20 Jahre Hinz&Kunzt

„Willen braucht man…“

Judith Rakers, Tim Mälzer, Michael Otto – und Helmut Schmidt machen mit bei der großen Gratulationskampagne zum 20. Geburtstag von Hinz&Kunzt. Mit Helmut Schmidt hatte Hinz&Kunzt-Geschäftsführer Jens Ade ein denkwürdiges Zusammentreffen.

(aus Hinz&Kunzt 240/Februar 2013)

Meldungen: Arbeitsmarktpolitik, Politik und Soziales

Hamburg: weniger Ein-Euro-Jobs, seltener Lohnkostenzuschüsse
Das Jobcenter will die Zahl der Ein-Euro-Jobs auf gut 3000 absenken. Zudem kündigte die Behörde an, verstärkt Langzeitarbeitslose auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzubringen. Bis zu 500 Betroffene könnten 2013 vom Programm „Förderung von Arbeitsverhältnissen“ (FAV) profitieren, so Geschäftsführer Friedhelm Siepe. FAV ist der Nachfolger des Beschäftigungszuschusses, von dem jährlich bis zu 890 Hilfeempfänger (2010) profitierten. Beim FAV kann das Amt zwei Jahre lang bis zu 75 Prozent der Lohnkosten übernehmen. Eine Verlängerung ist nicht mehr möglich. Wohlfahrtsverbände fordern dauerhafte öffentlich geförderte Jobs für Menschen, die keine Chance auf reguläre Arbeit haben. BELA/UJO

Klagen gegen Jobcenter: seltener, oft Recht
4014 Klagen und Eilverfahren gegen Bescheide des Jobcenters hat das Hamburger Sozialgericht vergangenes Jahr entgegengenommen – gegenüber 4393 in 2011. Auch bundesweit sank die Zahl der Verfahren um rund zehn Prozent auf 120.000, so die Bundesagentur für Arbeit. Bemerkenswert ist die weiterhin hohe Zahl falscher Behördenentscheidungen: Gut jede zweite Klage gegen ein Jobcenter halten Sozialgerichte für ganz oder teilweise berechtigt. In Hamburg liegt die Quote bei rund 35 Prozent. UJO

Jobcenter in Rheinland-Pfalz „verlost“ Langzeitarbeitslose
Wenn es um die Steigerung ihrer Vermittlungsquoten geht, fallen in manchen Jobcentern alle Schamgrenzen. Im rheinland-pfälzischen Bendorf wurden Langzeitarbeitslose über 50 Jahre auf einem Weihnachtsmarkt an Firmen „verlost“. Das bedeutet: Sie mussten dort Fußböden schrubben oder Lager aufräumen – für lau. Der Deutsche Gewerkschaftsbund sprach von einer „menschenverachtenden und entwürdigenden Aktion“. Das Jobcenter verwies darauf, dass ein Betroffener einen Praktikumsplatz ergattert habe. UJO

EU fordert Jobgarantie für Jugendliche
Jedem Jugendlichen soll spätestens vier Monate nach Schulabschluss ein Ausbildungs- oder Arbeitsplatz oder mindestens eine Weiterbildung angeboten werden. Dieser Forderung der Europäischen Kommission hat sich das Europaparlament angeschlossen. Widerstand kommt vor allem von Regierungen der überschuldeten Krisenländer: Sie fürchten eine einklagbare Jobgarantie. EU-weit ist fast jeder vierte Jugendliche arbeitslos. UJO

Kinder- und Jugendarbeit: Erstes Spielhaus schließt
Nach dem Wegfall der Unterstützung aus dem Bezirk wird das Deutsche Rote Kreuz das Spielhaus „Blaue Welle“ in Allermöhe zum 1. April schließen. Die Mitarbeiter werden auf andere Einrichtungen verteilt. Trotz steigender Steuereinnahmen in 2012 beschloss die Bürgerschaft im Dezember Kürzungen in Höhe von 3,5 Millionen Euro im Bereich der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Damit stehen den Bezirken zehn Prozent weniger Mittel zur Verfügung. In der abschließenden Haushaltsdebatte versprach Sozialsenator Detlef Scheele (SPD), dass es „so gut wie keine Schließungen“ geben werde. Viele Häuser hoffen auf den mit drei Millionen Euro neu ausgestatteten Quartiersfonds. Die „Blaue Welle“ wird sich jedoch nicht mehr retten können. JOF

