Traumgalerie : Jetzt malen Promis ihre Träume

Gemalt von Ina Menzer, ehemalige Box-Weltmeisterin im Federgewicht (bereits verkauft)

Zu den gemalten Träumen von Hinz&Künztlern in der Traumgalerie sind weitere hinzugekommen: Promis, Politiker und Gesichter der Stadt haben ihre Träume gemalt. Sie werden zu unseren Gunsten verkauft.

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Kaum hat Kristian dem Künstler Uli Pforr die Hand geschüttelt, geht in der Rindermarkthalle das Blitzlichtgewitter los: Die Begegnung zwischen dem Hinz&Künztler und dem Maler vor dem Werk bei der Eröffnung der Traumgalerie – dieses Foto wollen alle haben. Klick, klick, klick, bitte noch mal lächeln! Erst als die letzte Fotografin fertig ist, dreht Kristian sich um und lässt sein Traumbild auf sich wirken.

Die Traumgalerie Teil 1: Das sind fünf Träume von Hinz&Künztlern, gemalt von Künstlern. Die Verkaufserlöse gehen je zur Hälfte an Hinz&Kunzt und an die Künstler. Die Idee dazu hatte Lars Meier, Chef der Agentur „Gute Leude Fabrik“ mit aus New York gebracht. Sponsoren der Aktion sind Bettenhersteller Patrick Habertag (Richard Behr & Co.) und die Rindermarkthalle St. Pauli. Habertag legt noch etwas drauf: In der Traumgalerie kann man Kopfkissen, Decken und Betten kaufen – zum Jubiläumspreis und mit einem Spendenanteil für Hinz&Kunzt.

In Kristians Traum holt die Mutter den blonden Mann ab, ins Jenseits. Uli Pforr malte den Traum knallbunt und garnicht so gruselig. Das Bild ist bereits verkauft. Foto: Lena Maja Wöhler

Aber zurück zu Kristian und seinem Traumbild. Bunt ist es und trotzdem etwas düster. Da ist die Treppe aus seinem Traum, der ängstliche Blick seines Freundes, der die Stufen hinabgeführt wird. Ganz oben er selbst, der vergeblich warnt. Und unten eine kleine schwarze Gestalt. Kristian erkennt sie sofort, obwohl er sie im Traum nicht sehen konnte: es ist der Tod. Wie ein kleiner Vogel hockt er da und wartet. Kristian ist fasziniert.

„Ich träume oft Horrorgeschichten, in denen ich verfolgt werde oder sterbe.“– Künstler Uli Pforr

Und Uli Pforr freut sich: Seine Idee ist aufgegangen. Mit Traumbildern hat der Künstler schon Erfahrung. „Ich träume oft Horrorgeschichten, in denen ich verfolgt werde oder sterbe“, sagt er. Den Tod hat er selbst schon im Traum getroffen. Kristian dagegen begegnet er heute zum ersten Mal – und dennoch sehen sich die kleine Figur auf dem Bild und das Original ein bisschen ähnlich. Stark, findet Künstlerin Esther Czaya, als sie vor dem Gemälde stehen bleibt.

Esther Czaya hat den Traum von Lukacz gemalt. Größe: 50 x 70 cm, Papier, Preis: 700 Euro. Foto: privat

Die Künstlerin hat auch einen Traum gemalt: In feinen Linien und zarten Farben brachte sie Figuren zu Papier, die fast transparent wirken. So hat es Hinz&Künztler Lukasz geträumt. Seine Freunde aus Oberschlesien erschienen ihm, sie kamen immer näher, umzingelten ihn wie ein Wolfsrudel. Doch als er sie berühren wollte, lösten sie sich in Luft auf. „Ich fand es schwer, den Traum zu malen, weil ich Lukasz ja gar nicht kenne“, sagt Esther Czaya. Sie malte die Szene so, wie sie Lukasz im Traum erschien, aber im Gegensatz zu Kristian ist er nicht mit auf dem Bild verewigt.

Die Gemälde mit den Träumen der Hinz&Künztler, gemalt von Esther Czaya, Uli Pforr, Peter Krahé, Felix Eckardt und Tronje Thole van Ellen, waren bis Anfang Februar dort ausgestellt. Bei Redaktionsschluss waren sogar schon zwei Bilder verkauft.

Promis malen ihre Träume – zu Gunsten von Hinz&Kunzt

In Teil 2 der Traumgalerie werden die Wände freigegeben für Bilder von Prominenten, Politikern und Persönlichkeiten der Stadt, die ihre Träume selbst zu Papier bringen. Auch diese Werke sind zu kaufen, die Einnahmen gehen dann zu 100 Prozent an uns.

„Uli, wie hast du dir das gedacht mit dem kleinen Todesengel?“ Der Einfall des Malers lässt Kristian nicht los. Denn der Traum, den er uns zu Beginn der Aktion Traumgalerie erzählte, stellte sich tatsächlich als finsteres Omen heraus: Vor fast 30 Jahren im Gefängnis hatte Kristian geträumt, dass seine verstorbene Mutter einen seiner Freunde, einen großen blonden Mann, mitnähme ins Jenseits. Noch drei Stufen lagen vor ihnen.

