Winternotprogramm : Notschlafplätze für Obdachlose werden knapp

Im Winternotprogramm für Obdachlose werden die Plätze knapp. Schon jetzt sind mehr als 800 Betten in den Kirchen-Containern und Notunterkünften belegt.

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In den Containern in der Münzstraße sind die Plätze bereits belegt.

Noch nie zuvor war der Andrang auf das Winternotprogramm bereits im Herbst so groß. Am vergangenen Wochenende suchten insgesamt 821 Menschen Schutz in den Kirchen-Containern und Notunterkünften. „Die zehn Betten bei mir im Zimmer sind immer belegt“, sagt Hinz&Künztler Rainer, der in der Notunterkunft Schaarsteinweg einen Platz erhalten hat. „Wenn einer geht, wird das Bett schnell an einen Neuen vergeben.“

Nur gut, dass die Stadt mit aktuell 888 Plätzen das größte Notprogramm aller Zeiten anbietet. Denn weitere Obdachlose werden sicherlich ihre angestammten Schlafplätze auf Straßen und unter Brücken aufgeben, wenn es kälter wird. Bislang war es vergleichsweise warm. Laut einer Meldung des Deutschen Wetterdienstes war Hamburg in diesem Herbst zwar mit durchschnittlich 10,4 Grad das zweitwärmste Bundesland Deutschlands. Gleichzeitig war der November sehr verregnet.

Unabhängig von den Temperaturen nutzen schon jetzt deutlich mehr Menschen das Winternotprogramm. Letztes Jahr kamen in den drei Notunterkünften zum gleichen Zeitpunkt etwa 600 Menschen, ein Jahr zuvor knapp 500 Menschen unter. Bis März wuchs die Zahl der Schutzsuchenden weiter an. In der Spitze kamen vor zwei Jahren im März 818 Gäste und im März 2014 941 Gäste in den Notunterkünften unter. Ein ähnlicher Anstieg in diesem Winter würde bedeuten, dass die Stadt im März 2016 mehr als 1200 Plätze bereithalten müsste.

Sollte der Andrang schon in den kommenden Tagen zunehmen, wird trotzdem niemand abgewiesen: „Wenn es voll wäre, würden wir weitere Kapazitäten schaffen“, verspricht Sozialbehörden-Sprecher Marcel Schweitzer.

Text: Jonas Füllner
Foto: Simone Deckner

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