Rat statt Räumung

(aus Hinz&Kunzt 118/Dezember 2002)

Die Zahl der Wohnungslosen in Deutschland steigt wieder. Auch für Hamburg sehen die Prognosen düster aus: Immer häufiger fliegen säumige Mieter raus. Doch hinter der schlechten Zahlungsmoral steckt meist ein Mensch, der Hilfe braucht.

Heinrich Stüven stöhnt. „40 Millionen Euro Miete haben Vermieter allein in diesem Jahr eingebüßt“, sagt der Geschäftsführer des Hamburger Grundeigentümer-Verbandes. „Und die Zahl der Räumungsklagen ist in den vergangenen zwei Jahren dramatisch gestiegen.“ Wurden im Jahr 2000 noch 6751 Räumungsklagen wegen Mietrückständen eingereicht, rechnet er für das Jahr 2002 mit bis zu 9000 Fällen. Bei einem Großteil verhindert der Auszug des Mieters oder die Zahlung der Mietrückstände zwar, dass die Wohnung am Ende tatsächlich geräumt werden muss – im Jahr 2000 wurden die Gerichtsvollzieher „nur“ 3074 Mal tätig. Trotzdem ist der Schaden für den Vermieter immens.

Stüven rechnet vor: Neben der entgangenen Mieteinnahme muss der Vermieter für das Gerichtsverfahren zahlen (bis zu 6000 Euro). Hinzu kommen die Kosten für Zwangsvollstreckung, Leerstand und Wiedervermietung – insgesamt mindestens 10.000 Euro. Und: „Bei der Räumung finden wir häufig eine verlassene Wohnung in einem völlig verwahrlosten Zustand vor.“ Die Renovierungskosten kommen also noch obendrauf.

„Die Leute werden immer gleichgültiger gegenüber Eigentum“, sagt Stüven. Vor allem jüngere Menschen zwischen 20 und 40 Jahren würden ihre Mieten nicht bezahlen. „Dabei“, meint der 53-Jährige, „hat doch diese Generation nicht die Hemmungen vieler alter Leute, sich vom Sozialamt Hilfe zu holen.“

Peter Schröder-Reinecke vom Diakonischen Werk Hamburg sieht das differenzierter: „Wir erleben oft, dass Menschen lethargisch sind, wenn sie zu viele Probleme haben. Am Ende öffnen die Leute auch ihre Post nicht mehr“, sagt der für Wohnungslose Zuständige. Er befürchtet, dass künftig noch mehr Menschen ihre Mieten nicht zahlen können. „Die Einkommen sinken, die Arbeitslosigkeit verfestigt sich, aber bezahlbarer Wohnraum ist in Hamburg so gut wie nicht mehr vorhanden.“

Schon meldet die Evangelische Obdachlosenhilfe, dass erstmals seit Jahren die Zahl der Wohnungslosen wieder steigt – in Ballungsgebieten um 30 bis 50 Prozent. Doch hat ein Mensch seine Wohnung erst mal verloren, droht der weitere soziale Abstieg.

Eigentlich sollen in Hamburg die Bezirksstellen zur Wohnungssicherung Menschen davor bewahren, wegen Mietschulden aus ihren Wohnungen geklagt zu werden. „Meistens bekommen die von einem Problemfall aber erst mit, wenn der Richter schon die Räumung anberaumt hat“, so Schröder-Reinecke. Dem Vermieter sind zu diesem Zeitpunkt schon enorme Kosten entstanden. Doch selbst wenn die Bezirksstellen früher auf einen säumigen Mieter aufmerksam würden: Wegen Personalmangel werden die Betroffenen meist nicht aufgesucht, sondern schriftlich über das Hilfsangebot informiert. Wer seine Post nicht mehr öffnet, wird also nicht erreicht.

Dass rechtzeitige und regelmäßige Hausbesuche aber der Schlüssel zum Problem sein könnten, beweisen die Ambulanten Dienste der Berliner „Gemeinnützigen Gesellschaft zur Betreuung Wohnungsloser und sozial Schwacher“ (GeBeWo). Dahinter verbirgt sich ein Kooperationsprojekt im Berliner Bezirk Pankow, von dem die Beteiligten auch wirtschaftlich profitieren: das Sozialamt, die Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU und die GeBeWo, die die Interessen der Mieter vertritt.

