Zahnambulanz für Wohnungslose eröffnet

Der Caritasverband baut das medizinische Angebot für Obdachlose aus. Mit der Unterstützung der Elmex-Initiative eröffnet auf St. Pauli die erste Zahnambulanz. Sogar Zahnersatz erhalten Obdachlose dort kostenlos.

Zahnambulanz_Caritas
Präsentieren die neue Zahnambulanz: Andrea Hniopek (Caritas), Michael Edele (Caritas), Petra Schmitt-Böger (Böger Zahntechnik), Dr. Marianne Gräfin von Schmettow (CP Gaba) und Anke Grunwaldt (ehrenamtliche Zahnärztin, sitzend)

Auf dem Gelände des ehemaligen Hafenkrankenhauses zwischen Landungsbrücken und Reeperbahn gibt es jetzt die erste Zahnambulanz für obdachlose Menschen. Umgesetzt wird das Projekt vom Hamburger Caritasverband und der Elmex-Initiative. Die neue Zahnambulanz ist mit einem Behandlungsstuhl, einem Röntgengerät und einem zusätzlichen Hygieneraum ausgestattet.

Seit 2008 ist in Hamburg bereits das Zahnmobil unterwegs, mit dem Obdachlose auf der Straße untersucht werden. „Viele Patienten kommen aus Scham oder Angst erst zu uns, wenn eine Erkrankung im Mundraum schon weit fortgeschritten ist. Durch das Röntgen haben wir nun präzisere Diagnosemöglichkeiten und können genau klären, ob die Sanierung eines Zahnes noch möglich ist oder ob dieser gezogen werden muss“, sagt Anke Grunwaldt. Die Zahnärztin unterstützt das Projekt in ihrer Freizeit. Durch die exaktere Diagnose sei künftig eine bessere Gesamtversorgung der Patienten möglich, sagt sie.

Seit dem Projektstart vor acht Jahren haben immer mehr Menschen das Zahnmobil aufgesucht. Insgesamt wurden im vergangenem Jahr 965 Patienten in der mobilen Praxis behandelt und 520 Zähne gezogen.

Die neue Ambulanz entlastet das bestehende Zahnmobil und erweitert zugleich das bestehende Angebot. Patienten können jetzt nach festen Kriterien auch Zahnersatz erhalten, den die Firma Böger Zahntechnik kostenlos herstellt. „Unser Know-how und unsere Erfahrung möchten wir gerne einsetzen, um Wohnungs- und Obdachlosen etwas Gutes zu tun“, sagt Petra Schmitt-Böger, Geschäftsführerin des seit 95 Jahren tätigen Unternehmens.

Ermöglicht wurde die 125.000 Euro teure Einrichtung der Ambulanz durch Spenden, Stiftungsgelder und Eigenmittel. Michael Edele, stellvertretender Direktor des Caritasverbandes, bedankte sich bei der Eröffnung ausdrücklich bei dem Hamburger Spendenparlament, der Hartog-Stiftung und der Firma Böger Zahntechnik. „Zukünftig können bedürftige Menschen in unserer Stadt Zahnersatz erhalten. Dieses ist ein ganz wichtiger Fortschritt.“

Text: Jonas Füllner
Foto: Timo Spiewak/ Caritasverband für Hamburg e.V.

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