Steilshoop : Vonovia-Mieter protestieren

Die Mieterinitiative überreichte ihren Forderungskatalog Mitarbeitern des Wohnungsunternehmens Vonovia. Foto: Günter Wolff

Der Wohnungskonzern Vonovia soll die Instandhaltung von Wohnungen nicht länger als Modernisierung verkaufen und angekündigte Mieterhöhungen zurücknehmen: Das fordert die Mieterinitiative Steilshoop gemeinsam mit 500 Mietern.

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Sie sind seit Monaten Thema im Stadtteil: die umfangreichen Bauarbeiten der Vonovia und damit einhergehende Mieterhöhungen. Nun hat die Mieterinitiative Steilshoop in der örtlichen Geschäftsstelle des Konzerns einen Katalog mit Forderungen übergeben, den rund 500 Mieter unterschrieben haben. „Instandhaltung statt Luxusmodernisierung“, „Rücknahme der angekündigten Mieterhöhungen“ und „Komplette Offenlegung der Rechnungen“ sind drei der insgesamt 15 Forderungen an den Vermieter. „Wir erwarten, dass die Vonovia das ernst nimmt. Und dass die Politik erkennt: Da steigen die Mieten so drastisch, da müssen wir etwas tun“, erklärte Pierre Endries von der Mieterinitiative gegenüber Hinz&Kunzt.

Der Mieterverein zu Hamburg unterstützt die Steilshooper Initiative: „Berücksichtigt man die Erhöhungen der vergangenen vier Jahre, sollen sich die Mieten um bis zu 77 Prozent erhöhen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Mieter würden zu Unrecht mit Instandhaltungskosten belastet. „Damit soll offenbar der sich in einem sehr schlechten Zustand befindende Wohnungsbestand der Vonovia in unzulässiger Weise auf Kosten der Mieter saniert werden.“ Laut Gesetz darf ein Vermieter die Kosten von Modernisierungsmaßnahmen in begrenztem Umfang auf die Miete umlegen, die der Instandhaltung hingegen nicht.

Die Vonovia erklärte gegenüber Hinz&Kunzt: „Die vom Hamburger Mieterverein geäußerten Vorwürfe sind de facto falsch.“ Der Konzern trenne wie gesetzlich vorgegeben klar zwischen Modernisierung und Instandhaltung und benenne die einzelnen Maßnahmen gegenüber den Mietern ausdrücklich. 90 Prozent der Vonovia-Wohnungen in Steilshoop würden auch nach der Modernisierung unterhalb der Grenzen liegen, die die Ämter bei Hilfeempfängern für Mietkosten ziehen. Und für Härtefälle gebe es „individuelle Lösungen“.

Die Vonovia ist Deutschlands größter Wohnungskonzern. In Hamburg verfügt sie nach eigenen Angaben über rund 11.000 Wohnungen. Bundesweit klagen immer wieder Mieter in einer Facebook-Gruppe über den Vermieter. In Bremen entschied das Landgericht kürzlich, dass eine Vonovia-Mieterhöhung um knapp 40 Prozent nicht rechtens war. Der Mieterverein zu Hamburg geht davon aus, dass das Urteil grundsätzliche Bedeutung hat – und damit auch Mieter in Steilshoop vor überzogenen Mieterhöhungen schützen könnte.

Über den Autor
Ulrich Jonas
Freier Journalist und Hinz&Kunzt-Autor aus Leidenschaft, schreibt seit vielen Jahren über Armutslöhne, Ausbeuter und Ideen für eine solidarische Gesellschaft.

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