Hamburger Mindestlohn gebremst
Die Einführung eines Mindestlohns in Hamburg verzögert sich. Auf Betreiben der Opposition beschloss der Sozialausschuss eine öffentliche Anhörung. Damit wird das Gesetz nicht vor Frühjahr in Kraft treten können. Nach dem Willen der SPD soll jeder Beschäftigte, der direkt oder indirekt für die Stadt arbeitet, mindestens 8,50 Euro die Stunde verdienen. CDU und FDP glauben, das Gesetz könne mit dem Europarecht kollidieren, Grüne und Linkspartei fordern Nachbesserungen wie etwa eine unabhängige Überwachungskommission. UJO

Österreich: Gericht hebt Bettelverbot auf
Der Verfassungsgerichtshof Österreich hat das generelle Bettelverbot in der Steiermark aufgehoben. Das Verbot war im Frühjahr 2011 beschlossen worden. Damals wurde in den Medien über „organisierte Roma-Bettler-Banden“ diskutiert. „Die Staatsanwaltschaft hat ein halbes Jahr lang die Situation beobachten lassen und keine Hinweise auf Banden gefunden“, so Pfarrer Wolfgang Pucher, der gegen das Bettelverbot mobilgemacht hatte (vgl. H&K 218). Das Gericht begründete seine Entscheidung jetzt mit einem Verweis auf die Menschenrechtskonvention. Das Recht, auf der Straße zu betteln, könne den Menschen nicht abgesprochen werden. Pucher begrüßt das Urteil: „In Österreich galten die Menschenrechte in den letzten Jahren nicht mehr für alle Menschen. Damit ist endlich Schluss.“ Infolge des Urteils tritt ein altes Gesetz
in Kraft, nach dem „aggressives Betteln“ verboten ist. JOF

EU-Sozialkommissar fordert europäische Arbeitslosenversicherung
Die Europäische Union denkt über die Einführung einer europäischen Arbeitslosenversicherung nach. Es habe sich gezeigt, dass die nationalen Sozialversicherungssysteme mit Krisen wie der aktuellen überfordert seien, so EU-Sozialkommissar Laszlo Andor. Die Bundesregierung lehnt die Idee ab und will allenfalls einen Topf einrichten, um Krisenländern bei Strukturreformen zu helfen. UJO

SPD zögert bei Mietengrenze
Die Hamburger SPD lässt sich bei der Begrenzung von Mietsteigerungen Zeit. Nach der Mietrechtsreform der Bundesregierung, die voraussichtlich im Frühjahr in Kraft tritt, könnte sie Mieterhöhungen auf höchstens 15 Prozent in drei Jahren begrenzen lassen. Allerdings will die SPD in Hamburg zuvor mögliche Folgen für den Wohnungsmarkt prüfen und mit der Wohnungswirtschaft sprechen. Die Opposition fordert, die Änderung unmittelbar umzusetzen. Nach bisheriger Rechtslage kann ein Vermieter die Miete in drei Jahren um höchstens 20 Prozent erhöhen. Mieterschützer fordern vor allem eine Begrenzung von Neuvermietungsmieten. BELA

Studie: Kein Mangel an Wohnraum
In Hamburg ist ausreichend Wohnraum vorhanden. Das behauptet eine Studie des Immobilienverbands Nord. Trotz steigender Mieten sei die Zahl der Neuvermietungen hoch geblieben. Anwalt Marc Meyer von Mieter helfen Mietern kann dieser Analyse nicht folgen: „Die Aussagen des Verbandes sind von Eigeninteresse geleitet. Makler profitieren von zahlreichen Umzügen. Neue Mietverträge befördern den Mietenwahnsinn in der Stadt.“ JOF

Wohnungsbau verzögert sich
Der Bau von 1900 Wohnungen in Altona verzögert sich weiter. Die Bahn AG hat ihre Entscheidung über die Verlegung des Fernbahnhofs nach Diebsteich auf Ende dieses Jahres verschoben. Bis dahin soll ein Gutachten die Kosten der Verlegung klären. Im Juli hatte der Konzern das Ergebnis für Ende 2012 versprochen. Insgesamt sollen in der Neuen Mitte Altona 3500 Wohnungen entstehen. BELA

