Hamburger Pfandregal : „Wir werden das nicht ausbauen“

Die Stadtreinigung will nach einer Testphase erst mal keine weiteren Pfandregale in der Innenstadt aufhängen. Der Grund: Um den Hauptbahnhof herum legen Passanten ihren Müll hinein. Anderswo funktioniert das System allerdings gut.

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Insbesondere in der Nähe von Fastfood-Restaurants sind die Pfandregale verdreckt.

Nach vier Monaten hat die Stadtreinigung ein erstes Fazit über die Pfandregale an zehn der 160 Big-Belly-Mülleimer in der Hamburger Innenstadt gezogen. „Durchwachsen“, bilanziert Stadtreinigungssprecher Rainer Fiedler. „Der Versuch hat gezeigt, dass es klappen kann, aber nicht klappen muss.“ Nicht geklappt hat es offenbar bei der Hälfte der Regale: Um den Hauptbahnhof herum seien die Regale oft „total vermüllt“, sagt Fiedler. In der Kirchenallee häuften sich Beschwerden über die Verschmutzung. Deswegen sollen die Regale dort abgebaut und im Bereich um den Jungfernstieg angebracht werden.

Die Pfandregale hatte die Stadtreinigung nach Protesten im Internet im Frühjahr an den umstrittenen neuen Mülleimern angebracht. Der Grund für die Welle der Kritik, die Hinz&Künztler Sascha angestoßen hatte: Eine Klappe verhindert an den Big-Belly-Mülleimern, dass Pfandsammler hineingreifen und darin nach Flaschen suchen können. Die rasch von der Stadtreinigung entwickelten Pfandregale sollen Passanten die Möglichkeit geben, ihre Flaschen darin abzustellen, damit die Sammler sie mitnehmen können. Doch schon bei ihrer Einführung befürchtete die Stadtreinigung, dass die Regale als bequeme Müllablage missbraucht werden könnten. Nur wenn das in einer Testphase nicht geschehe, sollten die Regale an weiteren Mülleimern angebracht werden.

„Wir werden das nicht weiter ausbauen“, sagt Rainer Fiedler jetzt, „weil der Versuch nicht 100 Prozent positiv ausgegangen ist.“ Die Stadtreinigung sehe auch keine Möglichkeit, die Pfandregale regelmäßig reinigen zu lassen – zum Beispiel durch die so genannten „Waste Watcher“, die derzeit in der Innenstadt nach Müll fahnden. Für die Pflege der Pfandregale will die Stadtreinigung keine Arbeitszeit einsetzen:  „Das bezahlt uns ja keiner“, sagt Fiedler. Zusätzliche Kosten dürften nicht entstehen, eigentlich hätten die Sammler selbst sich um die Reinigung kümmern sollen. Immerhin würden die Regale nicht von allen Mülleimern entfernt, das sei ja schon mal etwas.

Hamburger Modell macht Schule

Trotz durchwachsener Bilanz greifen inzwischen auch andere Städte auf das „Hamburger Pfandregal“ zurück. Die Regale aus der Werkstatt der Hamburger Stadtreinigung werden über den Mülleimerhändler German Ecotec aus Pinneberg vertrieben. Deren Geschäftsführer Alexander Rochlitz bedauert, dass oft die Falschen von den Pfandregalen profitieren würden: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Schüler die Flaschen mitnehmen“, sagt er. „Es kann sich jeder bedienen.“

Kiel und Bremen haben bereits zugeschlagen und bei Rochlitz Pfandregale bestellt. An der Weser hängen seit August an acht der zwölf dortigen Big-Belly-Mülleimer Regale nach Hamburger Vorbild. Ein Fazit wollen dir Behörden dort noch nicht ziehen: „Ob sich die Halterungen bewähren, bleibt noch abzuwarten“, sagt Jürgen Falldorf von der Leitstelle „Saubere Stadt“. Weitere Regale wolle Bremen jedenfalls nicht anschaffen.

„Die Regale sind ein Erfolg!“, freut sich Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer, der viel mit Flaschensammlern zu tun hat. In der Innenstadt hätten sie sich bewährt: „Die Pfandflaschen sind schneller weg, als du gucken kannst.“ Deshalb fordert er, an jedem der 160 Mülleimer ein Pfandregal anzubringen – um den Flaschensammlern nicht auch noch ihren geringen Verdienst streitig zu machen. „Dort, wo es gut läuft, müssen mehr hin!“ Eine Begeisterung, die die Stadtreinigung nicht teilt. Rainer Fiedler, der die Einführung der Pfandregale anfangs strikt ablehnte, sagt nach einigem Hin und Her: „Wir verlängern die Testphase jetzt mal. Bis auf Weiteres.“

Text und Foto: Benjamin Laufer

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