Filmfest Hamburg : Jeden Tag ein besonderer Film

Das Hamburger Filmfest bietet auch dieses Jahr mehr als 140 Filme aus der ganzen Welt: aus Kanada, Mexiko oder Israel. Aus Serbien, Argentinien oder der untergegangen DDR. Spielfilme, Dokumentarfilme, Fernsehfilme, Musikfilme oder einen ukrainischen Spielfilm nur in Gebärdensprache. Gar nicht so einfach, da das richtige zu finden. Also empfiehlt Hinz&Kunzt für jeden Tag einen besonderen Film.

StilleImTraumland
Einer unserer Filmtipps: Der spanische Streifen „Stille im Traumland“. Foto: La Facultad / Weydemann Bros.

Freitag, 26.9.
„Stille im Traumland“ 

Ihr Mann ist tot, nun herrscht tiefe Stille in der Wohnung einer 84-jährigen Frau. Damit sie heil durch den Tag kommt, ist dieser genau durchgeplant: erst putzen, dann stricken, schließlich beten und dann eine Seifenoper im Fernsehen schauen. Gegen Nachmittag legt sie sich hin – und beginnt zu träumen und lebt nun in einem Haus mit Blick aufs Meer. Bis eines Tages ein streunender Hund vor ihrer Tür steht … Ein elegischer Film aus Ecuador, der auf die Magie und Kraft des Kinos setzt.

Abaton Kino, 19.15 Uhr; Wiederholung: 29.9., 3001 Kino, 21.15 Uhr. Spanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

Samstag, 27.9.
„Kurze Ecke“

Die „Kurze Ecke“ ist eine Kneipe an der Ecke Kohlhöfen/ Kurze Straße im Großneumarktviertel. Eine Eckkneipe, wie es sie immer seltener gibt. Wo Männer nach der Arbeit vorbeischauen – ohne sich vorher umzuziehen! Wo jeder jeden zu kennen scheint, wo absichtlich nicht ungewöhnliches passiert und mancher am Ende nicht nach Hause will. An diesem Abend aber ist etwas anderes: Es ist Bundestagswahl! Wer wird gewinnen, wer wird verlieren? Nebenbei wird geknobelt, um eine Packung Waschmittel, um eine ordentliche Mettwurst. Im Mittelpunkt: Helga, die Wirtin. Schön und nah berichtet vom Hamburger Dokumentarfilmer Bernd Schoch.

Metropolis Kino, 21 Uhr; Wiederholung: Sa., 4.10., Cinemaxx 2, 19.15 Uhr.

Sonntag, 28.9.
„Hallåhallå“

Disa ist eine umtriebige, zupackende Krankenschwester und Mutter zweier Kinder. Bevor sie an sich denkt, denkt sie erst mal an andere. Auch, als ihr Mann Laban sich eines Tages verabschiedet und ein neues Leben beginnt: mit einer Jüngeren. Es braucht seine Zeit, aber dann will auch Disa jemanden neues kennenlernen: einen gut gelaunten Patchworker, der diverse Kinder von diversen Frauen hat und der das Leben entsprechend locker angeht. Ein flotter, trubeliger Film von Regisseurin Maria Blom, die mit ihrer Komödie „Zurück aus Darlama“ vor zehn Jahren auch hierzulande einen Hit landete.

Passage, 18.15 Uhr; Wiederholung: Fr., 3.10, Cinemaxx 2, 19 Uhr.
Schwedische Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

Montag, 29.9.
„The Double“

Simon ist ein typischer Büroangestellter: leicht gräulich, dazu ängstlich und angepasst; einer, bestens geeignet sich vom Chef schikanieren zu lassen. Eines Morgens steigert sich sein Unbehagen noch: In seinem Büro steht ein Mann, der ihm bis aufs Haar täuschend ähnlich sieht. Nur ist James, wie sein Doppelgänger heißt, so ganz anders: gewandt und charmant, mit Glück bei den Frauen und besonders bei einer, an der Simon größtes Interesse hat. Gehalten in psychedelischen Farben, entwickelt sich ein alptraumhaftes Szenarium, das auf der düsteren Novelle „Der Doppelgänger“ von Fjodor Dostojewski basiert.