Viele Baugenehmigungen – auch mehr Neubau?
Die Zahl der Baugenehmigungen in Hamburg ist vergangenes Jahr deutlich angestiegen. Wie die Stadtentwicklungsbehörde mitteilte, genehmigten die Bezirke den Bau von 8731 Wohnungen. Wie viele Wohnungen 2012 tatsächlich errichtet worden sind, wird das Statistikamt Nord erst im Frühjahr bekanntgeben. Schätzungen zufolge sind es 4500 bis 4800. Zum Vergleich: 2011 erteilten die Bezirke 6811 Genehmigungen, bezugsfertig wurden 3729 Wohnungen. Der soziale Wohnungsbau bewegt sich auf gleichbleibendem Niveau. Laut Behörde förderte die Wohnungsbaukreditanstalt vergangenes Jahr den Bau von 2120 Sozialwohnungen. Das dramatische Abschmelzen des Bestands an preiswertem Wohnraum verhindert das nicht: Allein 2012 und 2013 fallen insgesamt 13.234 Sozialwohnungen aus der Mietpreisbindung. UJO

St. Pauli

Kleine Freiheiten in der Kleinen Freiheit

Der Stadtteil St. Pauli gilt als Paradebeispiel für die Vertreibung der angestammten Bewohner. Doch in einer Seitenstraße leben junge Kreative und alteingesessene Handwerker gut nebeneinander. Fotografin Tanja Birkner hat sich umgeschaut.

(aus Hinz&Kunzt 240/Februar 2013)

Hauptsache: billig

In Pakistans größter Stadt Karatschi starben 289 Menschen bei einem Brand in einer Textilfabrik. Mitverantwortung am Unglück trägt der Klamottenladen KiK, der dort seine Jeans nähen ließ. Ein Bericht von NDR-Reporter Christoph Lütgert.

(aus Hinz&Kunzt 240/Februar 240)

Strafvollzug als Sparvollzug

Die Verlegung des Frauenstrafvollzugs von Hahnöfersand ins hochgesicherte Billwerder ist fachlich falsch. Und sie bedeutet den Abschied von einem ambitionierten Strafvollzug. Ein Kommentar von Chefredakteurin Birgit Müller

(aus Hinz&Kunzt 240/Februar 2013)

Obdachlose in Hamburg

Kampf mit der Kälte

Als im Januar ein vermutlich Obdachloser auf St. Pauli stirbt, liegen die Temperaturen rund um die Uhr unter dem Gefrierpunkt. Die Notunterkünfte sind überfüllt. Tagsüber müssen die Menschen in die Kälte. Viele sind krank.

(aus Hinz&Kunzt 240/Februar 2013)

Jede Menge Ballgefühl

Hoher Besuch beim Hinz&Kunzt-Kickerturnier: Mit Sandra Ranff nimmt ein echter Tischfußballprofi teil – die Hamburgerin ist 13-fache Weltmeisterin.

(aus Hinz&Kunzt 240/Februar 2013)

ICH HABE EINEN TRAUM

„Ich habe einen Traum“. Unter diesem Motto stand in den Jahren 2004 und 2005 für einige Monate das Titelblatt des Straßenmagazins. Dafür haben Hinz&Künztler und von ihren Wünschen und von ihren Ängsten erzählt:

