Sighard Neckel schreibt in seiner Kolumne, warum das „Recht auf Reparatur“ gestärkt gehört.
Im Frühjahr 1926 flieht der marxistische Nationalökonom Alfred Sohn-Rethel aus dem grauen Berlin in die Sonne Neapels, wo er auf seinen Streifzügen durch die Stadt mit zunehmender Neugier das eigensinnige Alltagsleben der Neapolitaner studiert. Besonders fasziniert ihn der listige Umgang mit der Technik, den er hier beobachten kann. Das perfekte Funktionieren, sei es einer Maschine oder von Motorrädern, lasse die Neapolitaner vollkommen kalt. Im Gegenteil scheine alles, was schon von sich aus einwandfrei klappt, geradezu unheimlich zu sein. Eine höhere Macht der Dinge will in Neapel kaum jemand akzeptieren, weshalb allein das Geschick, mit der man die Tücken eines Objekts überwindet, allgemeine Bewunderung findet. Sohn-Rethel nennt dies das „Ideal des Kaputten“: Alles, was nicht (mehr) intakt ist, wird mit Improvisationskunst wieder zum Laufen gebracht. Statt in Ehrfurcht vor der Technik zu erstarren, wird der persönliche Stolz gerade darin gesehen, ihr ein Schnippchen zu schlagen.
Heute ist unser Alltag von solchen italienischen Momenten weit entfernt. A...
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