Vortragsreihe : Hier können Sie viel über Obdachlosigkeit lernen

Das Hauptgebäude der Universität. Foto: UHH/Schell

Am Dienstag beginnt an der Hamburger Universität die Vortragsreihe „Hamburg für alle – aber wie?“. In elf Veranstaltungen werden unterschiedliche Aspekte von Obdachlosigkeit betrachtet. Eingeladen sind alle – nicht nur Studierende.

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Der Uni-Campus ist ein Ort, an dem man nicht auffällt: Unter die mehr als 40.000 Studierenden mischen sich Tag für Tag auch viele Menschen, die keine Wohnung haben. Sie wärmen sich in den Unigebäuden, lesen Bücher und Zeitungen in den Bibliotheken, waschen sich in den Toiletten. „Es gibt hier viel verdeckte Wohnungs- und Obdachlosigkeit“, sagt die Sozialwissenschaftlerin Cornelia Springer und ergänzt: „Da sind auch Studierende nicht ausgenommen.“

Springer organisiert die Vortragsreihe „Hamburg für alle – aber wie?“, die am Dienstagabend beginnt. Thema der ersten Diskussion: Obdachlose auf dem Campus. „Wir wollen die Frage stellen, welche Verantwortung die Universität als öffentlicher Ort trägt“, sagt Springer im Gespräch mit Hinz&Kunzt. Bislang würden die Obdachlosen meist auf dem Campus geduldet, mehr aber auch nicht. Müsste die Universität mehr tun? Darüber diskutieren Fachleute aus der Wohnungslosenarbeit zusammen mit zwei Wissenschaftlern und einem Obdachlosen ab 18 Uhr im Gebäude ESA Ost der Universität, Raum 221.

Bis Ende Januar haben Studierende und andere Interessierte die Möglichkeit, sich über zahlreiche Aspekte von Wohnungslosigkeit zu informieren. „Wir wollen einen Diskurs mit der Zivilgesellschaft, nicht nur über sie“, erklärt Springer das Konzept: Als Zuhörer eingeladen sind ausdrücklich auch Menschen, die sonst keine Möglichkeit haben, eine Universität zu besuchen.

„Wir haben Leute eingeladen, die normalerweise nicht im Hörsaal vorne stehen.“– Cornelia Springer

Gibt es bald Wohncontainer auf dem Uni-Campus?

Auch die Vortragenden sind für eine Vorlesungsreihe eher ungewöhnlich: „Wir haben Leute eingeladen, die normalerweise nicht im Hörsaal vorne stehen“, sagt Springer. Viele Praktiker werden aus ihrer Arbeit berichten: Zum Beispiel wird am 10. Dezember der Leiter der Krankenstube für Obdachlose, Torsten Eikmeier, über das Thema Armut und Gesundheit sprechen. Andreas Thiel von der Sozialbehörde wird am 7. Januar vortragen, welche Konsequenzen die Stadt aus der Wohnungslosenbefragung zieht. Und die Leiterin des Winternotprogramms für Obdachlose, Kathrin Wollberg, berichtet am 14. Januar von ihrer Arbeit. Das komplette Programm finden Sie hier.

Aus der Vortragsreihe soll aber auch ganz praktische Hilfe erwachsen: Zusammen mit Andrea Hniopek vom Caritasverband plant Cornelia Springer, auf dem Campus der Universität Wohncontainer für Obdachlose aufzustellen. „Ich hätte Studierende in den Startlöchern, die mitwirken würden“, sagt Hniopek, die bereits ein ähnliches Projekt auf dem Gelände der Hochschule für angewandte Wissenschaften betreut. Ein entsprechender Antrag bei der Uni sei gestellt, jedoch bislang unbeantwortet geblieben, sagt Springer: „Aber praktisch wäre das ab morgen möglich.“

Über den Autor
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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