Petitionsübergabe : Familienministerin findet Hotelzimmer für Straßenkinder „sinnvoll“

Linus und Ronja übergeben die Petition an Ministerin Giffey digital. Foto: change.org

Fast 11.000 Unterschriften hat der Verein Momo für die Forderung gesammelt, Straßenkinder in Hotelzimmern unterzubringen. Familienministerin Giffey (SPD) nimmt sie digital entgegen – und ist nicht abgeneigt.

Die Petitionsübergabe fand digital statt: Ronja und Linus, beide selbst obdachlos gewesen, reichen Familienministerin Franziska Giffey die Tafel durch den Bildschirm – symbolisch natürlich. Die SPD-Politikerin ist per Videokonferenz zur diesjährigen Bundeskonferenz der Straßenkinder zugeschaltet. Und der Forderung, Straßenkinder zum Schutz vor einer Corona-Infektion und vor sexuellem Missbrauch in Hotels unterzubringen, kann sie sogar etwas abgewinnen: „Ich finde den Ansatz absolut nachvollziehbar und auch sinnvoll“, sagt Giffey.

Jedenfalls für eine „überschaubare Zeit“, schiebt die Ministerin nach. Denn in Hotels würde es keine sozialpädagogische Betreuung der Kinder und Jugendlichen geben. „Das ist dann nur eine Notunterbringung und kann nicht unsere langfristige Antwort sein. Aber es wäre natürlich für eine Akutlage, die jetzt ist, auch ein gangbarer Weg.“

„Das wäre eine Win-Win-Situation für die Jugendlichen und die Herbergenbetreiber.“

Für den Petitionsinitiator Linus wäre eine Hotelunterbringung mehr als eine Notlösung, sondern auch eine Gelegenheit, das Prinzip Housing First einzuführen. „Für die Jugendlichen ist es die Möglichkeit, von dem stressigen Leben auf der Straße wegzukommen und auch erst mal empfänglich für Hilfen zu werden, die weiter gehen und auf das Leben danach vorbereiten“, erklärt er Giffey. „Das wäre eine Win-Win-Situation für die Jugendlichen und die Herbergenbetreiber.“

Giffey kündigt an, die Petition in der kommenden Woche auf der Jugend- und Familienministerkonferenz mit ihren Länderkolleg*innen zu besprechen. Der Verein Momo, der die Petition ins Leben gerufen hat, geht von 20.000 Kindern und Jugendlichen aus, die in Deutschland auf der Straße leben.

In Hamburg sind seit einigen Wochen 150 Obdachlose auf private Initiative in Hotels untergebracht. Dort werden sie auch von Sozialarbeiter*innen betreut – die das Projekt bislang als großen Erfolg sehen.

Zur Petition

Obdachlose im Hotel
„Ein bisschen wie bei Freunden“
Dank einer großzügigen Spende der Firma Reemtsma Cigarettenfabriken konnten Hinz&Kunzt, die Alimaus und die Diakonie Obdachlose in Hotelzimmern unterbringen. Wir haben die Hotelgäste im Bedpark im Schanzenviertel besucht.
Autor*in
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD Digitales.

Diskutieren Sie mit uns!

Wenn Sie mit uns diskutieren wollen, besuchen Sie uns auf unserer Facebook-Seite oder schicken Sie uns einen Leserbrief an redaktion@hinzundkunzt.de.