 Stefan: „Ich stehe morgens am Supermarkt mit einer ganzen Truhe voller Würstchen, einem Bräter und der Zusage des Marktleiters, dass ich hier vor Weihnachten Würstchen verkaufen darf. Ich habe ziemlich investiert. Aber jetzt kommt der Marktleiter auf mich zu und sagt: „Es tut mir Leid, aber das mit den Würstchen klappt leider doch nicht. Ich habe keinen Platz mehr, und außerdem schließen wir den Laden.“ Ich stehe da, wie angewurzelt, und muss zuschauen, wie der Laden immer leerer wird. Die restliche Ware wird auf Lastwagen verladen und abtransportiert. Einen Augenblick später ist der Markt auch schon leer und in seine Einzelteile zerlegt. Nur noch Wellblechwände liegen da, und auch die werden auf die Hänger geladen. Und dann sind alle weg. Kein Supermarkt mehr, keine Kunden, keine Kinder. Nichts. Nur meine Kühltruhe mit Würstchen, mein Bräter und ich. Zum Glück bin ich dann aufgewacht. Meine Güte, das war nur ein Traum, habe ich mich versucht zu beruhigen. Und natürlich steht der Supermarkt noch, und ich verkaufe zwar keine Würstchen, dafür aber meine Hinz&Kunzt – wie immer. Aber ich kann mir vorstellen, woher dieser Traum kam. Ich stehe momentan etwas unter Druck: Ich zahle meine Schulden zurück, und das heißt, ich lebe fast ausschließlich vom Verkauf der Zeitung. Und am Abend vor meinem Traum kam eine Durchsage im Supermarkt: „Werte Kunden, heute bekommen Sie an unserem Imbiss eine Thüringer mit Brötchen für nur einen Euro.“ Das ist ja nun wirklich nichts Beängstigendes, im Gegenteil, aber irgendwie hat mich das wohl schwer beschäftigt.“

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Ralph: „Ich bin bei meiner Oma aufgewachsen, und eine meiner schönsten Erinnerungen ist, als ich mit ihr beim Zirkus Krone auf dem Heiligengeistfeld war. Ich muss acht Jahre alt gewesen sein. Es gab so tolle Nummern und interessante Tiere, aber trotzdem: Der Höhepunkt und das, was ich kaum erwarten konnte, waren die Clowns. Als die in Riesenschuhen durch die Manege torkelten, immer über ihre eigenen Füße stolperten, da lachten alle Zuschauer – und ich am lautesten. Manchmal sind Clowns ja auch richtig traurig. Aber selbst dann muss man über sie lachen. Mein Traum ist es, selbst ein Clown zu sein. Oder vielleicht ist es auch kein Traum, weil ich eigentlich immer ein Clown bin. Ich mache einfach gerne Spaß und möchte andere, gerade auch meine Käufer, zum Lachen bringen. Vielleicht auch, weil das Leben oft nicht zum Lachen ist. Man muss halt immer das Beste draus machen. In jeder Lebenslage. Mit Lachen kann man vieles überspielen. Und danach fühlt man sich besser – und die anderen auch. Toll war: Bei unserem Weihnachtsfest, zu dem Oldie 95 eingeladen hatte, gab es auch einen Zirkus. Man durfte mitmachen – und sie haben mich als Clown in die Manege geholt. Ich hatte natürlich nur eine ganz kleine Rolle, wurde aber ein bisschen verkleidet als so eine Art Automechaniker – natürlich war ich der, der immer vom Wagen überfahren wurde. Aber egal, die anderen haben gelacht – und ich hatte wahnsinnigen Spaß.“

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Pinki: „Schon als Kind war es mein Traum, mal zur See zu fahren. Vor allem deshalb, weil man als Seemann oder Seefrau viel erlebt, andere Länder bereist und viele Menschen kennen lernt. Aber mein Wunsch, zur See zu fahren, hat noch einen anderen Grund: Auf einem Schiff kommt keiner an mich ran, da fühle ich mich am sichersten. Die Leute an Bord kennst du sowieso. Und wenn jemand zu Besuch kommt, muss er die Gangway hoch – du siehst ihn und kannst dich auf ihn einstellen. Schon als Jugendliche war mein Wunsch abzuhauen so groß, dass ich mich mit 14 an Bord eines Frachters geschlichen habe. Ich hatte keine Angst, zu Hause hatte ich mehr Angst. Ich machte es mir im Beiboot gemütlich und lebte von meinem mitgebrachten Proviant. Ich brauchte nicht viel. Nach zwei Wochen wurde mir langweilig, und ich kriegte doch Hunger. Ich streckte nur kurz den Kopf aus dem Beiboot, und der Kapitän entdeckte mich. Aber er hat zum Glück nicht geschimpft. Er sagte mir gleich, dass er mich im nächsten Flieger nach Hause schicken würde, was er auch tat.Vorher durfte ich in der Küche helfen und Kartoffeln schälen. Ich habe es genossen. Später hat es bei mir nicht mehr mit der Seefahrt geklappt. Heute wünsche ich mir, dass ich nur irgendeinen Job kriege. Am liebsten würde ich nachts arbeiten. Denn nachts fühle ich mich sicherer, wenn ich wach bin.“