Eine Wahrsagerin deutete den Traum: An einem Datum, in dem die Zahl 3 vorkomme, sollte Kristian aus dem Gefängnis entlassen werden. Doch einer seiner Verwandten werde dann sterben. Und tatsächlich: „Am 13. Januar 1990 kam ich frei. Und kurz bevor ich an die Tür meines Elternhauses klingelte, starb mein Onkel, der blond und blauäugig war.“ Nun steht er vor dem Bild und blickt dem Todesvogel direkt ins Gesicht. „In meinem Traum war er unsichtbar. Aber er war dort, ich denke, der Tod hat meinen Traum beobachtet“, sagt Kristian. „Uli hat ihn sichtbar gemacht.“

Marci träumte als Kind, er sei vom Dreimeterbrett gesprungen und nicht mehr aufgetaucht. Der Traum inspirierte Felix Eckardt zu diesem Bild. Größe: 80 x 100 cm, Leinwand, Preis: 3600 Euro. Bereits verkauft.

Auch Hinz&Künztler Marci steht lange vor seinem Traumbild mit dem blonden Jungen, der schwerelos vor einem abstrakten Großstadtpanorama schwebt. „Ich finde es sehr schön“, sagt er. „Die Stimmung, die das Bild rüberbringt, ist cool.“

„Die Stimmung, die das Bild rüberbringt, ist cool.“– Hinz&Künztler Marcel

Als Kind träumte er von einem Sprung vom Dreimeterbrett, nach dem er nicht mehr auftauchte – nur seine Seele löste sich aus seinem Körper und stieg durch die Wasseroberfläche bis in den Himmel. Ein Albtraum? Keineswegs, sagt Marci. Es fühlte sich gut an, seinem Körper zu entfliehen. „Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich Heimkind bin. Das war nicht einfach, auch bei meinen Pflegeeltern war es nicht einfach. Ich denke, der Traum zeigt, dass ich frei sein wollte.“ Dann lacht er: „In Wirklichkeit war ich nur ein bisschen dicker.“

Maler mit Traumerfahrung

Maler Peter Krahé ist regelrecht spezialisiert auf Träume: Seit 50 Jahren dokumentiert er seine eigenen, kritzelt sie nachts in den Block auf seinem Nachttisch. Später übersetzt er die Notizen in Bilder. So hat er es auch mit den Träumen der Hinz&Künztler gemacht. Auf die Leinwand schaffte es schließlich Venetas Traum: Nachts begegnet sie ihrem verstorbenen Vater und unterhält sich mit ihm. Peter Krahé spielt gekonnt mit dieser Nähe: Wer direkt vor dem Gemälde steht, erkennt den Vater ganz deutlich. Aus der Distanz betrachtet wirkt er dagegen transparent und schemenhaft vor der hügeligen Landschaft.

Traumpaparazzo nennt sich Peter Krahé selbst. Denn seit 50 Jahren notiert er seine Träume oder bannt sie auf die Leinwand. Foto: Lena Maja Wöhler

Beim Träumen sind alle Menschen gleich. „Ich war komplett begeistert von der Idee der Traumgalerie“, erzählt Hinz&Kunzt-Chefredakteurin Birgit Müller. „Keiner würde erkennen, dass die Träume, die hier gemalt wurden,  von Obdachlosen oder armen Menschen sind.“

„Ich war komplett begeistert von der Idee der Traumgalerie“– Hinz&Kunz-Chefredakteurin Birgit Müller

Deshalb soll sich auch jeder einbringen können: In der Rindermarkthalle können Besucher eine „Traumwolke“ mit Beiträgen auf Klebezetteln füllen. Unter #traumgalerie werden zudem auf Facebook und Instagram Träume und Bilder gesammelt. Auf einem Bildschirm  in der Traumgalerie werden die Social-Media-Posts in Echtzeit übertragen. „Die Aktion wird erst dann richtig gut, wenn alle mitmachen“, wirbt Patrick Habertag.

Kristian war es vor allem wichtig, einen Beitrag zu leisten, von dem viele etwas haben. „Ich kann nicht viel machen“, meint er. Seinen Traum beizusteuern und zur Ausstellungseröffnung zu kommen, hält er für das Mindeste. „Was ist schon eine Stunde von meiner Zeit, wenn ich Hinz&Kunzt damit helfen kann, anderen zu helfen.“

Artikel aus der Heft-Ausgabe:
Über den Autor
Annabel Trautwein
Annabel Trautwein schreibt als freie Redakteurin für Politik, Gesellschaft und Kultur bei Hinz&Kunzt - am liebsten über Menschen, die für sich und andere neue Chancen schaffen.

1 Kommentar zu “Jetzt malen Promis ihre Träume

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