Obdachlose in Portland : Verhaftet wegen Stromdiebstahl

In den USA ist eine Obdachlose von der Polizei verhaftet worden, weil sie ihr Handy an einer außen angebrachten Steckdose aufgeladen hatte. Der Vorwurf: Diebstahl. Das Telefon braucht sie, um im Notfall Hilfe rufen zu können.

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Aufgeladene Handys sind für Obdachlose wichtig. Damit können Sie im Notfall Hilfe rufen.

Es geht um einen Bruchteil eines Cents, den eine Obdachlose in den USA gestohlen haben soll. In Portland (Oregon) haben Polizisten im vergangenen Juli eine Frau verhaftet, die versucht hatte, ihr Handy an einer außen angebrachten Steckdose aufzuladen. Ein privater Sicherheitsdienst hatte die Frau dabei beobachtet und den „Diebstahl“ an die Polizei gemeldet, berichtet das wöchentlich in Portland erscheinende Straßenmagazin StreetRoots. Die Frau sei schockiert gewesen, dass das Aufladen eines Handys sogar eine gerichtliche Vorladung rechtfertigte.

„Bei einer Vorladung wegen Diebstahls denkt man eher an Ladendiebstahl als an das Aufladen eines Handys“, sagte Rechtsanwalt Stacy Du Clos zu StreetRoots. Die Beschuldigte sei in Sorge, wegen des Vorwurfs noch schlechtere Chancen auf eine Wohnung zu haben. Schließlich stehe „Jackie“, wie StreetRoots sie nennt, auf unterschiedlichen Wartelisten für eine feste Bleibe.

Ein aufgeladenes Handy bedeutet für die obdachlose Jackie ein Stück Sicherheit. „Männer kommen mir zu nahe, und immer wieder passiert etwas“, sagt sie. Mit einem Handy kann sie im Notfall Hilfe rufen – deswegen hatte sie ihr entladenes Telefon an die Steckdose angeschlossen. „Bevor ich obdachlos wurde, hatte ich ja keine Ahnung“, sagt sie. „Jetzt werde ich angegriffen.“

„Es fühlt sich so verdammt falsch an“, kommentiert Jackie den Aufwand, den die Behörden ihretwegen getrieben haben. „Die Menge an Zeit und Geld und die Verschwendung von Ressourcen des Richters, der Anwälte, der Angestellten, der Polizei und so weiter.“ Schlussendlich hat der zuständige Staatsanwalt die Anklage dann fallen lassen. Ein anderer Mann steht wegen des gleichen Vergehens laut StreetRoots aber noch in Portland vor Gericht.

Text: Emily Green (StreetRoots), Benjamin Laufer
Foto: Diego Diaz (StreetRoots)

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