Coronawinter : Bündnis bringt 60 Obdachlose in Hotels unter

Obdachlose können im Hotel richtig zur Ruhe kommen. Symbolbild: Actionpress

Weil die Stadt sich weigert, bringt ein Bündnis aus Hinz&Kunzt, Alimaus, Diakonie und Caritas im Coronawinter 60 Obdachlose in Hotels unter. Möglich macht das eine Großspende der Reemtsma Cigarettenfabriken.

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60 Obdachlose nicht nur vor der Kälte, sondern auch vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen: Das ist das erklärte Ziel eines Bündnisses aus Hinz&Kunzt, der Tagesaufenthaltsstätte Alimaus, Diakonie und Caritas. Wie das Bündnis am Dienstag bekannt gab, ermöglicht eine erneute Großspende in Höhe von 300.000 Euro der Reemtsma Cigarettenfabriken die Unterbringung, Betreuung und Versorgung der Obdachlosen von Dezember bis April. Schon während der ersten Coronawelle im Frühjahr konnten so 170 obdachlose Menschen, die häufig geschwächt sind und zur Risikogruppe gehören, Schutz finden.

„Für Reemtsma ist es eine Herzensangelegenheit, die Hilfe für obdachlose Menschen fortzusetzen. Wir sehen, dass Unterstützung gerade jetzt in der kalten Jahreszeit noch dringlicher benötigt wird“, sagt Michael Kaib, Sprecher des Reemtsma-Vorstands. Über das Engagement des Unternehmens sind die Bündnispartner heilfroh: „Die Infektionszahlen steigen, aber bisher ist die Einzelunterbringung leider kein Standard“, sagt Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer. „Wir haben Angst davor, was der Winter bringt.“

„Im Frühjahr haben wir gezeigt: Es funktioniert!“– Dirk Ahrens, Diakonie

Insbesondere besonders verletzliche Gruppen wie Obdachlose müssten vor einer Corona-Infektion geschützt werden, sagt Landespastor und Diakonie-Chef Dirk Ahrens: „Im Frühjahr haben wir gezeigt: Es funktioniert! Und unsere Erfahrungen zeigen auch: Einzelunterbringung und ein Minimum an Ruhe und Privatsphäre eröffnen deutlich bessere Chancen für Perspektiven aus der Obdachlosigkeit.“

Die Sozialbehörde beharrt in der Pandemie auf Großunterkünften

Damit setzt das Bündnis das um, was die Stadt seit Monaten verweigert – trotz Forderungen nach Einzelunterbringung von Expert*innen und aus der Opposition in der Bürgerschaft. Zuletzt hatte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD), die auch Gesundheitssenatorin ist, Ende Oktober betont, trotz Pandemie und Teil-Lockdown auf Zwei- und Dreibettzimmer in Großunterkünften zu setzen. Und das, obwohl viele Obdachlose die großen Unterkünfte mit hunderten Betten auch in normalen Zeiten schon meiden.

Winterhilfe
FC St. Pauli und Initiativen bringen Obdachlose in Hotels unter
Weil die Stadt sich querstellt, haben nun Initiativen aus der Wohnungslosenhilfe und der FC St. Pauli Spendenaufrufe gestartet, um Obdachlose im Coronawinter in Hotels unterzubringen.

Deswegen übernimmt in Hamburg jetzt die Zivilgesellschaft die Verantwortung für die Obdachlosen. Ein Zusammenschluss ehrenamtlicher Initiativen aus der Wohnungslosenhilfe hatte vergangene Woche bekanntgegeben, 20 Obdachlose über den Winter in Hotels unterzubringen. Der Verein „StraßenBlues“ hat 50.000 Spendengelder gesammelt und ruft zu weiteren Spenden für das Projekt „hotels for homeless“ auf. Und auch der FC St. Pauli sammelt Spenden, um Obdachlosen ein Hotelzimmer zu finanzieren, die vor dem Millerntorstadion Platte machen. Für „völlig unverständlich“ hält Alimaus-Vorstand Kai Greve es, „dass die Unterbringung nur aufgrund von Spenden aus der Wirtschaft und dem Engagement von Ehrenamtlichen möglich ist, obwohl dies eigentlich eine originäre Aufgabe der Stadt Hamburg wäre.“

Wenn Sie das Hotelprojekt unterstützen möchten, nutzen Sie unser Spendenformular oder eines unserer Konten und geben als Anlass „Hotelunterbringung“ an. Vielen Dank!

 

Autor*in
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD Digitales.

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