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Manni: „Mein größter Traum ist es, einmal in meinem Leben in Urlaub zu fahren. Jetzt, wo ich drüber nachdenke, fällt mir erst auf, dass ich noch nie in Ferien gefahren bin. Dass ich mit 17 von Zuhause abgehauen bin, kann man nicht rechnen. Als ich in der Binnenschifffahrt gearbeitet habe, hatte ich manchmal ein bis drei Tage frei – aber weggefahren bin ich nie. Dazwischen habe ich als Kellner gearbeitet und in der Küche, in der Fabrik an der Stanze, als Vertreter und in einer Drückerkolonne – und dann war ich arbeitslos. Nicht mal auf Balkonien habe ich Urlaub gemacht. Schließlich hatte ich nie einen Balkon. Ich bin ja schon froh, dass ich über Hinz&Kunzt eine Wohnung bekommen habe. Manchmal sitze ich zu Hause am Fernseher und sehe mir Reisedokumentationen an. Dann stelle ich mir vor, dass ich selbst dort wäre. Übrigens: So ein Ballermann-Urlaub auf Mallorca würde mich gar nicht reizen. Unter Palmen in der Südsee zu faulenzen wäre schon toll, aber wenn schon Traum, dann wäre es eher die Route 66. Ich würde ein Wohnmobil haben, in dem mein Hund Charly und ich viel Platz hätten. Ich glaube, auf dieser Straße überquert man drei Breitengrade und fährt durch zig Staaten.Wir würden anhalten, wo wir wollten, würden die herrlichsten Landschaften sehen und immer draußen sein, ganz unterschiedliche Menschen und Mentalitäten kennen lernen. Und in meinem Traum hätte ich natürlich auch den Führerschein…“

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Sam (und Hundepapa Bahne): „Goldtaler aus Schokolade, die schmecken klasse. Aber ich bräuchte viele echte Goldtaler. Dann würde mir mein „Papa“ Bahne einen Hundepalast bauen, einen zweistöckigen, mit einem Schlafzimmer oben und einer Spielwiese unten. Das kann der. Der ist nämlich Tischler, zumindest fast. Den Abschluss hat er versaut wegen der Drogen. Aber jetzt geht’s wieder bergauf mit ihm, weil Papa seine Gerichtssachen geregelt hat. Er muss noch eine Haftstrafe von drei Monaten wegen einer alten Sache absitzen. Dann ist er sauber. Und seine Drogensucht kriegt er hoffentlich auch unter Kontrolle. Er geht jetzt jeden Tag in die Heroinambulanz. Alles wegen mir, sagt er. Ich bin nämlich sein Baby. Ich glaub ihm. Denn immerhin sind wir jetzt schon nicht mehr obdachlos, sondern haben zusammen ein Zimmer. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Papa immer für mich da ist – und dass ich ein hübsches Frauchen kriege.“

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Anna: „Blumen mag ich gern und Rosen am meisten. Mein Traum ist, einmal einen eigenen Garten zu haben und von Blumen umgeben zu sein. Ich würde auch Kohl und Rüben anpflanzen und im Sommer kämen mich Freunde besuchen. Aber es würde mir auch schon genügen, wenn ich mit Blumen arbeiten könnte. Mein anderer Traum ist das Fliegen. Wenn ich daran denke, bekomme ich Gänsehaut. Gänsehaut, weil ich Angst habe, dass das Flugzeug herunterfällt und ich kaputt bin. Aber auch, weil es bestimmt wunderbar ist, so hoch oben zu sein – und unten ist alles ganz klein. Ich hätte schon fliegen können. Mit meinem Mann nach Sizilien. Aber ich hatte ja Angst. Meinen Mann habe ich hier in Deutschland kennen gelernt. Ich war aus Polen nach Deutschland gekommen, weil ich dort keine Arbeit hatte. Ich dachte, in Deutschland kriege ich Arbeit. Das denken in Polen viele. Aber ich habe auch hier keine bekommen, war obdachlos und illegal. Geholfen haben mir polnische Freunde – wir halten zusammen. Und dann habe ich mich in Salvatore verliebt. Plötzlich hatte ich einen Mann und eine Aufenthaltserlaubnis. Eines Tages, da bin ich ganz sicher, habe ich nicht mehr so viel Angst, und dann fliege ich mit nach Italien.“

