Alternative Modemesse : Tauschen und Reparieren

Während das Bündnis für nachhaltige Textilien bundesweit für faire Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern wirbt, präsentiert eine Hamburger Initiative am Sonntag nachhaltige Mode: Neue Kleider aus alten Stoffen. „Und wer will, der kann bei uns seine Hose flicken“, sagt Veranstalter Jan Reteike.

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Der Frage „Warum Recycling? Chancen und Schwierigkeiten“ widmet sich um 16 Uhr ein Vortrag beim Forum faire Mode.

Mit einem Bündnis für nachhaltige Textilien will Entwicklungshilfeminister Gerd Müller faire Arbeitsbedingungen in Ländern wie Bangladesch, Pakistan oder auch Kambodscha durchsetzen. Nach der Brandkatastrophe in einer pakistanischen Textilfabrik vor zwei Jahren hatten Initiativen wie die Kampagne für saubere Kleidung höhere Sicherheitsstandards eingefordert. „Markenfirmen und Handelshäuser sind jetzt gefordert, dass soziale und ökologische Standards sowie die Menschenrechte bei der Arbeit eingehalten werden“, sagt Kampagnensprecher Berndt Hinzmann.

Doch das Bündnis steht auf wackeligen Beinen. Mehrere Verbände der Bekleidungsindustrie und zwei Handelsverbände raten ihren Mitgliedern von einer Unterzeichnung der Vereinbarung ab. Dabei sind nicht einmal Sanktionen vorgesehen, wenn Unternehmen die neuen Standards nicht einhalten. Aber nicht nur von Seiten der Industrie wird Kritik laut. Auch Greenpeace wird dem Bündnis nicht beiwohnen. „Anders als angekündigt, lässt Herr Müller den Giftschrank der Industrie offen und gefährdet damit die Gesundheit der Menschen und die Umwelt weiter“, kritisiert Sprecherin Kirsten Brodde. Denn das Bündnis sieht zwar die Zahlung fairer Löhne vor, verbietet aber nicht den Einsatz umwelt- und gesundheitsgefährdender Chemikalien.

Aber müssen es immer die neusten Kleider sein? Müssen wir wirklich jeden Trend mitgehen? „Unsere Wirtschaft kann nicht unbegrenzt wachsen in einer begrenzten Welt“, meint Jan Reteike von der Hamburger Initiative „Wir wollen es anders“. Gerade in der Bekleidungsbranche würden unentwegt Ressourcen verbraucht. Deswegen hält der 34-Jährige nicht viel vom üblichen Konsumkreislauf. „Es wird so unfassbar viel weggeschmissen.“ Mit dem Forum Faire Mode präsentieren Reteike und seine Mitstreiter im Centro Sociale jetzt ihren Gegenentwurf: Teilen, Tauschen und Reparieren.

„Was kaputt geht, muss man nicht gleich wegwerfen“, sagt Reteike. An Nähmaschinen können die Besucher Kleidungsstücke flicken lassen oder selber Hand anlegen. „Bei unserem letzten Event habe ich selber zwei Jeans flicken lassen“, sagt Reteike und fügt an: „Es sind dann auch Profis dabei, die Hilfestellung bieten können.“ Aber nicht nur das: Eine Tauschbörse bietet die Möglichkeit zum Kleiderwechsel.

Neben dem praktischen Teil dreht sich alles um aktuelle Ideen und Ansätze zu fairen und ökologischen Mode. Dazu gehört auch das Bewusstsein, wieder verstärkt auf lokale Produktion zu setzen. Im Rahmen einer kleinen Messe erhalten Hamburger Modelabels wie Avocado Store, Marlowe Nature, Kleiderei, Redesign Hamburg, Frau Schröder und Schutz & Schmuck Raum, um ihre Modestrecken zu präsentieren.

Centro Sociale , Sternstr. 2, 19.10., 13–19 Uhr, Eintritt frei.

Text: Jonas Füllner
Foto: Wir wollen es anders

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