Die Partnerschaft basiert auf folgenden Regeln: Hat sich ein Mieter verschuldet, reicht der Vermieter nach Kündigung der Wohnung keine Klage ein, sondern beauftragt die Ambulanten Dienste. Deren Sozialarbeiter besuchen den säumigen Mieter umgehend in der Wohnung. Sofern der Betroffene kooperieren will, erarbeiten sie ein Konzept zur Schuldenregulierung und nehmen Kontakt zum Sozialamt auf. Das Sozialamt wiederum übernimmt die Mietschulden und leistet weitere Unterstützung. Der Vermieter kommt für die ersten zehn Betreuungsstunden der Sozialarbeiter auf. Dafür erhält er nach spätestens sechs Wochen Bescheid, ob die Schuldenregulierung erfolgreich war. Falls ja, verpflichtet er sich zur Weitervermietung. Wenn nein, reicht der Vermieter die Räumungsklage ein.

Allein im Jahr 2001 konnte die GeBeWo 47 von 63 Mietern vor der Wohnungslosigkeit bewahren. Dadurch sparte die GESOBAU rund 300.000 Euro, da die Kosten für Leerstand entfielen und Räumungsklagen verhindert wurden. Das Sozialamt spart, weil sich der Vermieter an den Kosten für die Sozialarbeiter beteiligt, weil die Unterbringung in Notunterkünften (rund 3600 Euro jährlich pro Fall, ohne Betreuung) entfällt und keine Folgekosten durch den weiteren sozialen Abstieg Wohnungsloser entstehen.

„Fast alle Mieter sind unheimlich erleichtert, wenn wir kommen und ihnen einen Ausweg aus der Notlage zeigen“, sagt GeBeWo-Geschäftsführer Robert Veltmann. Wenn es sein muss, begleiten die Ambulanten Dienste den Hilfesuchenden während eines gesamten Jahres. „Wir wollen, dass die Mieter ihre Lebenskrise dauerhaft überwinden“, so Veltmann. In 90 Prozent der Fälle im Jahr 2001 sei das gelungen.

Die Hamburger Sozialbehörde will auf die Defizite der Bezirksstellen reagieren. Sie plant, in der Hansestadt das so genannte Kölner Modell einzuführen. Es sieht Fachstellen zur Wohnungssicherung vor, in denen die Kompetenzen von Wohnungsamt, Sozialamt und Ordnungsamt gebündelt sind. „Hilfe aus einer Hand“ lautet das Motto, mit dem unter anderem Mietschuldner vor Wohnungslosigkeit bewahrt werden sollen. Auch die so genannte „aufsuchende Beratung“ ist Teil des Konzepts.

Ein bewährtes Modell, finden auch die Hamburger Diakonie und Hinz & Kunzt. Doch der Teufel steckt wie immer im Detail: Es funktioniert offenbar nur, wenn der Vermieter schnell über säumige Zahler informiert und genug Personal vorhanden ist, das die Betroffenen aufsucht, ihre Probleme erkennen und bei der Lösung helfen kann. „Manche Mieter verschulden sich sonst immer wieder. Dieser Drehtüreffekt muss aufhören“, sagt Andreas Pitz vom Diakonischen Werk Mainz. Seit Januar 2000 ist das Modell dort etabliert, aber noch immer warten die Fachstellen zu oft darauf, dass Mieter von selbst aktiv werden.

Gute Tipps für die Hamburger Sozialbehörde, die voraussichtlich in diesem Monat ihr Grobkonzept dem Senat vorlegen will. In der zweiten Hälfte des kommenden Jahres sollen die Fachstellen ihre Arbeit aufnehmen, so ein Behördensprecher.

Heinrich Stüven vom Grundeigentümer-Verband fordert unterdessen, Räumungsverfahren zu beschleunigen. „Die dauern mindestens ein Jahr – und das ist zu lang“, so Stüven. Aber er fügt hinzu: „Wir wären die letzten, die sich einem Kooperationsmodell gegenüber verschließen würden. Wir würden uns auch an den Kosten beteiligen.