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Sabrina: „Manchmal träume ich davon, eine Prinzessin zu sein. Ich wäre so eine Art Prinz William, natürlich in weiblich. Der gefällt mir. Er versucht, dem Volk nahe zu sein. Und das wäre ich auch. Ich würde sehen, wie ich den Menschen helfen kann. Besonders würde ich auf die Kinder achten. Wenn Kinder misshandelt würden, dann würde ich sie in einem meiner Kinderheime aufnehmen, in denen es viele und liebevolle Erzieher und Psychologen gäbe. Sie würden die Kinder deshalb so gut verstehen, weil sie meistens das gleiche Schicksal erlitten hätten. Ich würde in einem Schloss wohnen und hätte viele Diener, die ich gut behandeln würde. Auch ich würde zu tollen Partys gehen und schicke Klamotten anziehen. Ich würde mir einen Reitlehrer nehmen und hätte einen Schimmel oder schwarzen Hengst. Meine Drogensucht hätte ich überwunden, die Therapie hätte angeschlagen, weil ich mich auf mein Leben als Prinzessin freue. Immerhin: Im wirklichen Leben habe ich schon meinen „Prinzen“, den ich sehr gerne habe und der einen so schönen Charakter und innere Werte hat. Und im wirklichen Leben ist vielleicht auch das Prinz-Sein nicht immer witzig: Ständig verfolgen einen die Paparazzi, und nur weil Prinz William einmal einen Joint geraucht hat, galt er gleich als drogenabhängig, und ganz England stand Kopf.“

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Peter: „Mein Traum ist, mit dem Truck durch Amerika zu fahren. Lkw-Fahrer bin ich ja schon, den Führerschein hat mir Ende der 80er-Jahre das Arbeitsamt bezahlt. Ich bin dann gut fünf Jahre gefahren, habe mit einem 40-Tonner Paletten voller Cola-Dosen ausgeliefert. Nach Frankreich und Skandinavien, aber auch nach Osteuropa, noch bevor der Eiserne Vorhang fiel. Klar, wir hatten unseren Lkw geschmückt, die Wimpel von etlichen Ländern hingen oben an der Windschutzscheibe, und in der Weihnachtszeit hatten wir einen blinkenden Tannenbaum. Der Truck, den ich mir für meinen Amerika-Trip erträume, ist ein Scania mit fetter Haube und zwei Michelin-Männchen am Führerhaus. Und damit bin ich ja noch bescheiden, die Amis haben viel heißere Trucks. Mich faszinieren die langen Straßen dort, kilometerweit geradeaus.Am liebsten würde ich mit anderen im Konvoi auf der Route 66 fahren, die von Chicago nach Los Angeles führt. Ob so eine Tour anstrengend ist? Nein, ich finde es viel anstrengender, einen Tag lang Zeitungen zu verkaufen, als einen 40-Tonner zu steuern. In den USA war ich bisher nie.Aber ich hab’ schon 300 Euro für eine Reise angespart. Vielleicht klappt es ja mal.“

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 Marko: „Wenn’s irgendwie geht, schaue ich immer Formel 1. Am liebsten bei Freunden oder in der Kneipe, denn bei mir im Zelt habe ich natürlich keinen Fernseher. Manche Rennfahrer bewundere ich richtig. Michael Schumacher beispielsweise oder – als er noch lebte – Ayrton Senna. Schumi hat übrigens auch auf einer Kart-Bahn angefangen – und er trägt einen roten Overall – wie ich auf dem Foto. Früher waren alle Wagen und Motoren ziemlich unterschiedlich. Wer also einen guten hatte, hatte auch mehr Chancen. Heute haben die sich technisch viel mehr angeglichen, und es kommt viel mehr darauf an, was einer aus dem Wagen rausholt. Rennfahrer finde ich deswegen so toll, weil es nicht nur um den Geschwindigkeitsrausch geht, sondern auch darum, jederzeit die Kontrolle über das Fahrzeug zu behalten. Ich hatte mich früher, als ich noch als Notars- und Rechtsanwaltsgehilfe gearbeitet habe, sogar erkundigt, ob man mal mitfahren darf. Das geht, kostet allerdings die Kleinigkeit von 12.000 Euro. Selbst wenn ich das Geld gehabt hätte, hätte ich es nicht dafür ausgeben. Übrigens: Im Alltag kann ich Raser nicht leiden; ich selbst bin ein sehr umsichtiger Fahrer. Ich könnte mir nie verzeihen, einen schweren Unfall zu verursachen, bei dem womöglich eine Frau und ein Kind umkommen.“

