Barrierefreiheit : Hinz&Kunzt in Leichter Sprache

Marie Christen, Sascha Preiß und Friederike von Bülow von capito. Foto: Mauricio Bustamante

Das capito Netzwerk übersetzt für Hinz&Kunzt einen Beitrag pro Ausgabe in Leichte Sprache – für all jene, denen das Lesen schwer fällt.

Freitags informieren wir per Mail über die Nachrichten der Woche:

Abmeldung via Link in der Fußzeile der Mails. Infos zum Datenschutz.

Alltag kann gefährlich sein, wenn man schlecht lesen kann, gehandicapt ist oder eine andere Muttersprache hat. Denn manchmal können Infor­mationen lebenswichtig sein. Welche ­Nebenwirkungen haben Medikamente? Wie wird bei der Arbeit eine Maschine richtig bedient? Meist fehle das ­Bewusstsein dafür, dass Informationen nicht allen Menschen zugänglich sind, sagt capito-Projektleiterin Marie Christen. Mit viel Engagement arbeitet das capito-Team der Grone Netzwerk Hamburg GmbH dafür, die Welt ein bisschen verständlicher zu machen. „Davon profitieren alle“, findet die 49-Jährige.

Dafür werden bei capito Texte in eine leicht verständliche Sprache übersetzt. Die sogenannte Leichte Sprache nutzt einfache, gut bekannte Worte und kurze Sätze, die für jeden verstehbar sind. Eine etwas anspruchsvollere ­Variante ist die „Einfache Sprache“. Für Hinz&Kunzt wird capito künftig aus ­jeder Ausgabe einen Text übersetzen, den man dann auf der Homepage in Leichter Sprache nachlesen kann.

Kommunikation und Information barrierefrei zu machen, ist das Ziel der Arbeit. „Nur die Schrift größer zu machen oder lauter zu sprechen, reicht dafür nicht“, sagt Übersetzerin Friederike von Bülow. Bei capito haben diejenigen das letzte Wort, die betroffen sind. Wenn die Übersetzer:innen die Texte bearbeitet haben, kommen Prüfgruppen zum Zug. Sie setzen sich aus Menschen mit Lernschwierigkeiten und Migrant:innen oder Geflüchteten zusammen. „Ohne sie geht es nicht“, sagt Marie Christen, und Friederike von Bülow ergänzt: „Für uns ist es spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Teilnehmenden Texte bewerten.“

Für öffentliche Stellen sei es bereits verpflichtend, barrierefrei zu kommunizieren. „Meist ist die Umsetzung jedoch oberflächlich“, findet Friederike von Bülow. Doch auch wenn die Mitarbei­ter:innen in Behörden wissen, dass Standardformulare nur schwer verständlich sind,  dürfen sie nicht einfach geändert werden, denn dann sind sie nicht mehr rechtsverbindlich – ein großes Problem für beide Seiten. „Dabei löst Behördenpost allein schon oft Ängste aus“, weiß Marie Christen – umso schlimmer, wenn Menschen nicht verstehen können, was darinsteht.

Friederike von Bülow bietet wie ihr Kollege Sascha Preiß (45) auch Fortbildungen in Leichter Sprache an. „In den Köpfen muss sich etwas ändern“, findet die 59-Jährige. „Oft genug herrscht noch die Vorstellung, das sei die Sprache für Bekloppte.“ Marie Christen nickt: „Es fehlt oft die Sensibilität für die Notwendigkeit und für den Bedarf.“

Für die capito-Mitarbeiter:innen gibt es auch in anderen Feldern viel zu tun. Denn neben sprachlichen Barrieren gibt es im Internet auch technische Barrieren, die den Zugang zu Informationen erschweren. Dies betrifft zum Beispiel hör- oder sehgeschädigte ­Menschen, aber auch diejenigen, die sich mit zunehmendem Alter mit digitalen Medien schwertun. Bei Unter­nehmen müsse man das Bewusstsein für diese alltäglichen Barrieren erst ­wecken, „aber immer diplomatisch!“

Autor:in

Weitere Artikel zum Thema