Passage, 19 Uhr; Wiederholung: Do., 2.10., Cinemaxx 3, 19.15 Uhr.
Britische Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

Dienstag, 30.9.
„A Blast“

Irgendwo in Griechenland. Ein Wald brennt. Und eine Frau ist auf der Flucht. Hat zuvor ihre drei kleinen Kinder bei ihrer Schwester abgegeben. Hat versucht die Steuerschulden ihrer Eltern irgendwie zu regeln, die sich jahrzehntelang um nichts gekümmert haben. Und nun weiß sie nicht mehr weiter, aller Hoffnungen, aber auch aller Illusionen beraubt. „A Blast“ des 36-jährigen Regisseurs Syllas Tzoumerkas erzählt in Gestalt eines Trillers von der Wut der jungen Generation Griechenlands, die vor einem Scherbenhaufen steht. Ein hochpolitischer Film, der auch zu erklären versucht, warum so viele Menschen aus der bürgerlichen Mittelschicht des Landes Zuflucht bei den Rechtsnationalisten suchen.

Abaton, 21.15 Uhr; Wiederholung: Mi., 1.10., Studio Kino, 21.15 Uhr.
Griechische Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

Mittwoch, 1.10.
„Fevers“

Gibt es irgendetwas, was der halbwüchsige Benjamin nicht hasst? Kein Wunder, wurde er doch mit 13 Jahren aus seiner Familie genommen und von einem Heim ins nächste verschoben. Nun soll er bei seinem Vater unterkommen, der sich mühsam als Lagerist durchschlägt und der selbst noch bei seinen Eltern wohnt, in einem tristen Plattenbau in irgendeiner vergessenen Hochhaussiedlung bei Paris. Alle geben sich auf ihre Weise Mühe, Benjamin wenigstens ein bisschen Halt zu geben. Doch Benjamin ist nicht so einfach zu erreichen: Rastlos streift er durch das Wohnviertel, wo er auf Claude stößt: einen durch und durch verschrobener Schriftsteller, der ganz für sich in einem Wohnwagen haust.

Passage, 21.45 Uhr; Wiederholung: Do., 2.10., Cinemaxx 2, 21 Uhr.
Französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

Donnerstag, 2.10.
„Von Mädchen und Pferden“

Alex ist 16 Jahre alt und ihr ist die Schule herzlich egal. Also schickt sie ihre Mutter für ein Praktikum auf einen Pferdehof an der nordfriesischen Küste. Doch was soll sie dort? Wo es kaum Handyempfang gibt, wo sie nicht rauchen darf und wo sie jeden Morgen um sieben Uhr aufstehen muss? Zum Glück gibt es die Pferde. Zum Glück bringt ihr Pferdehofbesitzern Nina nach und nach das Reiten bei. Und dann taucht plötzlich die gleichaltrige Kathy auf, ein scheinbar verwöhntes Mädel aus reichem Haus, dem es an nichts zu fehlen scheint. Entstanden ist ein charmanter Coming-of-Age-Film, gedreht im Rickelsbüller Koog, knapp unterhalb der deutsch-dänischen Grenze. Regie führte die Hamburger Filmemacherin Monika Treut, die auch das Drehbuch schrieb.

Metropolis, 21 Uhr; Wiederholung: Sa., 4.10., Studio Kino, 17 Uhr.

Freitag, 3.10.
„Party Girl“

Irgendwo an der deutsch-französischen Grenze. Angélique arbeitet in einem schmuddeligen Nachtclub als Bardame und lässt es regelmäßig krachen. Doch das macht sie schon seit Jahrzehnten so und langsam schwinden ihre Kräfte; lassen sich die Zweifel an dem oberflächlichen Partyleben nicht mehr länger unterdrücken. Soll sie einen ihrer langjährigen Stammgäste erhören und ihn heiraten? Soll sie es mal mit einem klassisch kleinbürgerlichen Leben probieren? Gedreht mit einer Handkamera ist „Party Girl“ ein intensiver Film, der seinen Helden sehr, sehr nahe kommt und sich nicht mit schnellen Antworten begnügt.

Passage, 19 Uhr; Wiederholung: Sa., 4.10., Abaton, 19 Uhr.
Französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

Samstag, 4.10.
„Karneval! Wir sind positiv bekloppt“

Karneval feiern ist nicht unbedingt eine hanseatische Spezialität. Umso neugieriger dürfte manch Hamburger sein: Was machen die da? Und warum? Der Dokumentarfilmer Claus Wischmann hat sich in Köln und Umgebung 365 Tage lang umgeschaut und zeigt uns nun die Menschen vor und hinter den Karnevalskulissen wie die 82-jährige Tanztrainerin Biggi oder den 13-jährigen Nachwuchsbüttenredner Tobias. Und siehe: Aschermittwoch ist keinesfalls alles vorbei! Nach Aschermittwoch geht es gleich wieder los. Denn Karneval ist auch eine logistische Meisterleistung, die ein ganzes Jahr lang vorbereitet werden will.

Metropolis Kino, 19 Uhr.

Text: Frank Keil

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