Kommentar : Unsoziales Blankenese

In Blankenese wird es vorerst keine Flüchtlingsunterkunft geben. Nachdem Anwohner am Dienstag Bauarbeiten in dem Nobelstadtteil blockierten, erreichten sie jetzt vor Gericht einen Baustopp der Unterkunft für 190 Flüchtlinge. Ein Kommentar von Jonas Füllner.

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Der Nobelstadtteil Blankenese.

Es ist ihnen tatsächlich gelungen, Stadt und Bezirk auszutricksen: Ein paar falsch geparkte Autos reichten aus, um den Bau einer Flüchtlingsunterkunft in Blankenese zu blockieren. 

Die Aktion offenbart ein völlig unsoziales Verhalten. Und das nicht zum ersten Mal. Ursprünglich war am Björnsonweg eine Unterkunft für Wohnungslose und Flüchtlinge vorgesehen. Deutsche, Rumänen und Syrer würden vermutlich längst vereint in den Holzpavillons leben. Aber die Anwohner klagten und erreichten, dass ja keine Obdachlose in ihre Nachbarschaft ziehen.

Stattdessen war eine kleine Unterkunft für Flüchtlinge vorgesehen. Eigentlich im Sinne des Dachverbands der Bürgerinitiativen, die sich gegen zu viele Flüchtlinge vor ihrer Haustür einsetzen. Sie fordern, dass die Flüchtlinge auf alle Stadtteile verteilt werden. Zudem sollen niemals mehr als 300 Menschen in einer Unterkunft leben. Blankenese passte perfekt in dieses Schema: Der Björnsonweg mit seinen lediglich 192 Plätzen für Flüchtlinge wäre die ersten Unterkunft in Blankenese gewesen – mit weit unter 300 Plätzen.

Die Anwohner im Björnsonweg wollen ganz offensichtlich weder Obdachlosen noch Flüchtlinge in ihrer Nachbarschaft. Sie sagen, sie könnten nicht so viele Flüchtlinge integrieren. Ein Stadtteil mit mehr als 13.000 Einwohnern und reichlich Fläche kann nicht einmal 192 Flüchtlinge aufnehmen? Was dann? Dann wird offenbar, dass andere Gründe den Ausschlag geben. Und zwar nicht der Naturschutz. Das jetzt ins Spiel gebrachte Argument ist der verzweifelte Versuch, die generelle Abwehrhaltung gegenüber Armen zu kaschieren. Denn die Brachfläche am Björnsonweg ist kein geschütztes Biotop. Sie war lange Zeit Baugebiet. Bis 2008 lebten dort in einem ehemaligen Studentenwohnheim sogar schon einmal Flüchtlinge.

Seitdem gab es keine Flüchtlingsunterkunft mehr im beschaulichen Blankenese. Geht es nach den Anwohnern in dem Nobelstadtteil, dann soll das auch so bleiben. Integration? Hilfestellung für Schutzsuchende? Das sollen offenbar andere leisten. Die Mopo zitierte eine Anwohnerin im Juni 2015, die kurz zuvor in den Björnsonweg gezogen war, mit den Worten: „Wir haben uns diese Gegend ausgesucht, weil es hier so ruhig ist und so sicher.“ Und wenn jetzt eine Flüchtlingsunterkunft gebaut würde? „Das ist nicht das, wofür wir bezahlt haben.“

Text: Jonas Füllner
Foto: Mauricio Bustamante

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