Wolfram Koch über den Theater-Shutdown : „Was hier im Lande wirklich zählt, ist Einkaufen“

Wolfram Koch hat im Dezember noch einen Tatort gedreht – mit Maske am Set. Jetzt fallen vermutlich alle seine Termine aus. Foto: Actionpress / gbrci / Future Image

Der Tatort- und Thalia-Schauspieler Wolfram Koch, 58, übt Kritik an der Politik in der Pandemie. Für die neue Ausgabe von Hinz&Kunzt hat er exklusiv seine Lage und die seiner Kolleg*innen während des Lockdowns beschrieben.

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„Wir reden immer groß von der Kulturnation Deutschland“, sagt der Schauspieler. „Und plötzlich, im Lockdown, stellst du fest, dass wir Theaterleute gar nicht zählen.“ Die Theater würden – trotz ihrer Hygienekonzepte – als verzichtbares Freizeitvergnügen gewertet. Wolfram Koch: „Da ahnst du: Aha, was hier im Lande wirklich zählt, ist Einkaufen.“

Er selbst lasse sich zwar „nicht paniken“. Im November und Dezember habe er noch Arbeit bei einem Tatort-Dreh gehabt. Seine Auftritte als Hauptdarsteller in „Network“ am Thalia-Theater fallen dem derzeitigen Lockdown zum Opfer. Bei den freischaffenden Kolleg*innen, den Masken- und Bühnenbildner*innen mache es jetzt „peng, paff, puff“, so Wolfram Koch, ihnen breche alles weg: „Die haben jetzt buchstäblich nix.“ Abends riefen ihn Kolleg*innen an, die nicht wüssten, wie sie die nächste Miete bezahlen sollten.

Natürlich sei Theater eigentlich etwas Absurdes. „Da spielen Erwachsene anderen Erwachsenen, die sich vielleicht extra schick gemacht haben, an einem Ritualort etwas vor“, so der Schauspieler. „Aber es ist eben ein schöner, wichtiger Blödsinn – man begreift im guten Fall sich und das Leben noch mal neu und anders.“

Am Thalia Theater spielt Wolfram Koch in dem Stück „Network“ den Nachrichtenmoderator Howard Beale. Foto: Thalia Theater

Kochs Suada in der Januar-Ausgabe von Hinz&Kunzt endet mit einer Drohung. Wenn die Theater wieder spielten, so der Mime, werde er mitten in einem Stück aufhören zu spielen und für fünf Minuten die Bühne verlassen, denn: „Was die Leute überhaupt nicht aushalten ist Stille.“ Stille täte weh – dies spürten derzeit die Theaterleute. Versöhnlich fügt Koch hinzu: „Und dann? Werde ich natürlich wieder rausgehen und sagen: ‚Wunderbar, dass Sie alle da sind.'“

Er selber habe im ersten Lockdown zu Hause renoviert. Er könne jetzt über Kopf verputzen. „Aber irgendwann denkt das alte Theaterpferd dann doch“, so Wolfram Koch über seine Gefühlslage: „Wann geht denn das Licht endlich wieder an?“

Den gesamten Artikel finden Sie in unserer Januar-Ausgabe. Das neue Hinz&Kunzt-Magazin ist ab dem 30. Dezember auf Hamburgs Straßen erhältlich.

 

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Jochen Harberg

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