Bischöfin Fehrs: „Sachlich aufeinander zugehen“

„Wir als Evangelische Kirche gehen auf die Situation in Jenfeld ein und nehmen sehr deutlich wahr, dass Nachbarn verängstigt und betroffen sind. Insbesondere die Kirchengemeinde und der Kirchenkreis Hamburg-Ost wollen in dieser Situation die Menschen vor Ort begleiten.“

Bischöfin Fehrs rief alle Beteiligten dazu auf, offen und sachlich aufeinander zuzugehen. Dieser Appell gelte den Menschen vor Ort, den verantwortlichen Politikern und den Medien. „Jeder in seiner Rolle kann zur Beruhigung und zu tragfähigen Lösung beitragen. Die Bewohner sollen sich in ihrem Stadtteil auch zukünftig wohl fühlen“, so Fehrs. Gleichzeitig müsse es den ehemaligen Sicherheitsverwahrten nach der Rechtsprechung ermöglicht werden, im öffentlichen Raum zu wohnen. Fehrs weiter: „Man darf bei aller Aufregung nicht außer Acht lassen, dass es sich bei ihnen um rechtlich freie Menschen handelt und auch sie eine schützenswerte Würde haben.“

Bischöfin Kirsten Fehrs, Nordelbisch Evangelisch-Lutherische Kirche

Dossier

Wohin mit zwei Hamburger Ex-Sicherungsverwahrten? Der Senat entschied sich, sie in Jenfeld in einem ehemaligen Altenheim unterzubringen, wo sie von Polizisten rund um die Uhr bewacht werden. Die Bewohner des Stadtteils wurden in die Entscheidung nicht mit einbezogen. Sie protestieren heftig gegen die Männer, die ihre Strafe verbüßt haben, in ihrer Nachbarschaft. Der Senat versucht, die Wogen zu glätten. Der Konflikt spaltet die Stadt. Prominente Hamburger rufen zur Besonnenheit auf. Dass die Würde der Ex-Sträflinge nicht vergessen wird. Und dass die Ängste von Anwohnern ernst genommen werden. Die Frage, die geklärt werden muss, lautet: Wie kann unsere Gesellschaft ehemalige Sicherungsverwahrte integrieren?

Podiumsdiskussion: „Bürger in Angst – Justiz in Not?“
14. Februar, 17 Uhr

Es diskutieren: Dr. Ralf Kleindiek, Staatsrat der Behörde für Justiz und Gleichstellung, Dr. med. Guntram Knecht, Chefarzt der forensischen Psychiatrie Asklepios Klinik Nord (Ochsenzoll), Rechtsanwältin Viviane Spethmann MdHB, rechtspolitische Sprecherin der CDU Fraktion, Maj Zscherpe, Vorsitzende Richterin Landgericht Hamburg,  Journalist (N.N.). Moderation: Peter Ulrich Meyer Hamburger Abendblatt, Veranstalter: Hamburgischer Richterverein, Grundbuchhalle des Ziviljustizgebäudes (Anbau), Sievekingplatz 1.

Lesen Sie dazu:
„Menschenwürde ist unteilbar“ aus Hinz&Kunzt 228/Februar 2012

Wolfgang Rose, Landesbezirksleiter der Gewerkschaft Verdi appelliert in einem Aufruf für einen zivilgesellschaftlichem Umgang mit ehemaligen Sicherungsverwahrten:
Jeder Mensch braucht ein Zuhause

Bischöfin Kirsten Fehrs, Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche ruft alle Beteiligten auf, offen und sachlich aufeinander zuzugehen.

Weihbischof Hans-Jochen Jaschke sagt, dass alle Beteiligten im Gespräch bleiben müssen, um eine Lösung zu finden.

 


 

Debatte

Der Konflikt um zwei Ex-Sicherungsverwahrte spaltet die Stadt: Viele Jenfelder fühlen sich von den Männern bedroht und wollen sie nicht in ihrer Nachbarschaft dulden. Der Senat versucht, die Wogen zu glätten. Inzwischen haben sich auch Verdi-Landesbezirksleiter Wolfgang Rose und Bischöfin Kirsten Fehrs zum Thema geäußert: Sie rufen zu einem sachlichen Umgang auf. Die Frage ist: Wie kann unsere Gesellschaft ehemalige Sicherungsverwahrte integrieren?

