearbeitet, bei Universal Music, bei Presse- und PR-Agenturen, auch bei einem großen Verlag. Viel gelernt habe ich bei einer Internetagentur in Sachen Webseiten, Social Media und Projektkoordination.“

Ohne Chance „Wir nehmen derzeit keine neuen Autoren mehr an, darum bitte schickt uns nichts!“ Die meisten potentiellen Autoren halten sich daran. Davor kamen 20 Manuskripte pro Woche.

Philosophie des Radfahrens Der „mit Abstand größte“ Bestseller bei mairisch ist eine 2013 erschienene Essaysammlung übers Radfahren, zugleich das erste Sachbuch in der Verlagsgeschichte: „Peter und ich sind begeisterte Rennradfahrer. Wir dachten: Wenn wir schon ein Sachbuch herausbringen, dann eins zu einem Thema, das uns persönlich interessiert.“

Rodgau Der hessische Ort ist nicht nur die Heimat der Rockband Rodgau Montones und des Comedy-Duos Badesalz – auch die Verlagsgründer Daniel Beskos, Peter Reichenbach und Blanka Stolz kommen von dort. „Rio Reiser hat da auch mal eine Zeitlang gelebt, aber die sind da alle wieder weg.“

Social Beat „So wurde die literarische Undergroundszene genannt, als ich Teenager war in den 90ern. Robsie Richter war einer der Untergrundautoren, die mich sehr beeindruckt haben und bei dem ich dachte: ‚Ach, so geht Literatur auch!‘“

Transit So hieß eine monatliche Veranstaltungsreihe mit Lesungen, Musik, Filmen und Fotos, die mairisch gemeinsam mit dem Minimal Trash Art-Verlag von 2003 bis 2008 veranstaltete. Gäste in der Schilleroper waren unter anderem Saša Stanišic, Birgit Utz und Nils Koppruch.

Unkraut Der Namensgeber von mairisch. Das Wort aus dem hessischen Dialekt bedeutet nämlich nichts anderes.

Volontariat Daniel entschied sich nach dem Studium dagegen. „Sonst hätte ich den Verlag mehr oder weniger einschlafen lassen müssen. Ich habe mich dann über Nebenjobs (siehe N) finanziert, wie die anderen auch.“

Wunsch „Dass sich noch mehr Menschen bewusst entscheiden, ausgewählte, schön gestaltete und nachhaltig produzierte Erzeugnisse von transparenten Unternehmen zu kaufen.“

Zukunft „Wir haben gerade eine neue Mitarbeiterin eingestellt, sind jetzt zu sechst. Die Branche lässt aber nur eine langsame Entwicklung zu. Es ist aber auch gar nicht unser Interesse, ein großer Konzern zu werden.“

Text: Simone Deckner
Foto: Andreas Hornoff

Am 26. März Vernissage der Illustratorin Katharina Gschwendtner zu „Sie träumt von Pferden“ mit Lesung von Michael Weins. Ort: about songs & books, Schwenckestr. 68, 19 Uhr, Eintritt frei. Mehr Infos: www.mairisch.de.

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