Benefiz : Digitales Wohnzimmerkonzert für Hinz&Kunzt

Sven Knigge und Julia Jungclaus-Knigge in ihrem Wohnzimmer. Foto: Miguel Ferraz

Kann ein Wohnzimmerkonzert auch per Videoschalte funktionieren? Die Gäste von Sven Knigge und Julia Jungclaus-Knigge waren begeistert – und haben Geld für Hinz&Kunzt gespendet.

Freitags informieren wir per Mail über die Nachrichten der Woche:

Abmeldung via Link in der Fußzeile der Mails. Infos zum Datenschutz.

Endlich mal wieder richtig feiern, ausgehen, tanzen, gemeinsam Party machen: Nach zwei langen Jahren Pandemie war die Sehnsucht nach Normalität bei Sven und Julia riesig. „Zu Geburtstagen oder Weihnachten schenken wir uns immer gemeinsame Unternehmungen“, sagt der 42-Jährige. Mittlerweile stapelten sich die Event-Gutscheine und Tickets für Konzerte, die dann doch nicht stattfinden konnten. Die Stimmung war im Keller.

Rettung kam in Form einer Einladung von Julias Arbeitgeber zu einem Online-Konzert des Singer-Songwriters Johannes Kieper. „Ein echtes Highlight! Weil wir uns alle kannten, funktionierte die Interaktion untereinander richtig gut. Die Musik war toll, alle hatten Spaß, die Kinder haben auf den Tischen getanzt“, erzählen die beiden. Bei Sven wuchs nach diesem Abend die Idee, Julia zu Weihnachten ein solches Konzert zu schenken, „mit allem Drum und Dran“.

Als erstes kontaktierte er den Musiker Johannes Kieper, dessen Musik den beiden beim Online-Konzert so gut gefallen hatte, und engagierte ihn für sein eigenes Online-Wohnzimmerkonzert. Dann stellte er eine Gästeliste mit 50 Haushalten zusammen, entwarf und druckte durchnummerierte Tickets („Julia bekam natürlich die Nummer 1!“) und schrieb alle Eingeladenen persönlich an. Die Idee kam sehr gut an. „Wir haben einen globalisierten Freundeskreis, bis in die USA und Australien – da können sonst nie alle dabei sein“, sagt Julia. „Aber online schon!“

Schon zu seinem 40. Geburtstag hatte Sven anstelle von Geschenken um Spenden für die Tagesaufenthaltsstätte Alimaus gebeten. Das Thema Obdachlosigkeit beschäftigt ihn. „Es wird immer schlimmer, und die Stadt geht es einfach nicht an. Das ärgert mich.“ Julia fragt sich, wieso es erst durch Corona möglich wurde, dass Hilfe für Obdachlose in größerem Umfang umgesetzt wurde: „Wa­rum geht das sonst nicht?“ Mit dem Wohnzimmerkonzert wollten die beiden deshalb diesmal für Hinz&Kunzt sammeln.

68 internationale Gäste waren schließlich zugeschaltet, um Julias Konzert vom heimischen Sofa aus mitzufeiern. Johannes Kieper spielte in seinem eigenen Wohnzimmer, „mit tollem Equipment für den richtigen Sound“, sagt Sven bewundernd und Julia ergänzt ­lachend: „Ein rüschiges Sofa hat er auch hingestellt, sehr gemütlich!“

Es wurde ein denkwürdiger Abend. „Livemusik gibt Energie“, findet Julia, und so tobten Kinder und Erwachsene über Sofas, es wurde gelacht, gesungen und mit Diskobeleuchtung getanzt. „Wir haben so lange mit Corona gekämpft, alle sind so müde und haben eigentlich keinen Bock mehr auf Videocalls“, sagt Sven. „Aber der Funke ist übergesprungen, die digitale Gemeinschaft hat funktioniert.“ Und für Hinz&Kunzt sind mehr als 800 Euro zusammengekommen.

Artikel aus der Ausgabe:

Wie geht Frieden?

Schwerpunkt über Pazifismus in Kriegszeiten, Obdachlosenhilfe im Kriegsgebiet und Kriegsdienstverweigerung in der Ukraine. Außerdem: Arbeit mit Problemhunden, das Ende des Winternotprogramms und bildende Kunst von Erwin Wurm.

Ausgabe ansehen
Autor:in