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Hannelore: „Eigentlich wollte ich das immer, ein Engel sein und anderen eine Freude machen. Neulich habe ich vor meinem Verkaufsplatz vor Minimal in Alsterdorf eine Geldbörse gefunden. Da war auch viel Geld drin. War für mich klar, dass ich die sofort bei Minimal abgebe. Ich weiß ja, wie es ist, kein Geld zu haben. Wahnsinnig gern stricke ich auch kleine Socken für Frühchen. Das mach’ ich für den Verein Kinderluftbrücke von Witta Pohl. Vielleicht will ich deswegen so gern ein Engel sein, weil ich mit meinem Leben so zufrieden bin. Inzwischen. Denn früher war ich sehr unglücklich. Mein Mann war Alkoholiker, ich pflegte seine Mutter, und dann hat auch noch unser Sohn mit zehn Jahren einen Gehirntumor gekriegt. Die Ärzte hatten ihn schon aufgegeben, aber ich habe gekämpft – und gebetet. Mein Sohn hat alles gut überstanden. Ich habe gewartet, bis meine Kinder groß waren, dann habe ich mich von meinem Mann getrennt. Wenn ich es nicht getan hätte, hätte ich mich irgendwann vor ein Auto geworfen. Ich habe aber zum Glück Harry, meinen heutigen Freund, kennen gelernt. Der sagte zu mir: „Ich komme mit dir, einer muss ja auf dich aufpassen.“ Er hat mir immer geholfen. Auch als ich vor acht Jahren Krebs bekam. Seitdem lebe ich von heute auf morgen und genieße jeden Tag neu.“

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Karins Traum, eine richtige Familie zu haben, ist in Erfüllung gegangen. Aber für sie, Thorsten und Baby Lynn ist das nicht nur schön, sondern auch eine gewaltige Aufgabe. Denn Karin und Thorsten sind drogenabhängig. Die beiden haben uns zu sich nach Hause eingeladen. Lesen Sie den Artikel „Hausbesuch bei Baby Lynn“

AUDIYOU

Miteinander hören: Wie klingt „Anderssein“?

An alle Schüler: Hinz&Kunzt und die Internetplattform AUDIYOU.de rufen zum vierten Audio-Wettbewerb auf!

Wer anders ist, bleibt draußen?! Die Welt ist bunt, alle Menschen sind unterschiedlich. Und doch darf man nicht aus der Reihe tanzen, sonst wird gemobbt, ausgegrenzt, missachtet.

Findet heraus, warum Menschen anderen Menschen so etwas antun. Wir ermutigen euch, einmal genau hinzuhören: Was hat jemand zu sagen, der sich ausgegrenzt fühlt, weil er Ausländer oder arm, sehr schüchtern oder obdachlos ist? Welche Sorgen und Ängste hat man dabei? Und was können wir tun, damit sich alle wohlfühlen, so, wie sie sind? Macht daraus einen Song, ein Gedicht, ein Hörspiel … Hauptsache, es ist hörbar. Technische Hilfe bekommt ihr von AUDIYOU, inhaltliche Beratung von Hinz&Kunzt.

Für Lehrer gibt es am Mittwoch, den 6. Februar 2013, einen Workshop, auf dem die Grundlagen der Technik vermittelt und Fragen beantwortet werden.

Mehr Informationen, Teilnahmebedingungen und das Anmeldeformular gibt es unter: hinzundkunzt@audiyou.de oder anrufen bei Stephanie Landa, AUDIYOU: 040/46 07 15 38 oder bei Isabel Schwartau, Hinz&Kunzt: 040/32 10 84 01.

Einsendeschluss: Donnerstag, 23. Mai 2013

Es gibt wieder hochwertige technische Geräte zu gewinnen! Wir freuen uns auf eure Wettbewerbsbeiträge.Viel Spaß!

–> Die Gewinner des dritten Audio-Wettbewerbs 2012 zum Thema „Wer Wie Was Wohnen“