Annette Bitter

Vermintes Gebiet

Wie Schüler den Aufbau in der Balkanregion unterstützen

(aus Hinz&Kunzt 118/Dezember 2002)

Seit zehn Jahren sammelt eine Schülerinitiative Geld, um Jugendliche in der Balkanregion zu unterstützen. Serjoscha Gerhard, Freiwilliger bei „Schüler Helfen Leben“ in Neumünster, hat die Projekte vor Ort besucht.

In einem Haus in Sarajewo spielen Kinder. Nichts Besonderes? Das Haus ist eine Ruine, Granaten und Schüsse haben es getroffen. Keiner weiß, ob nicht irgendwo noch eine Sprengfalle oder Mine lauert. Das ist Alltag an der ehemaligen Frontlinie in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina.

Ich bin zusammen mit meiner Kollegin Alexandra unterwegs. Normalerweise sitzen wir im Bundesbüro von „Schüler Helfen Leben“ (SHL) in Neumünster vor unseren Rechnern oder telefonieren. Aber jetzt sind wir vor Ort. Zwei Wochen lang besichtigen wir Projekte von SHL in Bosnien und im Kosovo.

Die Mitarbeiter aus unserem Seminarhaus in Sarajevo führen uns durch die Stadt. An der früheren Frontlinie erklären sie uns die Trennung der Stadt. „Wir stehen gerade zwischen dem serbischen Teil des Landes und der Föderation aus Kroaten und Bosniaken“, erklärt uns die gebürtige Bosnierin Alma. „Hier können wir durch“, meint Steffen, Friedensfachkraft bei SHL, und zeigt auf eine Grünfläche. „Auf diesem Trampelpfad liegen keine Minen“, fügt er hinzu. Wer ansonsten sicher gehen will, muss sich auf Asphalt bewegen.

Der Krieg ist seit sieben Jahren vorbei, eigentlich herrscht Frieden. Aber nicht nur Minen sind vom Kampf zwischen den Volksgruppen geblieben. Immer wieder stößt man auf Vorurteile und Abneigung gegen die jeweils andere Seite.

SHL bringt Serben, Kroaten und bosnische Muslime zusammen – etwa in Jugendzentren, mit Zeitschriften- und Radioprojekten oder in Kunst-Workshops. Ein wichtiges Projekt ist auch der Aufbau einer Schülervertretung, um Demokratie und Mitbestimmung kennen zu lernen. Denn viele Jugendliche meinen immer noch, dass „die Internationalen“, die Schutztruppen SFOR in Bosnien und KFOR im Kosovo, alles schon richten.

„Let’s things make better“, verkünden Werbeplakate von Philips überall in Sarajevo. Doch die meisten jungen Menschen wollen weg aus ihrem Land. Wieder nach Deutschland etwa, wo sie während des Krieges gelebt haben. So wie der bosnische Koch, der im bayerischen Oberstdorf arbeitet. Wir treffen ihn im Bus in Sarajevo, wo er gerade seine Familie besucht. Er ist überrascht, was zwei Deutsche in sein Land treibt: „Hier gibt es doch nichts, ist alles kaputt!“ Er sieht keine Chance, in Bosnien Arbeit zu finden. In ländlichen Gebieten ist eine Arbeitslosenquote von mehr als 50 Prozent keine Seltenheit.

Im Kosovo, der zweiten Station unserer Reise, sind die Ethnien noch weiter voneinander entfernt. Im kleinen Ort Orahovac hat SHL ein Jugendzentrum aufgebaut, aber bislang laufen die Programme getrennt: Albaner und Serben haben auch fast drei Jahre nach dem Krieg praktisch keinen Kontakt.

Im Jugendzentrum bietet SHL Computer-, Kunst- und Englischkurse an – um das auszugleichen, was die Schule an Bildung nicht leisten kann. Die Jugendlichen können im Internet surfen oder sich mit Brettspielen die Zeit vertreiben. Gerade im Winter füllt sich das Haus noch mehr – denn hier funktioniert die Heizung auch, wenn im Rest der Kleinstadt mal wieder der Strom ausfällt. Arbeitsplätze gibt es in der Gegend fast nur von den „Internationalen“, es sei denn, man kann sich ein eigenes kleines Geschäft aufbauen. Die meisten Familien leben von der Unterstützung durch Verwandte aus dem Ausland.

