Manche unserer Verkäufer:innen können wenig oder gar kein Deutsch. Ein freiwilliger Sprachkurs schließt die größten Lücken – mit Benjamin Key als ehrenamtlichem Lehrer.
Vorne an der Tafel hält Benni ein Bild hoch. „Was ist das?“, fragt er in die fünfköpfige Runde, die sich an diesem Dienstagnachmittag Ende Februar im Untergeschoss des Hinz&Kunzt-Hauses in der Minenstraße eingefunden hat. Die Schüler:innen, vier Männer und eine Frau und allesamt aus Rumänien oder Polen, schauen sich fragend an. „T-e-l-l-e-r“ sagt Benni betont langsam, alle nicken fröhlich und wiederholen das Wort laut für sich selbst, Marek notiert es sogar gewissenhaft in sein Vokabelheft. Dann geht es weiter zu den nächsten Bildern – eine rote Zwiebel, eine weiße Zwiebel, schließlich eine Karotte. Denn das Thema heute ist: Lebensmittel einkaufen im Supermarkt.

Seit rund drei Jahren ist Benjamin Key, 39, Teil des Unterrichtsteams, das Hinz&Kunzt-Verkaufenden kostenlos einmal wöchentlich erste Kenntnisse der für sie fremden und schwierigen Sprache vermitteln will. Das zweistufige, niedrigschwellige Konzept (siehe den Themenlink S. 43) soll ihnen auch dabei helfen, sich beim Verkauf des Straßenmagazins mit ihrer Kundschaft austauschen zu können. Als ihn sein Freund Cedric Horbach aus der Hinz&Kunzt-Assistenz fragte, ob er sich vorstellen könne, den Deutschkurs im Hause mitzuleiten, hat Benni, wie ihn alle nennen, nicht lange gezögert. Schließlich hatte er bereits 2018 Erfahrungen als ehrenamtlicher Deutschlehrer gemacht – auf einer Reise durch Indonesien unterrichtete er ein halbes Jahr an einer dortigen Schule.
„Einfach mal machen“, das ist die Maxime, die sich Benni für sein Leben verordnet hat. So leitet er unter anderem das Fortgeschrittenen-Boxtraining des FC St. Pauli, dort auf dem Kiez sind er und seine Familie auch zu Hause. Im normalen Leben arbeitet er Vollzeit für die Hamburger Hochbahn, in der Konstruktionsabteilung in Barmbek. Seine Diens(t)tage beginnt er dort schon um sechs Uhr, damit er nachmittags Zeit für seinen „Job“ bei Hinz&Kunzt hat. Mit seiner leisen und angenehm weichen Stimme wäre Benni als Lehrkraft vor einer normalen, laut-lärmigen Schulklasse wohl schnell im Hintertreffen – aber hier und heute ist er für seine Schüler:innen ein Held des Ehrenamts. Dass die es im Leben nicht leicht hatten und haben, ist für ihn extra Motivation: „Es ist traurig, wie die Teilnehmenden teilweise behandelt werden. Dabei sind wir doch alle gleich!“ Die Atmosphäre im Unterricht empfindet er als „gleichberechtigt, lebendig, spaßig und echt“, hier zu helfen ist ihm deshalb zur Herzensangelegenheit geworden: „Ich finde es gut, wenn Leute allgemein netter zueinander sind und sich mehr unterstützen.“
Um 17 Uhr ist der Unterricht beendet. Benni verabschiedet sich freundlich, schwingt sich aufs Rad und fährt davon Richtung St. Pauli – in 90 Minuten beginnt heute das Boxtraining. Ein langer Tag voll Arbeit und Engagement ist für Benjamin Key noch längst nicht zu Ende.
