Zahlen des Monats : Nachts überfordert im Pflegeheim

Die Zahlen des Monats aus der Mai-Ausgabe 2016.

52

Menschen gleichzeitig muss ein Nachtpfleger in einem deutschen Pflegeheim durchschnittlich versorgen. Damit bleiben ihm nur zwölf Minuten pro Patient, so eine Untersuchung der Universität Witten-Herdecke. „Das ist Stress pur“, erklärte die Leiterin der Studie, Christel Bienstein. „Wer für 52 Personen in der Nacht zuständig ist, muss damit rechnen, dass – so wie es in Altenheimen meist aussieht – hinter 26 Türen jederzeit jemand beim Weg zur Toilette stürzen kann.“

Grundlage der Erhebung war eine Online-Befragung von Nachtdienstlern. Nahezu jeder zehnte der 267 befragten Pfleger gab an, für mehr als 100 Heimbewohner zuständig zu sein. Daher sei es nicht verwunderlich, so die Autoren der Studie, dass ein Viertel der Befragten erklärte, in ihrer Einrichtung würden Bettgitter oder Schlafmittel eingesetzt. Knapp zwei Drittel der Nachtdienstler gaben an, sich „häufig“ oder „sehr oft“ um herumirrende Patienten mit Demenz kümmern zu müssen. 65 Prozent beklagten, sich nicht ausreichend um Sterbende kümmern zu können.

30.000

Pflegekräfte fehlen nach Berechnungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Er spricht von alarmierenden Ergebnissen und fordert mehr Personal.

Mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz soll sich die Situation in den Heimen ab kommendem Jahr verbessern. Umgesetzt wird es auf Landesebene, in Hamburg stehen die Verhandlungen kurz vor dem Abschluss. Angelika Christ vom Paritätischen: „Die Personalausstattung wird sich verbessern.“ Die Autoren der Studie fordern „mindestens zwei bis drei Pflegende für 60 Bewohner in der Nacht“.

Text: Ulrich Jonas

Mehr Infos unter www.huklink.de/pflegeheime

 

 

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