Winternotprogramm : Großunterkünfte sind ein Gesundheitsrisiko

Im Frühjahr waren 170 Hamburger Obdachlose auf private Initiative in Hotels untergebracht. Die Sozialbehörde lehnt das nach wie vor ab. Foto: Mauricio Bustamante

Großunterkünfte für Obdachlose können in Pandemiezeiten keine Lösung sein, kritisiert Hinz&Kunzt und fordert erneut eine Hotelunterbringung. Doch die Sozialbehörde lehnt weiter ab – obwohl Hotels im November die Gäste fehlen.

Freitags informieren wir per Mail über die Nachrichten der Woche:

Abmeldung via Link in der Fußzeile der Mails. Infos zum Datenschutz.

Angesichts des Lockdowns kritisiert Hinz&Kunzt, dass Hamburg auch in diesem Winter Obdachlose in Großunterkünften unterbringen will. „Die Sozialbehörde setzt die Gesundheit von Obdachlosen aufs Spiel“, beklagt Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer. „Obwohl sie zur Corona-Risikogruppe gehören, werden sie auch im Winternotprogramm nicht ausreichend geschützt.“ Zusätzlich zu den Standorten in der Friesen- und Kollaustraße mit jeweils hunderten Plätzen soll in diesem Jahr eine weitere Unterkunft in Niendorf mit 250 Plätzen die Lage im Winternotprogramm entzerren.

„Das wäre sogar eine Win-win-Situation.“– Stephan Karrenbauer

Das reicht nicht, findet Hinz&Kunzt. „Nach wie vor setzt die Behörde auf Großunterkünfte und Mehrbettzimmer für Menschen, die sich gar nicht kennen“, beklagt Karrenbauer. Stattdessen müsse die Behörde Einzelzimmer für die Pandemiezeit anbieten, meint er. „Man könnte beispielsweise wieder Hotels in großem Stil anmieten. Das wäre sogar eine Win-win-Situation, weil viele Hotels wegen der Coronakrise leerstehen und schon Erfahrung mit der Unterbringung von Obdachlosen haben.“ Schließlich konnten durch eine Großspende im Frühjahr 170 Obdachlose in Hamburger Hotels untergebracht werden.

Trotz Lockdown lehnt die Sozialbehörde Hotelunterbringungen ab

Die ablehnende Haltung dieses Vorschlags durch die Sozialbehörde hat sich auch angesichts des nun geltenden Lockdowns nicht geändert. Die zuständige Senatorin Melanie Leonhard (SPD) lehnte es auf Nachfrage von Hinz&Kunzt am Freitag erneut ab, Obdachlose in Hotels unterzubringen. Und das, obwohl das Infektionsrisiko in Gemeinschaftsunterkünften durch die gestiegenen Zahlen zugenommen hat und Hotels im November keine Zimmer zu touristischen Zwecken mehr vermieten dürfen.

Nicht alle Obdachlosen erhalten ein Bett im Winternotprogramm
Trotz Lockdown
Nicht alle Obdachlosen erhalten ein Bett im Winternotprogramm
Trotz Coronalockdown will die Stadt Hamburg in den kommenden Wochen Obdachlose von den Notschlafstätten abweisen. Sie müssen in der „Wärmestube“ auf dem Boden schlafen – angeblich mit 1,50 m Abstand.

„Wir streben wieder eine lockere Belegung in Zwei- und Dreibettzimmern an“, sagte Leonhard bei der Präsentation der Lockdown-Verordnung im Rathaus. Während des Notunterbringungs- und Versorgungsprogramms, wie die Fortsetzung des Winternotprogramms im Coronasommer hieß, habe die Stadt damit gute Erfahrungen gemacht. Dort gelinge es, die Menschen gut zu versorgen sowie medizinisch und gegebenenfalls pflegerisch zu betreuen. Lediglich für „besondere Zielgruppen“ sei eine Unterbringung in Hotels möglich. „Grundsätzlich würden wir bei dieser Form der Unterbringung mit engmaschiger Beratung und Betreuung bleiben.“

Autor*in
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD Digitales.

Diskutieren Sie mit uns!

Wenn Sie mit uns diskutieren wollen, besuchen Sie uns auf unserer Facebook-Seite oder schicken Sie uns einen Leserbrief an redaktion@hinzundkunzt.de.