Randnotizen vom 3.7.2026
Wovor Prepper Angst haben

Illustration von einem Mann mit Stirnlampe, der vor einem Regal voller Lebensmittel sitzt
Illustration von einem Mann mit Stirnlampe, der vor einem Regal voller Lebensmittel sitzt
Fast alle Prepper sind Männer. Illustration: Stefan Bachmann

Der Senat weitet das Alkoholverbot am Hamburger Hauptbahnhof aus und Prepper bereiten sich auf den Kollaps der Gesellschaft vor. Unser Newsletter vom 3. Juli 2026.

Ich habe im Keller ein Regal mit drei Kisten Mineralwasser, ein paar Packungen Nudeln und einige Dosen mit Ravioli und Nudelsuppe – für den Fall der Fälle. Zehn Tage lang sollte sich meine Familie im Notfall versorgen können, rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz. Das würden wir wohl gerade so schaffen, wenn überhaupt.

Es gibt aber auch Menschen, die es mit der Krisenvorsorge übertreiben. Prepper (es sind fast immer Männer) bereiten sich auf bürgerkriegsähnliche Zustände vor und steigern sich in die Vorstellung hinein, einen Überlebenskampf gegen den Rest der Gesellschaft führen zu müssen – und ihn am Ende zu gewinnen.

Sie hätten Angst vor der Gesellschaft und ihrer Komplexität, erklärt der Kulturwissenschaftler Julian Kaspar im Hinz&Kunzt-Interview: „Die Bedrohung sind die anderen Menschen. Nicht die Krise. Im Gegenteil: Der Kollaps der Gesellschaft wird herbeigesehnt als ein reinigendes Gewitter.“ Das Gespräch finden Sie in unserer Juli-Ausgabe mit dem Schwerpunkt „Katastrophenschutz“.

Forscher über Prepper
„Preppen gibt ein Gefühl von Kontrolle“
Prepper horten Lebensmittel und bereiten sich auf den Kollaps der Gesellschaft vor. Warum? Kulturwissenschaftler Julian Kaspar Genner hat es erforscht und weiß, woher ihre Ängste kommen.

Meinen allerersten Artikel für Hinz&Kunzt schrieb ich über Pläne, auf öffentlichen Plätzen in Hamburg den Alkoholkonsum zu verbieten. Am 1. März 2012 war das, die CDU hatte das Verbot in der Bürgerschaft gefordert. Schon damals kritisierte Hinz&Kunzt, ein Verbot würde keine Probleme lösen, sondern Menschen verdrängen.

Zwölf Jahre später – im Frühjahr 2024 – hat Innensenator Andy Grote das Trinken am Hauptbahnhof verboten. Hinz&Kunzt kritisierte erneut, dass davon insbesondere alkoholkranke Obdachlose betroffen sind: „Man kann kranken Menschen mit Verboten nicht helfen, sondern sie lediglich vertreiben“, sagte Geschäftsführer Jörn Sturm.

In dieser Woche zog der Senat eine positive Bilanz. Dabei findet das Trinken nun anderswo statt – und der SPD-Politiker Grote reagiert: Die Alkoholverbotszone dehnt er zum 1. August auf weite Teile St. Georgs aus. Meine Prognose: Wieder werden wir beobachten können, dass das die Probleme nur verlagert.

2012 hatte sich die Bürgerschaft noch mehrheitlich gegen ein Alkoholkonsumverbot ausgesprochen. „Wir halten diesen Ansatz für falsch“, sagte damals der Abgeordnete Arno Münster. Zwar sehe er Handlungsbedarf, weil öffentliche Trinkgelage von vielen Menschen als Problem wahrgenommen würden. „Das kann aber nicht darin münden, dass wir das verbieten“, sagte der Politiker zu Hinz&Kunzt. Seine Partei war übrigens die SPD.

Kommen Sie gut durch das Wochenende!

Hinz&Kunzt Randnotizen

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Artikel aus der Ausgabe:
Hinz&Kunzt-Titelseite zeigt einen Einkaufswagen voller Klopapierrollen. Darauf die Zeile: "Die Krise kann kommen"

Die Krise kann kommen

Schwerpunkt Katastrophe: Wovor Prepper wirklich Angst haben und wie es um Inklusion im Bevölkerungsschutz bestellt ist. Außerdem: Wie Youtuber Klicks auf Kosten von Armen machen.

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Autor:in
Benjamin Buchholz
Benjamin Buchholz
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD für das Onlinemagazin.