Landgericht : Freispruch für 37-jährigen Obdachlosen

Das Strafjustizgebäude des Hamburger Landgerichts. Foto: BELA

Im Prozess um die Tötung des Obdachlosen Mariusz ist der Angeklagte am Montag freigesprochen worden. Das Gericht habe seine „Täterschaft nicht mit hinreichender Sicherheit“ feststellen können, sagte eine Sprecherin gegenüber Hinz&Kunzt.

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Der 37-jährige Mann, der ebenfalls obdachlos ist, war im Frühjahr Bettnachbar des Opfers im Winternotprogramm in der Friesenstraße gewesen. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, in einem Supermarkt ein Küchenmesser gestohlen und Mariusz damit an Ostern nahe der Amsinckstraße mit mindestens sieben Stichen getötet zu haben. Zentrales Indiz: Auf der Verpackung des Messers, die die Ermittler*innen in der Nähe des Tatorts fanden, befanden sich Fingerabdrücke sowie DNA-Spuren von ihm.

Der Angeklagte hatte den Diebstahl in der Verhandlung vor dem Landgericht zwar eingeräumt, die Tötung aber bestritten. Das Messer sei ihm zuvor aus dem Schrank im Winternotprogramm gestohlen worden. „Eigentlich hätte das Messer jeder nehmen können, der in dieser Unterkunft war“, hatte sein Anwalt aus einer Erklärung verlesen. Um die Aussage zu prüfen, hatte das Gericht die Messerverpackung erneut auf Spuren von möglichen Dritten untersuchen lassen – allerdings ohne Erfolg: Weitere Spuren wurden nicht gefunden.

Dennoch erging nun der Freispruch. Es sei nicht auszuschließen, dass ihm die Tatwaffe im Winternotprogramm gestohlen wurde, erläuterte die Sprecherin die Beweggründe des Gerichts. Dazu passe auch, dass er sich nach der Tat weiterhin im Winternotprogramm aufgehalten habe und nicht etwa geflohen sei. Seit seiner Verhaftung im Mai hatte der Beschuldigte in Untersuchungshaft gesessen.

Autor:in
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD Digitales.