Strassenzeitungsverkäufer weltweit

Selbstbewusst und mit neuem Lebensmut

118 Magazine, 40 Länder, eine Idee: Arme und Obdachlose kaufen in ihrer Stadt Zeitungen, die sie dann exklusiv auf den Straßen und Plätzen weiterverkaufen. Mindestens 50 Prozent des Verkaufspreises behalten sie. Tausende sichern sich so weltweit ihren Lebensunterhalt und nicht selten ihr Überleben. In Hamburg wie in Südkorea oder in Amerika, in Polen oder auf den Philippinen. Wir stellen Ihnen vier Verkäufer aus vier Ländern der Welt vor.

Winterhude

Mann verbrannte an seinem Schlafplatz

Die Ursache für das Feuer kennt die Polizei nicht. Klar ist nur: Beim Brand einer leerstehenden Garage in Winterhude kam ein Mann ums Leben. Vermutlich war er obdachlos. Vielleicht hat er in dem maroden Gebäude gelebt. Wer der Mann war, weiß niemand – weil ihn niemand vermisst.

Wohnraum

„Die Frage ist: Wie gierig bin ich?“

Unternehmer Ulf Reyher baut bezahlbare Wohnungen – zum Beispiel am Doormannsweg in Eimsbüttel. Am liebsten würde er das viel öfter tun. Aber er stößt nicht selten auf Hindernisse: Alte Bebauungspläne, enge Vorschriften und uneinige Behörden behindern Neubauprojekte in der Stadt.

(aus Hinz&Kunzt 227/Januar 2012)

Weihnachten

Heiligabend nicht allein

Zahlreiche Kirchengemeinden laden einsame Menschen ein, gemeinsam Weihnachten zu feiern: bei Christvespern, Kaffee und Kuchen und Gottesdiensten. Auch die Tagesstätte „Mahlzeit“ und das Lieblings Café feiern.

Leseprobe

aus: Sammy und die Fahrt mit der Queen nach New York von der Klasse 3b der Gorch-Fock-Schule

Das Taxi hatte dicht vor der Gangway gehalten, die zum Schiff hinaufführte. Herr Schmidt bezahlte den Taxifahrer, dann hob er die Koffer auf einen Rollwagen. Den Rollwagen schob einer der Stewards der QUEEN zu einer Luke unter der Gangway.

Sammy stand mit seiner gelben Schwimmweste vor der ersten Stufe der Gangway und sah zur Bordwand der QUEEN hinaus. Das Kreuzfahrtschiff war schwarz lackiert. Hoch oben sah er weiße Aufbauten, und noch weiter oben – sehr, sehr hoch oben – leuchtete der rote Schornstein prächtig gegen das dunkle Blau des Himmels.

(…)

An der Hand von Herrn Schmidt schwebte Sammy die Gangway hinauf, bis sie auf eine feine Dame in dunkelblauer Kleidung trafen. Goldene Knöpfe zierten ihre Jacke.

„Welcome on board, Mr. Schmidt and Sammy! We wish you a pleasant stay in board of the QUEEN OF THE SEAS! Willkommen, Herr Schmidt, und willkommen, Sammy.“

Sammy war erstaunt, dass man ihn hier kannte, Offensichtlich hatte man sich gut auf die Passagiere vorbereitet. Und jetzt streckte die Dame in Blau ihm doch tatsächlich einen gut riechenden Hundekeks entgegen. Sammy hätte am liebsten „Thank you, Miss!“ gebellt. Blitzschnell schnappte er auf Sammy-Art zu, und schon war der Keks verschwunden. Er leckte sich kurz die Lippen, und seine fast schon schlechte Laune hatte sich in Luft aufgelöst. Diese reise schien keine schlechte Sache zu werden.

(…)

Hinter Ihnen hatten sich weitere Passagiere angestellt, denen die Unterhaltung schon etwas lang wurde, mussten sie doch deshalb warten.

Aber Herr Schmidt fügte trotzdem noch schnell eine Frage an: „Miss, entschuldigen Sie. Frau Rummel hat uns gebeten, ein Paket für sie zu ihrer Kabine zu bringen, damit sie nicht so viel zu tragen braucht. Sie hat es mit der Post geschickt. Haben Sie es vielleicht schon parat?“
„Ein Paket? Davon ist mir nichts bekannt, Herr Schmidt, tut mir leid. Und wenn, dann dürfte ich es Ihnen auch nicht aushändigen. So gut kennen wir uns nun auch noch nicht.

Damit war für die Empfangsdame das Gespräch beendet. Sie zwinkerte Sammy zu, der still zurückschaute. Eine kuge Frau, dachte Sammy, da muss sich Herr Schmidt noch ein bisschen mehr anstrengen, um an das Paket zu kommen. So einfach geht das nicht.

„Sammy und die Fahrt mit der Queen nach New York“ ist für 16,80 Euro über Klaas Jarchow zu haben: info@jarchow-media.de