Nico Semsrott : Europas letzte Hoffnung

Die Kapuze ist das Markenzeichen von Semsrott. Ohne sie würde er sich im Parlament ausgeliefert fühlen, sagt er. Foto: European Union 2019 - Source: EP

Ist das noch Satire oder schon Politik? Der Hamburger Nico Semsrott macht einfach beides gleichzeitig. Seit einem Jahr sitzt er als Abgeordneter für „Die PARTEI“ im Europaparlament – und interessiert auf seinen  Social-Media-Kanälen Hunderttausende für sperrige Themen. Jetzt plant er sogar eine Late-Night-Show.

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Wie man mit Satire Politik macht, wusste Nico Semsrott schon 2005: Als die Schulleitung des Hamburger Sophie-Barat-Gymnasiums seine Schülerzeitung verboten hatte, wollte der junge Redakteur das nicht auf sich sitzen lassen. Kurzerhand wandelte der 19-Jährige ein Dixi-Klo vor der Schule zum Zeitungskiosk um. Aufschrift: „Schülerzeitungsverbot? Da scheiß ich drauf!“ Von Hinz&Kunzt bis Spiegel Online berichten damals viele Medien über den „Kampf um die Pressefreiheit“ an der katholischen Privatschule, auch die Bürgerschaft befasst sich damit. „Ich hatte auch Angst, dass ich von der Schule fliege, aber es hat irre viel Spaß gemacht!“, erinnert sich Semsrott.

15 Jahre später sitzt er im Europäischen Parlament in Brüssel und hält ein goldenes Schild mit der Aufschrift „Strasbourg“ in die Höhe. Als Europaabgeordneter fordert er die Umbenennung des Sitzungssaals, damit die Parlamentarier*innen nicht mehr zwölfmal im Jahr in die französische Stadt reisen müssen, wie es die EU-Regularien vorschreiben, sondern einfach im gleichnamigen Raum tagen könnten. Eine der vielen Absurditäten, um die in der EU seit Jahrzehnten Mitgliedsstaaten und Parlamentarier*innen streiten: „The second seat is a waste of money“, erklärt Semsrott. Mehr als eine halbe Milliarde Euro würde das Hin- und Herreisen pro Legislaturperiode kosten, jährlich 20.000 Tonnen CO2 verursachen. „Möge diese Sitzung der historische Moment sein, in dem das Europäische Parlament endlich aufbegehrt und die Kontrolle über sein Schicksal übernimmt!“, fordert Semsrott auf Englisch. Dazu hebt er die linke Faust.

Weiterlesen:

Wenn Sie das Porträt über Nico Semsrott weiterlesen wollen, besorgen Sie sich eine Juli-Ausgabe des Hamburger Straßenmagazins Hinz&Kunzt. Darin erfahren Sie, was Semsrott unbedingt am Europäischen Parlament ändern will und wieso er gerade an einer Late-Night-Show arbeitet.

Außerdem im Magazin: Wie es mit 170 Obdachlosen nach dem Ende des Hotelprojekts weitergeht, wieso konventionelle Landwirte Blumenwiesen für Insekten anlegen und wie der Social-TV-Sender One Hamburg quasi aus dem Nichts entstand. Zum Inhalt.

Artikel aus der Heft-Ausgabe:
Autor*in
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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