Zusammen mit einer der beiden SHL-Freiwilligen im Kosovo und einem Übersetzer besuchen wir das Gymnasium in einem nahe gelegenen Dorf. Wir wollen eine Umfrage zu unserem Jugendzentrum machen. Die Langeweile scheint groß. Der Schulhof ist überfüllt von Schülern, die im Regen darauf warten, dass die Pause zu Ende geht. Ein Lehrer kommt mit einer Glocke nach draußen und läutet zum Beginn der Stunde – Bilder aus einer vergangenen Zeit. Über eine aufgerissene Wasserleitung steigen wir ins Hauptgebäude. An der Wand ist Holz zum Heizen aufgestapelt, im Lehrerzimmer wird Tee auf einem Ofen gekocht. Über einem Schrank hängt noch ein Plakat der albanischen Befreiungsarmee UCK.

Die Fensterscheiben der Schule sind zersplittert, überall an der Fassade finden sich Einschusslöcher. Neben zerbombten Silos und gesprengten Brücken ein deutliches Zeichen für die erbitterten Kämpfe, nicht zuletzt auch für die NATO-Luftangriffe. Inzwischen ist die internationale Schutztruppe der Puffer zwischen Serben und Albanern. Immer wieder treffen wir auf unseren Spaziergängen durch Orahovac auf Kontrollpunkte der deutschen KFOR-Soldaden, von Sandsäcken abgeschirmt.

Am nächsten Abend haben wir Gelegenheit, mit zwei Soldaten selbst zu sprechen. Als wir in der einzigen Kneipe des serbischen Viertels sitzen, kommt eine KFOR-Patrouille herein. Beide in voller Montur, mit schusssicherer Weste und geladenen Waffen. Das erste Mal in meinem Leben hält jemand eine Waffe so, dass mir der Lauf übers Knie kratzt. Mein serbischer Tischnachbar erklärt mir auf Englisch, dass er sich sicher fühlt, wenn KFOR-Soldaten in der Nähe sind. Doch zu meiner Beruhigung tragen geladene Waffen nicht bei.

Die Soldaten sind erstaunt, dass wir uns trauen, ohne Schutz im Krisengebiet umherzulaufen. Warum sollte uns etwas passieren? Schließlich sind wir doch hier, um zu helfen. – So unterschiedlich kann man die Situation in einem Krisengebiet erleben.

Eine Weihnachtsgeschichte
Die Geschichte von „Schüler Helfen Leben“ (SHL) beginnt Weihnachten 1992 im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach. Ein kroatischer Geschäftsmann erzählt Jugendlichen vom Bürgerkrieg in seiner Heimat – und die starten in den Weihnachtsferien mit Privatwagen zum ersten Hilfstransport.
Die Idee zieht Kreise, nach einem halben Jahr sind knapp 1,5 Millionen Mark Spenden gesammelt. 1998 organisiert „Schüler Helfen Leben“ in Schleswig-Holstein erstmals einen „Sozialen Tag“: Jugendliche bekommen schulfrei und suchen sich für diesen Tag einen Job; der „Lohn“ geht an die Jugendprojekte von SHL auf dem Balkan. An der jüngsten Aktion im vergangenen Juni beteiligten sich mehr als 200.000 Schüler in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Berlin. Dadurch kamen mehr als 3,6 Millionen Euro zusammen. SHL erhielt dieses Jahr den Westfälischen Friedenspreis – gemeinsam mit der Chefanklägerin des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag, Carla Del Ponte.

„Ich habe die Lust auf ein normales Leben verloren“

Christian H. verkauft Hinz&Kunzt seit 2004 an seinem Stammplatz an der U-Bahn-Haltestelle Mönckebergstraße

(aus Hinz&Kunzt 205/März 2010)

