Kersten-Miles-Brücke : Die Obdachlosen sind weg

Nach dem Brand unter der Kersten-Miles-Brücke haben die Reparaturen begonnen. Die Arbeiten werden einige Wochen andauern. Die Obdachlosen, die vorübergehend auf der gegenüberliegende Straßenseite lebten, sind inzwischen weitergezogen.

KerstenMilesBrücke
Nach dem Brand bedeckt Ruß das Mauerwerk der Kersten-Miles-Brücke.

Wer sich derzeit der Kersten-Miles-Brücke auf St. Pauli nähert, hört schon von weitem den Lärm der Hochdruckreiniger. Baugerüste und Kunststoffplanen hüllen die Hälfte des Bauwerks ein.

Dort, wo seit Jahren Obdachlose nächtigen, hatte Anfang März ein Brand nicht nur große Teile des Rotklinkers mit Ruß bedeckt, sondern zusätzlich Teile des Mauerwerks beschädigt. „Die Arbeiten können noch andauern“, heißt es von Seiten der Baustellenleitung. Erst einmal müssten Proben ausgewertet und Schäden begutachtet werden.

In der Nacht auf den 4. März war unter der Brücke ein großer Brand ausgebrochen. Nach Angaben der Polizei hatte eine Obdachlose das Feuer ausgelöst. Sie soll Kleidung ans Lagerfeuer gehängt haben. Von dort sei das Feuer auf weitere Gegenstände übergegriffen.

Ioan, der zusammen mit drei anderen Obdachlosen unter der Brücke wohnte, erzählte uns wenige Tage nach dem Brand: „Ich bin aufgewacht, da brannte das Feuer bereits. Ich habe keine Ahnung, wie es dazu kam.“ Für den gebürtigen Rumänen war der Brand eine große Katastrophe. Er hat Geld, Kleidung und seine Papiere verloren. Unter die Kersten-Miles-Brücke wird er so schnell nicht wieder zurückkehren. Die Baustellenleitung hat dort die letzten verkohlten Gegenstände wegschaffen lassen. Während der Bauarbeiten darf dort niemand nächtigen.

Das Bezirksamt macht deutlich, dass Lagerfeuer in Zukunft nicht mehr geduldet werden. „Wir werden dort nicht wieder einen Zaun aufstellen lassen. Aber es muss gewährleistet sein, dass keine Gefahr durch offene Feuer entstehen kann“, sagt Norman Cordes, Sprecher des Bezirksamtes Mitte.

Hinz&Kunzt würde ein klares Regelwerk befürworten. „Dafür haben wir uns bereits vor anderthalb Jahren stark gemacht“, sagt Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer. Im September 2011 hatte der damalige Bezirksamtsleiter Markus Schreiber überraschend einen Zaun errichten lassen. Nach lautstarkem Protest wurde der Zaun zügig wieder abgebaut. In den damaligen Verhandlungen sollte die Sauberkeit unter der Brücke verbessert werden. Ein Toilettenhäuschen wurde aufgestellt. Allerdings wird weiterhin ungefragt Sperrmüll unter der Brücke abgeladen. „Die Kommunikation mit den Obdachlosen ist verbesserungsbedürftig. Wichtig ist, dass es künftig feste Ansprechperson für die Obdachlosen gibt“, sagt Karrenbauer.

Text und Bild: JOF

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