ChristianChristian ist ein freundlicher Mensch, der gerne lacht und erzählt. Wenn der 55-Jährige allerdings von seiner Vergangenheit berichtet, klingt seine Stimme belegt. Christian wächst in Duisburg auf, der Vater ist ein starker Trinker. „Schöne Kindheitserinnerungen habe ich nicht“, sagt er. Nach der Schule lernt er Maler und Lackierer. Als er 25 Jahre alt ist, stirbt sein Vater an seiner Sucht. Das ist auch der Grund, warum Christian noch nie einen Tropfen Alkohol angerührt hat: „Ich habe gesehen, was das anrichtet.“
Mit 30 Jahren heiratet Christian seine Freundin, aber dann verliert er 1988 seinen Job, die Ehe geht in die Brüche. Das wirft ihn so aus der Bahn, dass er auf die Straße flüchtet. Seitdem ist er obdachlos, zieht durch unterschiedliche Städte. Ende der 90er-Jahre findet er in Celle wieder eine Wohnung und eine Arbeit in einem Café für Obdachlose. Als er länger krank ist, verliert er diesen Job. Ohne Kontakte und Beschäftigung hilft ihm auch die Wohnung nichts: „Ich saß immer alleine zu Hause“, erzählt er, „mir ist die Decke auf den Kopf gefallen, und da bin ich wieder auf die Straße“. Seit im Jahr 2000 seine Mutter gestorben ist, hat er auch seinen letzten emotionalen Rückhalt verloren. „Einmal im Jahr konnte ich wenigstens meine Mutter besuchen“, erzählt Christian traurig, „jetzt habe ich die Lust verloren, ein normales Leben zu führen.“
Seit Anfang Februar hat Christian einen Schlafplatz in einem Wohncontainer, den er mindestens bis März behalten kann. „Vorher habe ich Platte in St. Georg gemacht“, erzählt er, „das ist bei der Kälte selbst mit einem guten Schlafsack zu hart.“

H&K: Was hast du diese Woche Besonderes erlebt?
Christian: Ich habe endlich Hartz IV beantragt. Die Beamtin am Empfang wollte mich sofort wegschicken, weil mir ein Formular fehlte. Aber als ich höflich nach ihrem Vorgesetzten gefragt habe, durfte ich plötzlich doch reinkommen und die haben mir sogar mit dem Antrag geholfen. Man darf sich eben nicht so einfach abspeisen lassen!

H&K: Wie hat dir die Februar-Ausgabe gefallen?
Christian: Sehr gut, vor allem die Geschichte mit den beiden Verkäufern Klaus und Klaus. Schließlich habe ich die beiden zu Hinz&Kunzt geholt!

H&K: Wenn du einen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen?
Christian: Ich würde mir wünschen, dass ich möglichst lange gesund bleibe. Und dass ich irgendwann doch mal Glück habe und in meinen eigenen vier Wänden meine Ruhe finden kann.

Text: Hanning Voigts

Foto: Mauricio Bustamante

Die neue Hinz&Kunzt ist da

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Ab heute gibt es auf Hamburgs Straßen und Plätzen die Hinz&Kunzt-Maiausgabe.

Diesmal auf dem Titel: Große Freiheit – Punker Tsecke lebt mit seinen Freunden unter der Brücke auf St. Pauli. Wie lange noch?

„Ich kämpfe für euch“

(aus Hinz&Kunzt 182/April 2008)

Die Hamburgerin Susianna Kentikian boxt für das Land, das sie jahrelang ausweisen wollte. Nun kann die Doppel-Weltmeisterin Deutschlands neue Box-Königin werden

Sie ist in einem Meer kreischender Teenies verschwunden. Nicht einmal eine Locke ihres hoch gekämmten Haares taucht in dem Pulk vor dem Bürgerhaus Wilhelmsburg auf. Die 20-Jährige geht unter zwischen den 12- bis 14-jährigen Jungs und Mädchen, die ein Autogramm von ihr wollen. Nur ihr ehemaliger Boxtrainer Frank Rieth ragt heraus. Er hält seine Arme schützend vor die Boxerin, seit sie den Saal verließen.

Im Ring mit Susi Kentikian

„Super! Es war so toll.“ Hinz&Künztler Uwe kriegt sich gar nicht ein. War ja auch eine tolle Aktion: Denn Uwe durfte mit Boxweltmeisterin Susianna Kentikian in den Ring steigen.

Verstärkung gesucht!

Das Hamburger Straßenmagazin Hinz&Kunzt sucht

Stellvertretenden Vertriebsleiter (m/w)

vertrieb
Hinz&Kunzt-Vertriebsmitarbeiter freuen sich auf Verstärkung

Wir suchen zur Entlastung und Unterstützung für unseren Vertriebsleiter eine Stellvertreterin oder einen Stellvertreter zum nächstmöglichen Zeitpunkt.

Video: 1029 Luftballons

1029_Ballons-13(2)Mitte April vor dem Hamburger Mariendom: Der Caritasverband schickt 1029 bunte Luftballons in den Himmel – genau so viele Obdachlose zählte die Stadt bei einer Studie im vergangenen Herbst. Anlass für die Aktion war das Ende des Winternotprogramms der Stadt.

HINTERGRUND:

Bis zu 750 Menschen mussten Mitte April zurück auf die Straße, weil es keine Wohnungen
für sie gibt. Die Wohlfahrtsverbände fordern bessere Hilfen für Obdachlose.
Neben Wohnraum fehle es vor allem an kleineren Unterkünften und Einzelzimmern.
Der Senat findet seine Hilfsangebote hingegen ziemlich gut.

Laut Obdachlosenbefragung vom vergangenen Jahr leben 1029 Menschen in Hamburg auf der Straße, 20 Prozent weniger als 2002. Dass „die Arbeit Erfolge zeigt“, so Sozialsenator Dietrich Wersich (CDU) anlässlich einer Fachtagung, würden auch die Zahlen zum Ende des Winternotprogramms zeigen. Die sind bei näherer Betrachtung aber wenig beeindruckend: Nur 13 Obdachlose konnten laut Sozialbehörde in eine Wohnung vermittelt werden, 101 zogen mangels Alternative von der Winternotunterkunft Sportallee in eine andere städtische Unterkunft. Da laut Behörde insgesamt 875 Menschen das Winternotprogramm genutzt haben, mussten somit bis zu 750 Obdachlose zurück auf die Straße ziehen. Dennoch spricht der Senat von „erfolgreicher Vermittlung in feste Bleibe“ und erklärt: „Ein Teil der Menschen wollte ausdrücklich und auf eigenen Wunsch zu einem Leben auf der Straße zurückkehren oder ist zu Bekannten, Freunden oder einem Untervermieter gezogen.“ Sozialarbeiter hingegen machen vor allem fehlende Alternativen dafür verantwortlich. 

UJO

Musik: Xóchil&Nils Wülker – GUTE MÄCHTE aus dem Hinz&Kunzt-Geburtstagsalbum KunztStücke

Vorschau: zu Knyphausen im Hinz&Kunzt-Interview

Straßenmagazin schon ausgelesen? Jetzt schon auf die Mai-Ausgabe freuen!

Making oft: Hinz&Kunzt-Fotograf Benne Ochs und Gisbert zu Knyphausen
Making of: Hinz&Kunzt-Fotograf Benne Ochs und Gisbert zu Knyphausen

Zum Beispiel auf den Kunzt&Kult-Teil, unter anderem mit Singer-Songwriter Gisbert zu Knyphausen. Der (Noch-)Hamburger veröffentlicht zu seinem Geburtstag am 23. April seine neue Platte „Hurra! Hurra! So nicht! und geht auch gleich auf große Tour. Sein Konzert am 25.4. auf Kampnagel ist leider schon ausverkauft.

Mit uns hat der Musiker über seine Zweifel an Fan-Artikeln, Fluchen übers Traurigsein und das Ignorieren seiner adeligen Herkunft gesprochen.

Hinz&Kunzt kaufen und Killerqueen kämpfen sehen

Die Hamburger Boxweltmeisterin Susianna Kentikian, der Weltmeister im Halbschwergewicht Jürgen Brähmer und der Amateurweltmeister Jack Culcay trainieren am 20.4. ab 13 Uhr öffentlich mit ihren Gegnern. Eigens dafür wird in der Wandelhalle am Hauptbahnhof ein Box-Ring aufgebaut. Anschließend verkauft Susianna mit Hinz&Künztler Uwe eine halbe Stunde lang das Straßenmagazin.

01HK206_Titel.inddIn einigen der Hefte, die sie verkauft, wird sie Eintrittskarten für ihren Weltmeisterschaftskampf am Samstag, 24. April, in der Sporthalle Hamburg verste­cken.

Wer am Dienstag, 20. April, ab 13 Uhr in der Wandelhalle im Hauptbahnhof eine Hinz&Kunzt bei Kentikian kauft, hat die Chance, zwei Tickets von 50 zu erwischen.

Viel Glück!